Rechtsextremismus

Prozessauftakt gegen Susanne G.

Während eines Aufmarschs der Partei "III. Weg" in Bamberg im März 2020 war Susanne G. als Ordnerin tätig. | Foto: Miller2021/01/sssgg.jpg

LEINBURG/MÜNCHEN — Sie soll Anschläge geplant und Drohschreiben verfasst haben: Die 55-jährige Susanne G. aus der Gemeinde Leinburg steht ab heute vor dem Staatsschutzsenat des Oberlandesgerichts München. Vorgeworfen wird ihr unter anderem die Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat.

Von Dezember 2019 bis März 2020 gingen bei Politikern und Vereinen in der Region mehrere Drohschreiben ein. „Ihr werdet niemals sicher sein“: Das war etwa die Botschaft an den Türkisch-Islamischen Moscheeverein in Röthenbach. Versehen war sie mit einer Pistolenpatrone. Auch die Eckentaler Flüchtlingsinitiative Fleck e.V. erhielt eine solche Postkarte. Bedroht wurden außerdem Landrat Armin Kroder, der daraufhin Personenschutz erhielt, und Frank Pitterlein, der Bürgermeister der Marktgemeinde Schnaittach.

Bereits im Frühjahr 2020 war Susanne G. im Zusammenhang mit den Drohschreiben festgenommen worden. Sie kam wieder auf freien Fuß. Doch im Herbst fand die Polizei bei ihr Material für Brandsätze: Benzin, Kartuschen mit einem Propan-Butan-Gasgemisch, Feuerwerkskörper und Zündschnüre. Die 55-Jährige war in der Zwischenzeit untergetaucht; die Ermittler stießen in einem Fürther Hotel auf sie.

Laut Generalbundesanwalt vertritt die Heilpraktikerin eine „von Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit geprägte Grundhaltung“. Susanne G. ist in der rechten Szene gut vernetzt, sie trat als Ordnerin bei Demonstrationen auf und soll sich mit verurteilten NSU-Helfern Briefe geschrieben haben.

Das Gericht hat über 20 Verhandlungstage angesetzt. Ein Urteil könnte im August fallen. Rund 100 Journalisten haben sich im Vorfeld für den Prozess akkreditiert.

Die Pegnitz-Zeitung ist heute vor Ort in München, sie wird unter anderem morgen in ihrer Printausgabe ausführlich berichten.

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