Sorge um die Ernte

Regen macht Kirschbauern zu schaffen

Auch wenn die Kirschernte auf Grund der Witterung in diesem Jahr viel geringer als in anderen Jahren ausfällt, auf dem Hof von Norbert Herbst in Großengsee muss die ganze Familie mithelfen, um wenigsten die gesunden süßen Früchte zu pflücken. | Foto: Schuster2021/07/kirschernte-kirschen-foto-udo-schuster_neu.jpg

GROßENGSEE – Derzeit läuft die Kirschenernte überall in der Region. Auch bei Familie Herbst im Simmelsdorfer Ortsteil Großengsee. Aber es ist erneut kein gutes Erntejahr. Die Kirschbauern befürchten große Verluste durch das unbeständige Wetter.

Sind im letzten Jahr viele Früchte durch den Frost geschädigt worden ist es heuer der Dauerregen der letzten Tage, der die süßen Früchte aufplatzen lässt und sie unverwertbar macht, erklärt Norbert Herbst der den Obstanbau im Nebenerwerb betreibt. Wie bei vielen anderen Obstbauern fordert die dreiwöchige Erntezeit, den Einsatz der ganzen Familie.

Große Veränderungen

Vieles hat sich im Verlauf der Jahrzehnte beim Obstanbau verändert. Mutter Berta erinnert sich gut. „Früher hatten wir nicht so viele Bäume und es erfolgte auch keine Größensortierung. Die Leute kamen aus der ganzen Region und kauften schon einmal 50 Kilogramm Kirschen zum Einmachen.“

Auch sehr unkompliziert war der Postversand in der nahen Region. Man legte einfach die Adresse des Empfängers auf den mit zehn Kilogramm Kirschen gefüllten Spankorb. Der Erlös für die Kirschenvermarktung ließ in der damaligen Zeit höchstens eine Woche auf sich warten. Immer schon gab es Jahre in denen alle Kirschen kaputt waren, erinnert sich die Seniorin des Hofes die selbst bei Gräfenberg aufgewachsen ist und schon immer mit der Kirschenernte betraut war.

Niedriger Bäume bevorzugt

Bereits vor Jahrzehnten propagierte der frühere Kreisfachberater für den Obstanbau in Forchheim, Tobias Vogel, den Spindelbusch zum Anbau der Kirschen. Großengsee gehörte bis 1972 noch zum Landkreis Forchheim. Diese Veredelung mit dem Stamm der Sauerkirsche führte zu niedrigen kleinkronige Bäumen, die heute für den intensiven Erwerbsanbau unabdingbar seien.

Dauerregen und Feuchtigkeit machen den Kirschbauern zu schaffen. Viele Früchte wie auf diesem Foto platzen auf und sind natürlich nicht mehr zu verkaufen. / Foto: Schuster2021/07/kirschen-kirschenernte-foto-udo-schuster_0003.jpg

„Im Hinblick auf die Unfallgefahr mit den hohen Leitern in den Baumkronen und die Pflückleistung haben auch wir diese speziell gezüchteten Baumarten mit verschiedenen Sorten gepflanzt“, sagt Herbst. Das Pflücken von Kirschen bleibt dennoch Handarbeit.

Die empfindlichen Früchte müssen mit dem Stiel gepflückt werden, da sie sonst beschädigt werden. Gepflückte Kirschen reifen nicht nach, deshalb ist oftmals ein mehrmaliges Durchpflücken der Bäume notwendig.

Kaltes und nasses Frühjahr

Eigentlich hatten sich die Herbsts auf eine deutlich frühere Ernte eingestellt, aber das Frühjahr war lange kalt und durch Regenperioden geprägt, sagt der Obstbauer der bei einigen Sorten schon jetzt einen Totalausfall beklagt.

Auf seinen dreieinhalb Hektar Anbauflächen, am Hof in Großengsee, ist nur ein kleiner Teil mit einer Plane überdacht. Jetzt verlangt die Ernte vollen Einsatz der Familie mit weiteren Helfern, auch aus dem Freundeskreis und der Verwandtschaft.

Auch wenn mit den Kirschen in diesem Jahr wenig Geld verdient wird, die Familie Herbst freut sich über jede Kirsche, die vermarktet werden kann. Statt 15 Kilogramm pro Baum werden heuer tatsächlich im Schnitt nur zwei Kilo geerntet. Aufgeplatzte und angefressene Früchte müssen Ja verworfen werden.

Vermarktung auf dem Großmarkt

Die Vermarktung der Kirschen erfolgt über den Obstgroßmarkt in Igensdorf. Bei dieser Genossenschaft liefern die Bauern aus dem weiten Umland ihre Früchet an. Früher mussten die Kirschbauern ihre leicht verderblichen Ware in Weidenkörben auf Schubkarren oder mit dem Pferdegespann selbst zum Nürnberger Großmarkt transportieren.

Das war der Zündfunke zur Gründung der Genossenschaft, im heute noch „größten zusammenhängenden Süßkirschenanbaugebiet Mitteleuropas“, wie der Großmarkt schreibt. Um eine effiziente Vermarktung zu erreichen, wurde 1930 die Obstgroßmarktvereinigung gegründet, 1952 wurde die jetzige Genossenschaft gegründet.

Nur wenige Bekannte kommen heute noch direkt am Hof der Familie Herbst vorbei, um Kirschen zu kaufen. Und wenn, dann seien das im Höchstfall zwei bis drei Kilogramm aber nicht gleich ein ganzer Zentner so wie dies früher war.

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