Appelt Leihgaben in Kunstvilla Nürnberg

Radikal unterhaltsam

Sammler Wilfried Appelt vor einem Bild von Harry Schemm, das in der Kunstvilla in Nürnberg ausgestellt ist.2019/12/Appelt-Christkind-Schemm-scaled.jpg

LEINBURG/NÜRNBERG – Unbedingt sehenswert: Acht Künstler der „Nürnberger Schule“ präsentieren noch bis Ende März in der Kunstvilla in der Blumenstraße in Nürnberg 121 Arbeiten aus fünf Jahrzehnten. Die Sonderausstellung enthält auch ein Dutzend Leihgaben aus der Sammlung Wilfried Appelt.

Der Leinburger ist seit den 1990er Jahren ein enger Freund und Begleiter der regionalen Kunst. Mehr als 1000 Exponate umfasst die Sammlung, die Appelt mit seiner Frau nach und nach erstand und seit einigen Jahren im Zimmermuseum in Lauf der Öffentlichkeit zugänglich macht.

Ein Dutzend Arbeiten

Appelts erstes Bild, die Zeichnung „Federballspiel“ von Peter Angermann, die vor fast drei Jahrzehnten die Initialzündung fürs Sammeln gab, ist zwar nicht in der aktuellen Schau zu sehen, dafür ein Dutzend bunt gemischter Arbeiten von Harri Schemm, Peter Hammer, Reiner Zitta, Dan Reeder und Kevin Coyne. Neben den Bildern ist die Installation „Pay TV“ von Peter Hammer aus dem Jahr 1994 ein Blickfang. Auch sie stammt aus der Sammlung Appelt.

Auf Wunsch lässt der zur Musikbox umgebaute Fernseher nicht nur die (Barbie-)Puppen tanzen, sondern spielt dröhnend „Rosamunde“ dazu. Die Musik stammt von der „Original Polkakapelle“, mit der die Nürnberger Künstler, die ihre Heimat über viele Jahre in der Nordstadtkneipe „Gregor Samsa“ hatten, einige denkwürdige Auftritte wagten. Am Cover ihrer ersten CD ist Appelt nicht ganz unschuldig – eine Porzellanfigurenserie aus seiner Sammlung lieferte die Vorlage.

Kunst als Lebenselixir

Die Begegnung mit Kunst ist für den pensionierten Lehrer und Sammler seit Jahrzehnten Lebenselixir. „Es ist die Begegnung mit Menschen, die oft eine sehr weise Weltsicht haben“, beschreibt Appelt seine Passion. „Künstler formulieren das, was man selbst empfindet, nur radikaler“. Kunst erwirbt er nie nach Prestige und Vorzeigbarkeit, sondern nach Gefühl. „Ein Bild muss zünden. Man sieht es und denkt, ja, genau“.

Auch das verbindet ihn mit den „Gregorianern“, die sich um Tradition stets wenig scherten, sondern malten und arbeiteten, wie es ihnen gefiel. Tagesaktuelle Themen verarbeiteten sie ebenso wie persönliche Erlebnisse. Fast immer war das Ergebnis humorvoll und ironisch, nicht selten provokativ. Appelts Leihgaben spiegeln dieses Lebenshaltung. Peter Angermann, einst Schüler von Joseph Beuys und mit seinen „Plain Air Bildern“ längst selbst sehr bekannt, formulierte es im Künstlergespräch dieser Tage so. „Kunst muss Spaß machen.“

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