TSV und FC Röthenbach brechen Gespräche ab

Die Vereinshochzeit ist abgesagt

Links FC, rechts TSV: die Sportgelände der beiden Röthenbacher Vereine.
Links FC, rechts TSV: die Sportgelände der beiden Röthenbacher Vereine. | Foto: Sichelstiel2017/03/tsvfcr.jpg

RÖTHENBACH — Erneut ist eine Fusion der beiden Röthenbacher Sportvereine FC und TSV geplatzt. Die Mehrheit der TSV-Mitglieder votierte bei der Jahreshauptversammlung für einen Abbruch der seit 2015 laufenden Gespräche. Seither findet sich vor allem auf Facebook ein Hin und Her gegenseitiger Schuldzuweisungen. Fest steht: Ohne Fusion blicken FC und TSV gleichermaßen in eine ungewisse Zukunft.

„Wir hatten auch nach zwei Jahren noch kein gemeinsames Ziel erarbeitet“, sagt Inge Pirner, die TSV-Vorsitzende, zum Abbruch der Gespräche. Ihr Kollege vom 1. FC Röthenbach, Manuel Hübsch, kommentiert hingegen: „Wir waren überrascht von dem Antrag in der TSV-Jahreshauptversammlung. Die Resonanz unserer Mitglieder auf eine Fusion war positiv.“

Unmittelbar nach der Abstimmung entschieden die Fußball-Jugendleiter des FC, die Spielgemeinschaft mit dem TSV zur Saison 2017/18 einzustellen. Betroffen sind laut Hübsch die F-, E- und D-Jugend, insgesamt zehn Mannschaften. Zudem veröffentlichte der FC ein Statement auf Facebook und auf seiner Website, in welchem dem TSV vorgeworfen wird, den Breitensport in Röthenbach zu begraben. „Böswillige Öffentlichkeitsarbeit“, konterte die Gegenseite, der vor allem das Aufkündigen der Spielgemeinschaft sauer aufstieß. Die Fronten sind verhärtet.

Fusionsgedanken sind nichts Neues in Röthenbach – und schon immer war die Debatte darüber schwierig. Bereits im Frühjahr 2001 war eine Vereinshochzeit an einem TSV-Mitgliedervotum gescheitert. Damals gab es sogar Pläne für einen neuen Sportpark in der Mühllach. Doch der TSV hätte sein Gelände verkaufen müssen, wofür sich keine Mehrheit fand (die Pegnitz-Zeitung berichtete).
So weit waren die Pläne diesmal nicht gediehen, die Standortfrage blieb bis zum Schluss offen. Die Vereine konnten sich noch nicht einmal auf eine einheitliche Wortwahl verständigen. So sprach der FC stets von „Fusionsgesprächen“, während der TSV-Vorstand Wert darauf legte, dass man seit 2015 allenfalls „Sondierungsgespräche für eine mögliche Fusion“ führe.

Zu klein zum Überleben

Dabei haben FC und TSV dasselbe Problem: Auf lange Sicht sind sie zu klein zum Überleben. Mit seinen 590 Mitgliedern steht der FC vor einer kaum zu schulternden Investition, sein Vereinsheim im Pegnitzgrund ist so marode, dass ein Neubau notwendig ist. Der TSV hingegen hat nach eigenen Angaben zwar rund 750 Mitglieder, aber Nachwuchssorgen vor allem bei den Fußball- und Tennisabteilungen. Hinzu kommt – trotz eines großen Grundstücks mitten im Wohngebiet Seespitze – eine offenbar angespannte Finanzlage. Bei der Jahreshauptversammlung sah sich der Vorstand gar zu einem Dementi veranlasst, das man auf der Vereinshomepage nachlesen kann: „Gerüchte, dass der TSV 1899 Röthenbach vor einer drohenden Insolvenz steht, entbehren jeglicher Grundlage.“

Die Hochzeit, die auch schon einmal 1948 im Gespräch war, könnte viele Probleme lösen. Zu diesem Ergebnis kamen auch zwei Studenten des „Kleeblatt-Campus“ der SpVgg Greuther Fürth, die im vergangenen Jahr die Ist-Situation analysierten. Sie empfahlen die komplette Fusion und den anschließenden Ausbau des Angebots für Senioren wie für Jugendliche, um neue Mitglieder zu generieren. Sogar über hauptamtliche Übungsleiter und Vormittagskurse dachten sie nach.

Dass es nicht mehr weitergeht wie bisher, unterschreiben beide Vereinsvorsitzende. Pirner (TSV) sagt, „nur ein Verein, der eine gewisse Größenordnung hat, kann überleben“. Hübsch (FC) warnt gar davor, dass es so oder so „bald einen Verein weniger geben wird“. Nichtsdesto­trotz entwickeln beide nun Pläne ohne den jeweils anderen. Der FC hat ein dreiköpfiges Gremium gebildet, dass ausloten soll, unter welchen Bedingungen ein Neubau des Vereinsheims machbar ist. Beim TSV steht eine „Zukunftswerkstatt“ an, Pirner will mit anderen Röthenbacher Vereinen über Zusammenschlüsse sprechen. In Frage kommen laut dem TSV-Geschäftsführer Wolfgang Hellmann die Ringer vom ASC, aber auch die Schützen der SSG.

Verschiedene Mentalitäten

Die Gründe für das Scheitern einer Vereinshochzeit sind im Detail nur schwer auszumachen und haben wohl viel mit verschiedenen Mentalitäten zu tun. Hellmann, zugleich Beauftragter des TSV für die Verhandlungen mit dem FC – oder Sondierungsgespräche, je nach Lesart –, betont vor allem die Komplexität einer Fusion. Er hätte vor einer Entscheidung gerne verschiedene Modelle ausgearbeitet („Projekte werden beim TSV immer mit einem Konzept vorangetrieben“). Hübsch hingegen fühlt sich „hingehalten“. Er sagt, der FC habe im Hinblick auf die laufenden Gespräche „seit Jahren nichts am Sportheim machen lassen“, um keine Fakten zu schaffen. Man kann das aber auch anders deuten: „Bei einigen unserer Mitglieder gab es die Befürchtung, dass das Ziel des FCR nur die Renovierung des Sportheims war“, sagt Hellmann.

Während der TSV-Vorstand gerne einen offiziellen Beschluss der FC-Mitglieder  gesehen hätte, zog sich Hübsch auf eine schriftliche Mitgliederbefragung zurück. Diese ergab ihm zufolge 85 Prozent Zustimmung. Allerdings, sagt er im Gespräch mit der Pegnitz-Zeitung, seien ausbleibende Rückmeldungen als Zustimmung gewertet worden.

Hinzu kommt, dass der FC stark durch seine Fußballabteilung dominiert ist. Inge Pirner, die TSV-Vorsitzende, sagt im Gegensatz dazu, sie denke „breit“. Mit „Wibeki“ gab es bereits 2011 ein Angebot für Kindergartenkinder, in Zukunft soll der Seniorensport mehr Gewicht bekommen. „Eine Idee ist, auch etwas zu investieren und eine Halle für den Breitensport zu bauen“, so Pirner. Der FC wirft
ihr jedoch vor, an „klassischer Vereinskultur“ kein Interesse zu haben.

Hacker hält sich raus

Klaus Hacker, der Röthenbacher Bürgermeister, war anfangs als Vermittler in die Gespräche eingebunden. Öffentlich hält er sich inzwischen allerdings raus. „Das müssen die beiden Vereine selbst wissen“, sagt er zur jüngsten Entwicklung. Ihm sei nur an „einer funktionsfähigen Vereinslandschaft in Röthenbach“ gelegen.

N-Land Andreas Sichelstiel
Andreas Sichelstiel