Üben wieder erlaubt

Proben mit drei Metern Abstand

Julia Hacker (rechts) leitet die erste Probe des Spielmannzugs der Laufer Schulen in Rudolfshof. Früher trafen sich zu solchen Gelegenheiten bis zu 45 Musiker. Das ist nun vorbei. Erlaubt sind aktuell höchstens zehn Teilnehmer. | Foto: Haase2020/06/Schulerspielmannszug-Probe-Corona-Lauf-scaled.jpg

NÜRNBERGER LAND – Endlich wieder einen Marsch blasen, über die Saiten streichen und die Trommelstöcke schwingen: Instrumentalgruppen dürfen seit Montag wieder proben.

„Es ist wichtig, dass wir jetzt wieder anfangen. Ich habe Angst, dass sonst die Gruppe auseinanderbricht“, sorgt sich Silvia Nagel, die das Laufer Mandolinen- und Gitarrenorchester leitet. In der kommenden Woche möchte sie in den Probenbetrieb starten. „Wir gehen bei der Teilnahme alphabetisch vor, spielen draußen, wenn es geht, und die Instrumente dürfen nicht untereinander getauscht werden“, sagt Nagel. „Ich habe allerdings Sorge, dass wir aus dem Rhythmus fallen, weil wir sehr leise Instrumente haben und uns gegenseitig nicht hören können.“

Abstand zu den Bläsern

Die Auflagen sind für viele Musiker eine echte Herausforderung. Nur noch maximal zehn Personen dürfen sich zum Proben treffen, und das, wenn möglich, an der frischen Luft. Während alle Musiker zueinander mindestens zwei Meter Abstand einhalten müssen, sollen es zu Bläsern sogar drei Meter sein. Jeder, der kein Blasinstrument spielt, muss auch draußen einen Mundschutz tragen: So die Empfehlung des Nordbayerischen Musikbunds, der das Hygienekonzept nach den Vorgaben des Gesundheitsministeriums ausgearbeitet hat.

„Kinder müssen spielen, damit sie die Musik nicht aus den Augen verlieren. Jetzt heißt es üben, üben, üben“, sagt auch Rainer Hacker, der seit zehn Jahren mit seiner Frau Kirstin den Laufer Schülerspielmannszug leitet. Während viele Vereine noch in den Planungen stecken, haben die Laufer schon eine erste Probe unter „Corona-Bedingungen“ hinter sich.

Üben auf Abstand

Beim Musizieren im Pausenhof der Rudolfshofer Grundschule fiel auf: Durch die große Entfernung wird es schwierig, die anderen Musiker zu hören oder sich an deren Takt anzupassen. Auch Absprachen mit Mundschutz lassen sich schwerer treffen.

Statt wie früher eine Probe in der Woche mit rund 45 Teilnehmern wird es nun beim Laufer Schülerspielmannszug mehrere kleine Proben geben. Beim Einteilen der Gruppen hat die musikalische Leiterin Julia Hacker Familienmitglieder denselben Gruppen zugeteilt. „Damit sich die Haushalte so wenig wie möglich vermischen“, erklärt Hacker.

Realitätsfern

Dass diese Regelungen „völlig an der Realität vorbeigehen“, findet ihr Vater, Zugleiter Rainer Hacker. „Zu dieser Zeit üben wir sonst immer auf dem Kunigundenberg, aber das dürfen wir jetzt nicht mehr, weil keine Zuschauer erlaubt sind“, sagt er.

„Es ist eine unbefriedigende Lockerung“, findet auch Matthias Juraschek, Leiter der Laufer „Haberloher“, dem Musikzug des TV 1877 Lauf. „Die Räume sind begrenzt. Wo soll man mit so viel Abstand proben?“, fragt er sich. Nach Wochen der Pause möchte der Musikzugleiter nun mit Satzproben zu je fünf Personen wieder starten.

Das Zwischenmenschliche

Er hofft, dass der Mundschutz bald gegen ein Gesichtsvisier getauscht werden darf: „Das Zwischenmenschliche bleibt da einfach nicht so auf der Strecke“, sagt er.

Dabei hat Juraschek nicht nur Raumprobleme. Auch finanzielle Sorgen plagen ihn: „Viele Auftritte sind bereits ausgefallen. Die Einnahmequelle fehlt. Ob wir unser Hauptkonzert im November abhalten können, bleibt abzuwarten.“

Ein Orchester ist es nicht

Auch die Laufer Marchingband probt derzeit noch nicht, aber Leiter Karl-Heinz Böhmer hat schon Konzepte ausgearbeitet. „Man kann wieder ein bisschen üben, aber eine Orchesterform wird es nicht geben. Um eine Melodie zu spielen, braucht man verschiedenste Instrumente“, sagt er.

Weiterhin virtuell üben möchte der 35 Mitglieder starke Schönberger Posaunenchor. „Proben via Videokonferenz dienen eher der Motivation der Musiker. So richtig ernst zu nehmen ist das sicherlich nicht, aber es geht einfach darum, dass man etwas gemeinsam tut“, findet Obmann Frank Buchner.

„Wir haben zu wenig Unterstimmen, um in Kleingruppen zu proben. Es gibt auch keine Veranstaltungen, wo wir spielen können. Wir haben nichts, worauf wir hinarbeiten können. Ein Posaunenchor lebt einfach von der Gemeinschaft“, sagt der Obmann des Ottensooser Posaunenchors, Matthias Huth. Er überlegt nun, ob die 28 Bläser bei einem Gottesdienst im Freien auftreten könnten.

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