Podiumsdiskussion in Röthenbach

Ein fairer Schlagabtausch

Herausforderer und Amtsinhaber (von links): Wolfgang Gottschalk kandidiert nach 2008 erneut für die CSU, Klaus Hacker will Bürgermeister bleiben. | Foto: Sichelstiel2020/02/aufmacher-podiumsdis-scaled.jpg

RÖTHENBACH – War da was? Ja, doch, ein SPD-Kandidat. Den gab es noch 2014 in Röthenbach, der einstigen Hochburg der Sozialdemokraten. Die Grünen hingegen haben zuletzt 2008 einen Bewerber ins Rennen geschickt. Heute, 2020, ist die Zusammensetzung des Podiums schnell beschrieben: Auf der einen Seite sitzt für die CSU Wolfgang Gottschalk, 59 Jahre alt, Diplom-Bankbetriebswirt, drei Kinder. Er möchte gerne Bürgermeister werden. Auf der anderen Seite, für die Freien Wähler: Klaus Hacker, 60 Jahre alt, Statiker, zwei Kinder. Er ist schon Bürgermeister. Seit 2014. Und er möchte es bleiben.

Die beiden liefern sich bei der von der Kolpingfamilie organisierten Podiumsdiskussion, die von Stephan Sohr, dem Chefredakteur der Nürnberger Zeitung moderiert wird, einen veritablen und doch fairen Schlagabtausch. Sie „streiten diszipliniert“, wie Sohr sagt.

CSU-Kandidat mit grünen Positionen

Dass es an weiteren Bewerbern für das Bürgermeisteramt mangelt, ist schnell vergessen: Gottschalk übernimmt einfach den Grünen-Part, wenn er sich zum Beispiel gegen die Erweiterung des Gewerbegebiets Mühllach mit dem Argument ausspricht, das Erhalten des Bannwalds sei „Klimaschutz vor Ort“. Und Hacker, bis 2009 SPD-Mitglied, ist ohnehin auch als Freier Wähler ein halber Sozialdemokrat. Das wissen die Röthenbacher, da muss er nicht extra betonen, dass er bei der alljährlichen Maikundgebung kämpferische Reden hält. Natürlich macht er das an diesem Abend trotzdem.

Der Bürgermeister und sein Stellvertreter waren bei vielen Themen nicht einer Meinung. | Foto: Sichelstiel2020/02/podiumsdiskussion-rothenbach-burgermeisterwahl-scaled.jpg

Die 250 Zuschauer in der Aula der Realschule erleben einen angriffslustigen CSU-Herausforderer, der immer wieder versucht, seinen politischen Gegner in die Zange zu nehmen. Eine um die andere Zahl holt er dafür aus seinen Unterlagen hervor, fordert mehrfach „Faktenchecks“ ein. Hacker ärgert das, so viel ist ihm anzumerken. Aber er bleibt trotzdem betont gelassen. Ich habe alles im Griff: Das ist der Eindruck, den er gerne vermitteln möchte.

Die Haushaltslage steht über allem

Über allem steht in Röthenbach, natürlich, die schlechte Haushaltslage. Damit steigt Moderator Sohr nach einer kurzen Vorstellungsrunde ein. Und schon hier gehen die Positionen weit auseinander. Gewiss, die Situation sei ernst, meint Hacker, aber er habe auch einen gewaltigen Investitionsstau von seinem Vorgänger, Günther Steinbauer (SPD), übernommen, und der derzeitige Einbruch der Gewerbesteuer sei nicht vorherzusehen gewesen. Klamm sei die Kommune trotz des nun notwendigen Sparkurses nicht.

„Wir sind klamm“, sagt hingegen der CSU-Kandidat ein paar Minuten später. Gottschalk will bei den Ausgaben genauer hinschauen, nennt als Beispiel die Volkshochschule. Könnte Röthenbach sparen, wenn es sich dem VHS-Zweckverband Unteres Pegnitztal anschließt? Einen Antrag, das zu prüfen, habe der Stadtrat abgelehnt. Hacker hingegen ist sich sicher: Die eigene Einrichtung kommt 40 000 Euro im Jahr billiger. „Das sind Zahlen, die uns nicht vorliegen“, beschwert sich sein Gegenüber und nimmt das als Beispiel für die aus seiner Sicht schlechte Informationspolitik des Bürgermeisters.

Gottschalk gegen neues Gewerbegebiet

Hacker wie Gottschalk setzen darauf, „neue Einnahmequellen zu erschließen“, also weitere Wohn- und Gewerbegebiete auszuweisen, wo noch möglich. Den Haushalt auszugleichen, das werde „nicht alleine mit Einsparungen“ gehen, so der Amts­inhaber. Während er sich ein neues Gewerbegebiet Mühllach III aber vorstellen kann, lehnt Gottschalk dieses ab, „weil Kosten und Nutzen nicht zusammenpassen“.

Rund 250 Zuschauer kamen in die Röthenbacher Realschule, um den politischen Schlagabtausch mitzuerleben. | Foto: Sichelstiel2020/02/podiumsdiskussion-burgermeisterwahl-rothenbach-hacker-gottschalk-scaled.jpg

Weiter zur „Container-Kita“, also zum Provisorium, das im Stadtteil Steinberg entstehen wird, weil die Stadtmission die dort vorgesehene Kindertagesstätte nicht vor 2021 in Betrieb nehmen wird. Das hätte „bei genauerer Planung“ vermieden werden können, ist sich der Herausforderer sicher. „Alle Kinder finden einen Platz“, betont der Bürgermeister. Und von wegen Mehrkosten: Die zusätzlichen 200 000 Euro für die Container würden durch die Tatsache ausgeglichen, dass die Stadtmission ihr eigenes Grundstück mitbringe.

Wohnungen statt Sportgelände?

Einigkeit herrscht hingegen bei Themen wie der kostenlosen Bücherei – die sei zwar keine kommunale Kernaufgabe, aber in der Bildung sei das Geld „richtig gut angelegt“, so Gottschalk – und beim Wohnungsbau. FW- wie CSU-Bewerber betonen die hohe Zahl an günstigen Wohnungen in Röthenbach, unter anderem dank der kommunalen Wohnungsbaugesellschaft. „Damit können wir in den Markt eingreifen“, so Hacker. Er erntet Zwischenrufe, als er ein großes Grundstück ins Spiel bringt, auf dem künftig Wohnungen entstehen könnten: das TSV-Gelände. Dafür müssten aber die beiden Röthenbacher Sportvereine, TSV und FCR, fusionieren. Für Verhandlungen stünde er bereit, so der 60-Jährige. „Würde mich freuen, wenn die Vereine zusammenfinden würden“, assistiert Gottschalk.

Was ist mit dem Klimaschutz?

In den anschließenden Zuschauerfragen geht es unter anderem um Fluglärm, die Parkplatzsituation und um den Klimawandel – Hacker rechnet vor, wie viel CO2 die Kommune in den vergangenen Jahren mit einzelnen Baumaßnahmen eingespart hat, Gottschalk schlägt vor, doch künftig mehr Ökostrom für die Stadt einzukaufen.

Das Fazit übrigens hat Wolfgang Hellmann, stellvertretender Kolping-Diözesanvorsitzender, schon zu Beginn des Abends geliefert, ganz vorausschauend: „Politik ist immer nur die Kunst des Machbaren.“ Auch wenn diese nicht alle Probleme lösen könne: Die schlechteste aller Optionen sei das Nichtwählen.

N-Land Andreas Sichelstiel
Andreas Sichelstiel