Tag der offenen Tür in Schloss Reichenschwand

Außen herrschaftlich, innen fancy

Bruno Schmidt (links) und Hans Rudolf Wöhrl eröffnen das Schloss | Foto: Andrea Pitsch2016/10/IMG_9102.jpg

REICHENSCHWAND – Es strahlt wieder, das Reichenschwander Schloss, aber nicht vor Prunk und Eleganz vergangener Tage, sondern vor Schlichtheit in den Farben Weiß, Schwarz und Dormero-Rot. Nach rund einem halben Jahr Renovierungszeit ließ Schlossherr Hans Rudolf Wöhrl das große Eisengitter öffnen und Bürger wie mögliche (Hochzeits-)Gäste hinter die Mauern blicken.

„Mama, sind wir in einem Schloss?“, fragte ein Mädchen, als sie mit ihrer Mutter durch die von Besuchern bevölkerten Räume schlenderte. Keine unberechtigte Frage, denn bis auf das prunkvolle, frisch mit Blattgold verzierte Turmzimmer im Obergeschoss präsentieren sich die verschieden großen Säle, die mit ihren Namen an geliebte Haustiere und Familienmitglieder der Wöhrls erinnern, hell und reduziert. Lediglich die mit Stuck und glitzernden Kronleuchtern verzierten Decken sowie die schweren Vorhänge in Rot und Schwarz fallen ins Auge.

Das „neue“ Schloss, in das Wöhrl laut Bürgermeister Bruno Schmidt über zwei Millionen seines Privatvermögens gesteckt haben soll, ist „fancy“ – ganz dem Motto des Dormero-Hotels entsprechend, unter dessen Obhut der neugotische, 1984 von Wöhrl erworbene Bau steht. Nicht nur Schmidt bewertete beim Rundgang die Renovierungsarbeiten, an denen lokale Firmen beteiligt waren, als „äußerst gelungen“, sondern auch der oberste Denkmalschützer in Bayern, wie Schmidt berichtete. Denn dieser hatte beispielsweise ein Auge auf den Erhalt der Stuckdecken und Bohlen.

Für den Bürgermeister und sein Dorf ist Wöhrl ein Glücksfall. Durch sein Engagement könne das „Wahrzeichen Reichenschwands“ erhalten werden. „Die Gemeinde könnte sich das nicht leisten“, so Schmidt. Allein die Küche habe 700 000 Euro verschlungen, verriet Schmidt. Was darin fortan zubereitet wird, durften die Besucher auch gleich testen. Regelmäßige Führungen lockten Klein wie Groß an und spätestens beim Eintritt in die luxuriösen Turmsuiten fühlte sich jeder für kurze Zeit wie ein richtiger Adliger.

N-Land Andrea Pitsch
Andrea Pitsch