Ausstellung im Wehrtechnikmuseum Röthenbach

Rechnenmaschinen aus Opas Zeit

Museumschef Werner Sünkel (r.) erklärt, wie die Maschinen funktionierten. Gespannt lauschen (v.l.) Diehl-Gesellschafter Werner Diehl, stellvertretender Landrat Norbert Reh, Bürgermeister Günther Steinbauer und SPD-Bürgermeisterkandidat Erwin Unfried.2013/04/61540_austellwehrtechnikmuseumrechenmaschinen_New_1366296065.jpg

RÖTHENBACH — Es rattert und klappert, rasselt und scheppert, dann steht das Ergebnis fest. Fasziniert sahen die Gäste bei der Eröffnung der Sonderausstellung „Vom Arithmometer zum druckenden Rechensystem“ im Wehrtechnikmuseum in Röthenbach dabei zu, wie eine historische, mechanische Rechenmaschine eine komplizierte Division durchführte – und am Ende das richtige Ergebnis ausspuckte.

Die Älteren erinnern sich noch gut an das Rattern in den Büros, wenn die Rechenmaschinen heißliefen. „Früher standen überall bei uns in der Firma solche Maschinen auf den Tischen“, erzählte Werner Diehl, Gesellschafter und stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrats der Diehl-Gruppe, beim Rundgang durch das Museum.

Der 67-Jährige hat dabei einen ganz besonderen Bezug zu den Maschinen, denn sein Vater, Karl Diehl, war 1952 selbst in die Produktion der Rechenmaschinen eingestiegen – und das sehr erfolgreich. Bis 1965 wurden im Betrieb in Nürnberg etwa 60 000 Exemplare gefertigt, bis sie von elektronischen Rechnern abgelöst wurden. 1978 wurde die Sparte „Diehl Datensysteme“ an Triumph-Adler verkauft.

Auch aus der Produktion der Firma Diehl, die direkt neben dem Museum im benachbarten Gewerbegebiet ihren Röthenbacher Sitz hat, sind etliche der etwa 40 verschiedenen Modelle im Museum zu sehen – vom Pilotmodell A bis zur VSR. Daneben stapelt sich die Konkurrenz von Astra, Continental, Olympia, Walther oder Mercedes. Ergänzt wird die Ausstellung durch Erklärungstafeln und weitere historische Addierhilfen – vom hölzernen Abacus über den Kreisrechenschieber bis hin zu den ersten elektronischen Handtaschenrechnern.

Die rund 200 historischen Rechenmaschinen hat Museumschef Werner Sünkel in vielen Jahren zusammengetragen; nun präsentiert er seine Schätze zum ersten Mal der Öffentlichkeit. Die 1,6 Tonnen Metall, Tasten und Bolzen stapelten sich bis unters Dach seiner Garage – nur ein leidenschaftlicher Sammler mag das wohl verstehen. Seine Frau Margit jedenfalls bekam für diese Geduld einen dicken Blumenstrauß überreicht.

Blick in die Geschichte

Professor Harald Schmid von der Hochschule Amberg-Weiden warf als Experte zur Einführung einen Blick zurück in die Geschichte. „Das Rechnen war den Menschen schon immer lästig, weil es ein eintöniger Prozess ist“, erklärte er. Und so habe man schon im Altertum versucht, diese Aufgabe zu vereinfachen, damals mit Hilfe von Rechensteinen. Es dauerte aber noch bis ins 17. Jahrhundert, ehe Gottfried Wilhelm Leibniz eine Maschine erfand, die alle vier Rechenarten beherrschte. Doch weil damals die Präzision bei der Fertigung fehlte, kalkulierten diese meist falsch.

1820 vereinfachte der Franzose Thomas das Konzept, im sächsischen Glashütte gründete Arthur Burkhardt 1878 die erste deutsche Manufaktur, die das Modell „Archimedes“ hervorbrachte. 1930 wurden aus den Maschinen endgültig Automaten, die den kompletten Rechenvorgang übernahmen – ein Umbruch in der Industrie. Die Geräte verkauften sich haufenweise – ob einfach und günstig oder hochkomplex und teuer.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden viele deutsche Firmenbesitzer enteignet – auch die Firma Burkhardt teilte dieses Schicksal. Zwei der wichtigsten Experten kamen von Glashütte nach Franken – wo sie Karl Diehl für ihr Projekt begeistern konnten. Der Rest ist Industriegeschichte …

Welche herausragende Rolle die Diehl-Maschinen damals einnahmen, stellte Schmid in seinem Vortrag heraus. Sie seien das „Konzentrat aus einer 300-jährigen Entwicklungsgeschichte“ gewesen und „die innovativsten Maschinen ihrer Zeit“. Selbst die Konkurrenz der Firma Frieden habe beim Vergleich ihrer Rechenmaschinen mit den Diehl-Produkten eingestanden: „Es ist, als ob man einen Bugatti mit einem Ford vergleicht.“

Das freute nicht nur die Diehl-Vertreter, sondern auch einige ehemalige Mitarbeiter, die sich die Ausstellung nicht entgehen lassen wollten. Hatten sie doch selbst jahrelang an der Entwicklung und Produktion der Maschinen mitgewirkt. In Röthenbach standen sie noch lange zusammen und schwelgten in Erinnerungen.

Die Sonderausstellung ist noch bis Mitte 2014 zu sehen. Übrigens: Wer beim Besuch die Gelegenheit hat, Werner Sünkel in die Finger zu bekommen, sollte diese nutzen: Der Museumschef ist nicht nur ein absoluter Experte auf dem Gebiet, beim Rundgang mit den Besuchern berichtet er außerdem mit einer Leidenschaft von seinem Hobby, die selbst Technikmuffel begeistert.

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