Abschied vom „besten Direktor der Welt“

Menschlichkeit war einer seiner wichtigsten Grundsätze: Direktor Peter Scharrer bei seiner letzten Rede in der Aula.2010/07/scharrer_abschied_rede1.jpg

RÖTHENBACH — Die Band spielte „Tears in Heaven“, und sogar der „echte Himmel“ weinte am Dienstag ein bisschen, als Oberstudiendirektor Peter Scharrer nach 13 Jahren an der Spitze des Röthenbacher Geschwister-Scholl-Gymnasiums in den Ruhestand verabschiedet wurde – der „beste Direktor der Welt“, wie es die Schüler im Rahmen der sehr herzlichen Feier formulierten.

Wie beliebt Peter Scharrer bei Lehrern, Schülern, Eltern und allen anderen „schulnahen“ Menschen war, zeigte nicht nur der riesige Besucher­andrang in der Aula, das wurde auch in den Abschiedsreden deutlich. In Scharrers Amtszeit fielen solch wichtige Ereignisse wie die Umbenennung der Schule in „Geschwister-Scholl-Gymnasium“, die Ansiedlung des Wirtschaftswissenschaftlichen Zweiges sowie der Bau der Mensa. Doch nicht diese „Meilensteine“ sind Scharrers größter Verdienst, sondern vielmehr seine Menschlichkeit, mit der er ein von Offenheit und großem Vertrauen geprägtes Schulklima geschaffen hat.

Auf Peter Scharrers Lebenslauf blickte Joachim Leisgang, Leitender Ministerialbeauftragter für Gymnasien. Geboren in Lauf, machte der junge Peter Scharrer am Gymnasium Hersbruck sein Abitur. Im September 1974 begann er seinen Dienst als Lehrer für Englisch und Geografie am Martin-Behaim-Gymnasium in Nürnberg, wurde dort bald Verbindungslehrer und Kollegstufenbetreuer und engagierte sich als Autor von Fachaufsätzen und Schulbüchern sowie im ehrenamtlichen, kirchlichen Bereich. So war Scharrer unter anderem deutscher Vertreter bei der Welttagung des CVJM 1977 in Buenos Aires. Im Winter 1996/97 wechselte er als Direktor an das Gymnasium Röthenbach, wie es damals noch hieß.

Mit Beharrlichkeit habe er es geschafft, die zahlreichen, im Grunde unvereinbaren Erwartungen zu erfüllen. „Sie haben sich dabei in erster Linie als Lehrer verstanden, der eine Schule leitet“, so der Ministerialbeauftragte.

Scharrer habe immer den Blick über den Tellerrand gerichtet, für ihn habe die Menschlichkeit im Mittelpunkt gestanden, würdigte stellvertretender Landrat Reh den scheidenden Schul-Chef. Bürgermeister Steinbauer bescheinigte ihm viel Engagement, Fingerspitzengefühl und Sachverstand und zitierte Wilhelm Busch mit den Worten: „Meistens hat, wenn zwei sich scheiden, einer etwas mehr zu leiden.“

In Scharrers Fall sei dies sicher die Schulfamilie. Scharrers Bereitschaft für gemeinsame Aktionen stellte der Konrektor der Hauptschule, Manfred Theim, heraus. Elternbeiratsvorsitzender Georg Escher schätzte an Peter Scharrer, „dass man mit ihm auch mal einen Streit austragen konnte, ohne dass er nachtragend war“, und Susanne Thurner-Weidner dankte Scharrer für sein Engagement für das Schülercafé „lazy’s“, das nur eröffnen konnte, weil Scharrer sich bereit erklärt hatte, formal den Posten des Wirts zu übernehmen. Anerkennende Worte kamen auch von den Vertretern der Raiffeisenbank und der Sparkasse Nürnberg, Barta und Häusler, Letzterer überreichte zudem als „Abschiedsgeschenk“ einen Scheck über 2000 Euro für die Big Band.

In einer sehr humorvollen Rede beschrieb Personalratvorsitzender Michael Scharf für die Lehrerschaft seinen Chef. Laut Grimm’schem Wörterbuch bedeute „Scharrer“ ursprünglich „Pechsammler“ oder auch „raffgierig“ und „geizig“. Keine dieser Eigenschaften treffe jedoch auf Peter Scharrer zu. Er habe niemals mit seiner Zeit gegeizt, sagte Scharf und dankte ihm für die „großzügige Auslegung eigentlich nicht auslegbarerer Vorschriften“.

Höhepunkt der Feier war jedoch die Verabschiedung durch die drei Schülersprecher und die SMV, die nicht nur ein selbst getextetes Lied vorbereitet, sondern auch einen witzigen Film gedreht hatten, in dem Lehrer, Schüler und Sekretärinnen Peter Scharrer charakterisieren durften. Am Ende überreichten sie ihrem „Direx“ den Oskar für sein „Lebenswerk“.

Und Scharrer selbst? Der gab in seiner letzten Rede, die wie gewohnt humorig und nachdenklich zugleich war, das Lob zurück. „Bleiben Sie weiter so ein tolles Kollegium“, rief er seinen Kollegen zu. Bei aller Wehmut werde er eines aber sicher nicht vermissen: den „Moloch Bürokratie“, der in den letzten Jahren wie ein alles verschlingender Krake um sich gegriffen habe. In Richtung Kultusministerium forderte er deshalb: „Verschont uns mit dieser Bürokratie und verlagert wieder mehr Kompetenzen an die Basis.“

Getreu dem Motto der Abschiedsfeier „Heal the world“ (der Chor gab auch den gleichnamigen Michael Jackson-Song zum Besten) wünschte sich der gläubige Christ Peter Scharrer, dass jeder einen kleinen Beitrag leisten möge, um die Welt ein bisschen besser zu machen. Und sein Wunsch in Bezug auf Schule: „Schulsysteme kommen und gehen. Die Grundlage für ein Gelingen aber ist, dass Lehrer ihre Schüler mögen.“

Hans Wittmann wird Nachfolger

Mit stehenden Ovationen endete die Abschiedsfeier, die von der Schulband stimmungsvoll umrahmt wurde. Mit in der ersten Reihe saß bereits Scharrers Nachfolger: Hans Wittmann wird künftig das Geschwister-Scholl-Gymnasium leiten. Er kennt die Schule aus seiner Zeit als Mathe- und Physiklehrer und war zuletzt stellvertretender Direktor am Emmy-Noether-Gymnasium in Erlangen.

N-Land Stefanie Buchner-Freiberger
Stefanie Buchner-Freiberger