Röthenbacher Rathauschef zieht Bilanz

Am Mittwoch endet die Ära Steinbauer

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RÖTHENBACH — 18 Jahre war er Röthenbachs Bürgermeister, jetzt nimmt er seinen Hut: Am Donnerstag wird Günther Steinbauer (SPD) von Klaus Hacker (FW) als Rathauschef abgelöst.

Seinen Abschied aus der Politik hatte er sich anders vorgestellt. Günther Steinbauer wollte Röthenbach wieder in die Hände eines SPD-Bürgermeisters übergeben und nach dem Ende seiner Amtszeit – die Zustimmung des Wählers vorausgesetzt – sechs weitere Jahre im Kreistag dranhängen. Doch der Wähler meinte es nicht gut mit den Genossen in der Pegnitzstadt. Er nahm ihnen die seit 1966 ungebrochene Mehrheit im Stadtrat und den Bürgermeisterposten. Steinbauer selbst bleibt nicht im Kreistag, sondern wird am 1. Mai, wenn Klaus Hacker auf dem Chefsessel des Rathauses Platz nimmt, von jetzt auf gleich zum Ruheständler.

Wird der 68-Jährige künftig daheim die Rosen schneiden? „Ich bin nicht der große Heimwerker und Gärtner“, verrät er. „Eine solche Situation“ wie den Ruhestand habe er zwar noch nicht erlebt, „aber mir wird schon nicht langweilig“. Auf jeden Fall will der Noch-Bürgermeister „viel mit dem Rad unterwegs sein“.

Steinbauer hat nicht nur in den vergangenen 18 Jahren im Rathaus gearbeitet, er hat dort sein ganzes Berufsleben verbracht. Mit 14 fing er als Auszubildender unter Bürgermeister Karl Fischer an, „alles andere hat sich ergeben“. Später war er Leiter des Kulturamts und dann in der Kämmerei. Hubert Munkert, der von 1966 bis 1990 regiert hatte, und sein Nachfolger Theo Schultes kürten Steinbauer am Ende von Schultes Amtszeit zu ihrem Wunschkandidaten – und die SPD nominierte ihn für das Bürgermeisteramt. Schon damals wäre Hacker, noch Parteimitglied, gerne an seiner Stelle gewesen. Steinbauer indes haftete zwar an, kein eingefleischter Sozialdemokrat zu sein, doch er setzte sich durch und wurde 1996 mit 58 Prozent der Stimmen gewählt.

Die vielleicht größte Aufgabe seiner Amtszeit, sagt er im Rückblick, sei die Sanierung der Conradtysiedlung gewesen. 1996 war diese, so der 68-Jährige, „in einem Zustand, der einen traurig machte“. Die Stadt machte den Anfang mit ihrer Wohnungsbaugesellschaft, private Träger zogen mit, Röthenbach wies ein Sanierungsgebiet aus und organisierte Fördergelder. Die halbe Innenstadt war zeitweise eine Baustelle, auch der Kinoberg veränderte sein Aussehen, die Häuser in der Grünthalstraße wurden saniert. Der neue Marktplatz soll das Mammutwerk krönen, doch er existiert seit Jahren nur auf dem Papier. Ihn Realität werden zu lassen, das hat Steinbauer nicht mehr geschafft, „aber man kann sich im Leben halt nicht alle Wünsche erfüllen“.

„Es ist viel passiert“

Dass ihm vor allem die CSU immer vorgeworfen hat, unter seiner Führung herrsche Stillstand, versäume es Röthenbach zum Beispiel, neue Gewerbegebiete auszuweisen, ficht den Rathauschef nicht an. Er hat eine andere Sichtweise: „Es ist viel passiert, gerade wenn man das mit anderen Städten vergleicht. Wir haben ein großartig frequentiertes Fachmarktzentrum, ziehen Kaufkraft nach Röthenbach.“ Auch sei es der Stadt finanziell bisher stets gut gegangen. „Während meiner Amtszeit hat es einmal eine Schlüsselzuweisung gegeben“, sagt er. Manchmal ist sich Steinbauer in den vergangenen Jahren angesichts dessen vorgekommen wie ein Bühnenarbeiter: „Der arbeitet hinter den Kulissen, die Schauspieler bekommen den Applaus.“

Einen seiner größten Momente hatte der Bürgermeister vor mehr als einem Jahrzehnt, als er die Realschule nach Röthenbach holte. Er ergriff die Chance, als der Kreistag über einen Standort diskutierte, und organisierte ein passendes Grundstück. Strammen Gegenwind gab es dagegen 2005, als der Röthenbacher Kassenskandal für Schlagzeilen sorgte. Finanzprüfer monierten damals Unregelmäßigkeiten, die CSU-Fraktion protestierte beim Innenministerium. Der damalige Kassenleiter der Kommune wurde versetzt, doch Steinbauer ging ohne Schaden aus der Affäre hervor. 2008 wählten ihn die Röthenbacher mit 62,7 Prozent für eine dritte Legislaturperiode, nachdem er 2002 sogar ohne Gegenkandidat geblieben war.

Volksnah ist der 68-Jährige, das ist nicht zu bestreiten. Beim Blumenfestzug, an der Spitze der Ehrengäste, war er immer in seinem Element. Und auch bei unzähligen Jahreshauptversammlungen und Vereinsfesten ließ er sich sehen. Sicher ist also: In Steinbauers Terminkalender gibt es ab Mai viele leere Flächen.

N-Land Andreas Sichelstiel
Andreas Sichelstiel