Sandra Müller (22) macht Portraitfotos von Vierbeinern in Kleidungsstücken

Leinburger Fotografin ist auf den Hund gekommen

Tierische Models (von links): Siberian Husky Cawa, Königspudel Nino, englische Bulldogge Ella, Bordercollie-Mischling Bella, Alaskan Husky Scully. | Foto: andra Müller2016/11/Funf-Hunde-Sandra-Muller.jpg

LEINBURG/HAIMENDORF — „Wuff“ statt „Cheeeese“: Sandra Müller aus Leinburg macht etwas andere Portraitfotos. Die junge Fotografin steckt Hunde in Kleidung und lichtet sie ab. Was als Uni-Projekt begann, ist für die 22-Jährige längst ein spannendes Hobby.

Fotos sind Sandra Müllers Leidenschaft, das merkt man sofort. Mit der Kamera in der Hand ist die 22-Jährige in ihrem Element. Mit ihren Fotomodellen muss sie aber anders umgehen als der typische Fotograf: Da heißt es „Platz“ statt „Jetzt den Kopf etwas mehr zu mir drehen“.

Vor Müllers Linse kommen nämlich nicht nur Menschen, sondern auch viele Vierbeiner, die „Hudogs“ – eine Wortneuschöpfung von englisch „Humans“ und „Dogs“, Hunde und Menschen. Die Idee dazu war ein Zufall: „Maja, meine Hündin, läuft mir überall hinterher. Wenn ich mich umziehe, schaut sie interessiert zu. Irgendwann dachte ich mir: Was würde sie anziehen, wenn sie ein Mensch wäre?“ So entstand eine Idee, die Müller als Projekt für ihr Studium verwirklichte: Hunde als Fotomodelle, und zwar in voller Montur.

Die 22-Jährige überlegt sich vorher immer genau, welchem Vierbeiner sie welche Klamotten verpasst. Mit dem Besitzer bespricht sie, welche Eigenschaften das Tier hat und macht sich dann Gedanken, was besser passt – Nietenhalsband oder Sonnenbrille, Schal oder T-Shirt. „Hunde sind teilweise menschlich von Verhalten, jeder hat seinen eigenen Charakter. Manche sind eher ruhig, andere verrückt“, sagt Müller. „Manche haben bestimmte Eigenarten, zum Beispiel mögen sie nur gelbes Spielzeug.“

Unter den Hunde-Models: Ella, die englische Bulldogge von PZ-Verlegerin Barbara Brandmüller. „Frau Brandmüller hat mir erzählt, dass Ella eine kleine Rockerprinzessin ist, dass sie stur ist und das macht, was sie will.“ Sandra Müller verpasste der Hündin folgerichtig eine Jeansweste und ein Diadem.

Berufswunsch steht fest

Dass sie einmal als Fotografin arbeiten will, wusste Sandra Müller schon als Teenagerin. Mit 14 griff sie zur Kamera und knipste drauf los. Mit 15 bewarb sie sich mit einem ihrer Bilder beim deutschen Jugendfotopreis und wurde in ihrer Altersklasse bundesweit Dritte. „Das war eine Motivation für mich. Seitdem fotografiere ich regelmäßig.“ Während sich ihre Klassenkameraden nach dem Abi noch Gedanken über ihren Studiengang machten, wusste Müller längst, was sie will. Seit 2013 studiert sie Design mit Schwerpunkt Fotografie an der Technischen Hochschule in Nürnberg.

Normale Portraitbilder macht Müller natürlich auch. „Das ist meine Leidenschaft, egal ob mit Tieren oder Menschen.“ Ihr ist wichtig, dass die Portraits etwas Besonderes haben. „Ich möchte Emotionen zeigen, nicht gestellte Bilder.“ Was ist einfacher, einen Hund zu fotografieren oder einen Menschen? „Den Menschen kann man sagen: ‚Setz dich hin und bleib ruhig sitzen.‘ Viele Hunde sind hibbelig.“ Eine gute Seite haben ihre tierischen Modelle aber: „Hunde haben einen natürlichen Gesichtsausdruck. Sie schauen eben so, wie sie schauen. Menschen verstellen sich vor der Kamera.“

Bei Hunden ist jedes Shooting anders. Manche sind brav und lassen sich, auch mit Hilfe von Herrchen oder Frauchen, leicht ablichten. Andere können nicht lange still halten. „Ella war einer der schwierigsten Hunde. Sie war aufgeregt und wollte dauernd Pfote geben.“ Die Klamotten sind von ihr selbst, von ihrer Schwester, ihrem Freund, manche auch von der Großmutter oder Bekannten. Wenn sie etwas Bestimmtes braucht, fragt sie im Bekanntenkreis herum. „Mir fehlt zum Beispiel eine Lederweste.“ Die Fotos entstehen in Müllers Studio in Haimendorf, vor einem neutralen, grauen Hintergrund. Der Fokus soll auf den Tieren liegen.

Die nötigen Fotos für das Uni-Projekt hat sie längst zusammen. Mittlerweile haben sich 30 Hunde von Sandra Müller ablichten lassen. Über Mundpropaganda hat sich die Idee längst verbreitet, vielen Interessierten muss die 22-Jährige schon absagen. Sie sucht jetzt nur noch bestimmte Hunderassen, ein Dobermann zum Beispiel. Sie will die Motive jetzt als Buch veröffentlichen.

Wie geht es den Hunden dabei? Sandra Müller glaubt nicht, dass die Shootings eine Zumutung für die Vierbeiner sind. „Es ist aufregend für sie, aber sie gewöhnen sich schnell daran. Sie haben richtig Spaß, manche genießen die Aufmerksamkeit. Andere sind entspannt und legen sich hin.“ Stress für die Tiere kann sie bei den Fotoshootings nicht erkennen. „Bisher ist jeder Hund wieder unbeschadet heim gekommen“, sagt die 22-Jährige.

Müller und ihre Hündin Maja. Die Aufnahme entstand per Selbstauslöser.
Müller und ihre Hündin Maja. Die Aufnahme entstand per Selbstauslöser. | Foto: Sandra Müller2016/11/Hundefotos-Sandra-Muller-und-Maja.jpg
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