Baumfällaktion

Neugestaltung des Hartmannshofer Kirchplatzes

In die Stümpfe der Ahornbäume schnitzte Thomas Ertel mit der Motorsäge Stuhl und Buch hinein. | Foto: privat2021/05/20210219-143706.jpg

HARTMANSHOF – Die zwei alten Ahornbäume vor der Hartmannshofer Friedenskirche wurden vor einigen Wochen gefällt – für HZ-Leser Roland Luber ein „Naturfrevel im Namen der Kirche“.

Der Amberger wirft Judith Felsner in einem Leserbrief an die HZ vor, die evangelische Pfarrerin hätte die beiden gesunden Ahornbäume absägen lassen, „weil ihre Kirche zu sehr im Schatten stand“. Weltweit würde man gegen den steigenden CO 2-Ausstoß ankämpfen, in Hartmannshof habe sich Felsner mit dieser Maßnahme „dagegen entschieden“.

Felsner wird die Pfarrstelle Anfang September verlassen, wie sie im Gemeindebrief Februar/April, in dem sie auch über die Baumfäll-Aktion berichtet, schreibt. Das veranlasst Luber zu dem Vergleich mit einer Wanderheuschrecke: „Die ziehen ebenfalls weiter, wenn die Natur zerstört ist.“

Neue Bäume sollen kommen

Indirekt kritisiert Luber in diesem Zusammenhang auch, wie sich Kirche präsentiert. Das Fällen der zwei Bäume locke sicher nicht mehr Besucher ins Gotteshaus. „Nur die Einstellung zur Kirche, ihren weisungsbeauftragten Frauen und Männer sowie deren Verhalten wird daran etwas ändern.“

Solche Reaktionen hatte Felsner durchaus befürchtet: „Daher war mir Transparenz wichtig und ich habe die Maßnahme im Gemeindebrief im Vorfeld erklärt.“ Dort ist neben der Begründung zu lesen: „Die Entscheidung, die Bäume zu fällen, ist schwergefallen – gerade in der heutigen Zeit, in der das Klima schwer geschädigt ist und wo jeder Baum wertvoll ist. Auf jeden Fall planen wir in die neuen Außenanlagen auch wieder Bäume ein.“

Vielleicht hielt sich die Kritik deshalb bisher in Grenzen. „Eine Nachfrage gab es, warum die Bäume weg mussten. Aber nach der Erklärung war Verständnis da.“ Viele würden den freien Blick aufs Gotteshaus sogar schön finden, erzählt sie. „Aber darum ging es nie.“

Erfolgloser Schnitt

Schon seit ein paar Jahren beobachtet Felsner, dass vor allem einer der Bäume auf einer Seite recht dörr wurde. Immer wieder fielen bei windigerem Wetter Äste herab. „Wir hatten Angst, dass bei Sturm große Teile auf Gehsteig und Straße herunterbrechen.“ Also wurde der Ahorn 2019 zurückgeschnitten, „ein Versuch, ihn zu retten“, beschreibt es die Pfarrerin. Doch schon damals hätte man dafür fast den halben Baum wegsägen müssen. „Der Schaden war nicht behebbar.“ Zudem seien die Bäume beide zu nahe an der Straße gepflanzt worden. „Sie haben keinen Platz zum Wurzeln, die Wurzeln drücken nach oben.“ Und damit zur Mauer hin, die zunehmend in Schieflage geraten ist, führt Felsner aus.

Und noch einen Grund kann sie für die Fällung aufzählen: Noch in diesem Jahr wird der Gehsteig aufgemacht, weil neue Leitungen verlegt werden müssen. „Auch da hätten unsere Bäume Probleme bekommen.“ All diese Argumente seien in die Diskussion im Kirchenvorstand eingeflossen, denn alleine könne das der Pfarrer nicht entscheiden, betont Felsner. „Das Bedauern war schon groß, weil der Ahorn vor allem im Herbst so schön war.“ Aber allen Mitgliedern sei klar gewesen, dass aufgrund der Verkehrssicherheit und der schiefen Mauer etwas passieren müsse.

Kunst im Stumpf

Also rückten die Stallbaumer Thomas und Jürgen Ertel sowie Markus Wöllert vor einigen Wochen an und sägten die beiden Bäume in ehrenamtlicher Arbeit ab. In die Stümpfe zauberte Thomas Ertel noch zwei Objekte – einen Stuhl und ein Buch. „Ich freue mich jeden Tag über diese beiden schönen Kunstwerke“, schreibt Felsner in ihrem Artikel über die Aktion im Gemeindebrief.

Das hölzerne Buch, das laut Thomas Ertel für Gottes Wort stehe, bestätigte die Annahme des Kirchenvorstands samt Pfarrerin: „Darin sieht man, dass der Kern des Baumes nicht mehr gesund war.“ Denn ein Gutachten habe es keines gegeben.

Dafür sollen aber im Zuge der Neugestaltung des Kirchenvorplatzes wieder Bäume gepflanzt werden, am besten welche, die das Klima hier gut vertragen, sagt Felsner. Wann das sein wird, könne sie noch nicht sagen. Im Frühsommer soll erst einmal die Mauer zur Straße gerichtet werden. Dabei werden wohl auch die Baumstümpfe entfernt, die Kunstwerke aber vorher gerettet, blickt Felsner voraus. „Dann können wir noch einmal neu überlegen, wie wir diesen Platz vor der Kirche gestalten, so dass er einladend ist.“

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