Interview mit Tjara Zimmermann

„Vom Christkind geht Zauber aus“

Einmal das Christkind umarmen: Die Begeisterung der Kinder zu spüren, das war für Tjara Zimmermann besonders schön.
Einmal das Christkind umarmen: Die Begeisterung der Kinder zu spüren, das war für Tjara Zimmermann besonders schön. | Foto: Privat2018/12/christkind-tjara-zimmermann-madchen.jpg

RÖTHENBACH — Sie war das am längsten amtierende Christkind in Röthenbach: Zum vierten und letzten Mal hat sich Tjara Zimmermann heuer das goldene Gewand und die Lockenperücke übergestreift. Und das nicht, weil die 20-Jährige so an dem himmlischen Amt kleben würde. Nein, es hatten sich – trotz zahlreicher Bemühungen der Stadt –  keine anderen Bewerberinnen gemeldet. Im Interview mit der PZ erzählt die Fachoberschülerin, warum es so toll ist, Christkind zu sein.

Tjara, als du dich vor vier Jahren als Christkind beworben hast, hättest du da gedacht, dass du es so lange bleiben würdest?

Zimmermann: Nein, das hatte ich nicht erwartet. Für mich war das immer ein Mädchentraum und ich dachte, dass es dafür ganz viele Bewerberinnen gibt.

Was ist dir aus den vier Jahren Amtszeit besonders in Erinnerung geblieben?

Zimmermann: Es gab viele schöne Erlebnisse. Zum Beispiel die Feier der Lebenshilfe in der Karl-Diehl-Halle. Dort herrscht einfach eine super entspannte, familiäre Stimmung. Ein anderes Highlight ist der Auftritt in der Meistersingerhalle bei der Weihnachtsfeier der Firma Diehl vor unheimlich vielen Menschen. Da war ich schon immer ein bisschen aufgeregt. Besonders bewegend fand ich die Besuche in Altenheimen. Man sieht zwar viel Leid, bekommt aber auch jede Menge positiver, ehrlicher Rückmeldungen. Die älteren Menschen freuen sich so, wenn sie mich sehen. Und ich war mit 30 bis 40 Christkindern aus der ganzen Umgebung bei einem Christkind-Symposium in Coburg. Wir haben verschiedene Workshops belegen können. Einer davon war zum Beispiel, wie man sich bei einem Interview verhält oder wie man sich am besten für ein Foto positioniert. Das war eine wirklich besondere Erfahrung.

Ist dir auch mal eine Panne passiert? Eine heruntergefallene Krone zum Beispiel oder eine verrutschte Perücke?

Zimmermann (lacht): Zum Glück nicht. Kürzlich stand ich am falschen Altenheim, da ist in der Terminabsprache etwas schiefgelaufen und ich bin kurz in Panik geraten. Ein bisschen heikel war es einmal, als mich Kinder gefragt haben, warum ich Gummis an den Händen habe. Die sind nämlich dazu da, dass die Flügel halten. Da habe ich dann geantwortet, dass das so sein muss, falls der Wind beim Fliegen zu stark bläst.

Ich stelle es mir gar nicht so einfach vor, auf Kinderfragen immer die richtige Antwort parat zu haben, oder?

Zimmermann: Das stimmt. Sie fragen zum Beispiel: „Warum sehen wir dich nie fliegen?“ Da antworte ich dann: „Weil die Kinder mich beim Fliegen nicht sehen dürfen.“ Ich weiß ja nicht genau, was oder wie viel die Eltern ihren Kindern zu Hause übers Christkind verraten. Blöd ist es auch, wenn die Kleinen mich ins Auto steigen sehen. Ich habe aber immer darauf geachtet, dass sie mich nie ohne Krone oder Perücke sehen. Das war manchmal nicht so leicht.

Man hat den Eindruck, dass der Besuch am Röthenbacher Weihnachtsmarkt in den vergangenen Jahren abgenommen hat. Ist das für dich als Christkind schade?

Zimmermann: Für mich persönlich ist es auch schön, wenn ich nur einer Person eine Freude machen kann. Ich spreche genauso gern vor zwei wie vor 200 Leuten. Aber es stimmt schon, der Besuch ist leider rückläufig, heuer vermutlich auch wegen des schlechten Wetters. Das ist schade, weil ich sehe, wie viel Mühe sich die Stadt und speziell das Kulturamt geben.

Es war in diesem Jahr lange offen, ob es überhaupt ein Christkind gibt. Als keine Bewerbungen bei der Stadt eingingen, hast du dich noch einmal zur Verfügung gestellt. Jetzt darfst du ein bisschen Werbung machen: Was ist toll daran, Christkind zu sein?

Zimmermann: Es ist so ein schönes Ehrenamt, mit dem man viel Freude bereiten kann. Jeder ist glücklich, wenn das Christkind kommt, und die Leute schauen einen mit diesen besonderen Blicken an, die man sonst gar nicht kennt. Ich habe unheimlich viel zurückbekommen. Vom Christkind geht einfach der Weihnachtszauber aus.

War es schwierig, Schule und Ehrenamt zeitlich unter einen Hut zu bekommen?

Zimmermann: Natürlich ist es manchmal anstrengend, man muss sich einen guten Zeitplan machen. Aber insgesamt ist es auf jeden Fall machbar. Die Stadt lässt bei Terminvereinbarungen auch mit sich reden. Nächstes Jahr werde ich allerdings anfangen zu studieren, nebenbei möchte ich arbeiten, da wäre es schon schwierig. Also Mädels: Traut euch und bewerbt euch!

Wie feierst du selbst Heiligabend?

Zimmermann: Ganz ruhig, im Kreis der Familie und mit meinem Freund. Wir gehen in die Kirche und machen vielleicht ein paar Spiele.

N-Land Stefanie Buchner-Freiberger
Stefanie Buchner-Freiberger