Reichenschwander Kirchenjubiläum

Bibelverse erfüllten die Kirche

Sylvia Blank war eine der Bibelleser. | Foto: A. Pitsch2018/04/Bibelmarathon.jpg

REICHENSCHWAND  – Eigentlich ist eine Kirche ein Ort der Stille: aber nicht in den fünf Tagen und vier Nächten des Reichenschwander Bibelmarathons. Ohne Unterbrechung erfüllten Worte und Verse das Gotteshaus und sorgten nicht nur bei den Zuhörern, sondern auch bei den Lesern ein „tolles Gefühl“, wie es Pfarrerin Lisa Weniger zu beschreiben versucht.

Es ist Freitagmorgen. In der Kirche ist kaum etwas los, nur vereinzelt schauen Besucher oder Angehörige der Vorlesenden vorbei. Ohne zu wissen, wo in der Bibel man gerade ist, ist es schon ein komisches Gefühl, in das Geschehen zu platzen. Welche Stelle mag das wohl sein? Die Worte wirken intensiver, man denkt eher über das nach, was die eigene Aufmerksamkeit weckt.

Bereits an der schweren, dunklen Kirchentür weist ein Zettel darauf hin, was im Inneren passiert: Die Kirche ist ein Ort des Lesens und Hörens. Dafür haben die vielen Helfer eine Atmosphäre geschaffen, die zum Bleiben anregt, zum aufmerksamen Lauschen, zum Ruhigwerden: Die Kerzen brennen, vereinzelt liegen bunte Decken auf den Bänken.

Während Sylvia Blank noch aus den Psalmen liest, schleicht sich schon der Nachfolger Holger Kramp herein. „Genau das macht den Bibelmarathon aus“, findet Kirchenvorsteherin und Leserin Monika Gniffke, „man weiß, man wird für seine Stelle gebraucht und kann beruhigt aufhören, weil es danach weitergeht“. Der Wechsel ist denn auch fliegend. Kaum eine Minute verstreicht, bis Kramp am Pult steht. Weniger schenkt ihm noch Wasser ein, zeigt die entsprechende Bibelstelle.

„Wenn ich ins Bett gehe und das Licht in der Kirche sehe, weiß ich, es läuft immer weiter“, sagt Weniger, die sich über die tolle Unterstützung seitens Leser und Helfer freut. Keine Stelle bleibt unbesetzt. Der eine liest die Zeilen schneller, der andere langsamer, mit mehr oder weniger Betonung.

Szenenwechsel. Es ist Nacht. Das Dorf liegt still da, vereinzelt sieht man das Flimmern eines Fernsehers durch die Fensterscheiben – und in der Kirche schimmert ebenfalls noch Licht. Die Atmosphäre ist heimelig. Dieses Besondere wollen vor allem jugendliche Leser erleben, hatte Weniger bereits im Vorfeld verraten. Egal ob Jung oder Alt, sie alle lesen weiter – fünf Tage und vier Nächte – bis zu den letzten Worten in der Bibel: „Die Gnade unseres Herrn Jesus sei mit allen. Amen.“

N-Land Andrea Pitsch
Andrea Pitsch