Vortrag von Unverpackt-Laden-Inhaber

Plastikfasten am Stammtisch

Welche Alternativen es bereits zu Plastik gibt, konnte man beim Albanus-Stammtisch sehen. | Foto: A. Pitsch2019/03/IMG_4526.jpeg

REICHENSCHWAND – Süßes, Alkohol, Handy – typische Dinge, auf die viele in der Fastenzeit bewusst verzichten. Aber warum nicht einmal Plastikfasten? Um zu erfahren, wie man das anpacken kann, hatten sich die Organisatoren des Reichenschwander Albanus-Stammtisches den Mitbegründer des Nürnberger Unverpackt-Ladens „Zero Hero“, Thomas Linhardt, eingeladen.

„Wenn man sich mit dem Thema befasst, merkt man, wie schwer es ist, Plastik zu umgehen“, meinte Doris Rothgang vom Stammtisch-Team der evangelischen Kirchengemeinde Reichenschwand in ihrer Begrüßung. Sie sowie die gemischte Besucherschar – unter der sich aber niemand von der politischen Gemeinde befand – im fast vollen Saal des Gemeindehauses erhofften sich praktische Alltagstipps für die anstehende Fastenzeit. Doch diese gingen in allgemeinen Fakten und detailreicher Ladenvorstellung etwas unter.

70 Prozent nicht recycelbar

Linhardt führte den aufmerksamen Zuhörern zunächst anhand von Zahlen und Fotos vor Augen, dass Deutschland mit einem Anteil von 20 Prozent einer der größten Abfallverursacher Europas sei und welche Folgen das für die Umwelt habe. „70 Prozent des Inhalts des gelben Sacks werden verbrannt, da sie nicht recycelbar sind“, erzählte Linhardt. Laut einer Auswertung des statistischen Bundesamts von 2013 produziert Deutschland 400,9 Millionen Tonnen Müll im Jahr; sprich 617 Kilo pro Kopf und davon 212,5 Kilo Verpackungsmüll. „Wir sind eine Wegwerfgesellschaft“, prangerte er an, was er mit der Zahl von 320 000 To-Go-Bechern pro Stunde in der Bundesrepublik untermauerte.

Thomas Linhardt erklärte, was unverpackt möglich ist. Foto: A. Pitsch2019/03/IMG_4534.jpeg

Doch eines sei auch klar: „Null Müll ist nicht möglich. Aber zu versuchen, so wenig wie möglich wegzuwerfen, das ist ein Prozess.“ Wie man sich an diesen herantasten kann, demonstrierte er mit der so genannten „Zero Waste-Pyramide“: Diese erstreckt sich von der Frage „Was brauche ich wirklich?“ über Müllreduzierung, das Nutzen und Reparieren langlebiger Dinge sowie Recyceln bis hin zu „kompostieren, was noch übrig ist“.

Bei der Umsetzung helfe das Einkaufen in seinem bio-zertifizierten Unverpackt-Laden, dessen Prinzip er ausführlich erläuterte: Die Kunden bringen eigene Behälter mit, die sie vorher abwiegen und dann aus Schütten und Dosen heraus befüllen. Kassenschlager dabei seien Haferflocken, Nudeln und Wasch- sowie Spülmittel, verriet Linhardt. Auch kritischen Fragen wie nach Kontrollen, die zwei Mal im Jahr durch die Lebensmittelüberwachung sowie durch die Bio-Vereinigung erfolgen, sowie nach Hygiene musste er sich stellen. „Leere Behälter spülen wir jedes Mal durch und es herrscht Sichtkontrolle beim Abfüllen.“

Nicht ganz ohne Müll

Ohne Müll und Plastik komme der Laden aber auch nicht aus, oder? „Nein, etwa 85 Prozent unseres Mülls sind 25-Kilo-Papiersäcke. Dazu kommen Pfandbehälter der Lieferanten.“ Salz, Ölhaltiges und teilweise auch Nudeln werden in Folien verpackt angeliefert, „weil Papier durchsaut und es wegen der EU-Regelungen einfach nicht anders geht“.

Aber es werde nach kompostierbaren Alternativen geforscht. Was es da schon gibt, ist flüssiges Holz, das zwar aussieht wie Plastik, aber zersetzbar ist, wusste Linhardt. Er ist der Meinung, dass es ohne Regelungen in der Politik nicht funktionieren wird, den Plastikmüll zu vermeiden. Aber der Verbraucher muss das Umdenken anstoßen. Denn: „Man hat ja die Wahl, was man kauft.“

Die nächsten Termine des Albanus-Stammtisches sind: 28. März „Der bienenfreundliche Garten“, 3. Mai Filmabend, 6. Juni finnischer Abend und 12. Juli „Pilgern“, jeweils um 19.30 Uhr im Reichenschwander Gemeindehaus.

N-Land Andrea Pitsch
Andrea Pitsch