Sicherheitsbedenken als Argument

Hohenstädter warten weiterhin auf Lösung des Warnsignal-Problems

Protest in Hohenstadt: Seit vergangenem Jahr treibt der Signalton am Bahnübergang in der Happurger Straße die Anwohner in den Wahnsinn. Hilfe erhoffen sich die Betroffenen unter anderem von den Medien. | Foto: ws2019/02/DSC_0100.jpeg

HOHENSTADT (ws) – Am Bahnübergang in Hohenstadt bimmelt’s weiter. Anfragen der Bürger, den Signalton wenigstens nachts abzusenken, stießen bislang entweder auf taube Ohren oder leere Versprechungen.

Deutsche Bahn, Netzagentur, Gemeinde, Landtag, Verkehrsministerium: Die Liste der Türen, an die Erich Pemsel schon geklopft hat, ist lang. Bald kommt noch der Petitionsausschuss des Bundesparlaments hinzu. Denn es geht um das, was vor Erich Pemsels Tür passiert und etwa im Fünf-Minuten-Takt durch ebendiese dringt: Lärm.

Und Lärm ist auch der Grund, weshalb Pemsel seine Mieter durch die Tür gehen sehen musste. Sie waren die ständige Beschallung leid und suchten im Herbst des vergangenen Jahres das Weite. Irgendwohin, Hauptsache weg. „Mein Garten ist wertlos“, fügt der Rentner hinzu, und tatsächlich: ruhig zusammensitzen und den Tag genießen ist in der Happurger Straße schier unmöglich geworden. Fanden auch mehrere Fernsehsender im vergangenen Jahr, die das Thema aufgegriffen haben. „Wir gehen nicht mehr raus“, bekräftigt Nachbar Gerhard Späth.

Die DB Netz AG, die das Schienenverkehrsnetz in Deutschland betreibt und in solchen Fällen erster Ansprechpartner ist, reagiert nur behäbig auf Pemsels Anfragen: In einem Schreiben vom September vergangenen Jahres, das der HZ vorliegt, heißt es von Seiten der Bahn, dass „zeitnah eine erneute Sonderverkehrsschau“ durchgeführt werden soll. Darauf warten die Hohenstädter bis heute.

Auf HZ-Nachfrage gibt ein Bahnsprecher dann viele Informationen preis. Nur nicht, ob eine solche Ortsbegehung weiterhin geplant oder mittlerweile vom Tisch ist. Hoch gehängt wird dagegen bei der Bahn der Sicherheitsaspekt. Oder eher vorgeschoben? Das vermutet zumindest Pemsel: „In den letzten 50 Jahren ist nicht einem Menschen an dem Bahnübergang etwas passiert.“

Dass der Staat einschreitet, ist auch eher unwahrscheinlich. Während man im bayerischen Verkehrsministerium auf den Zuständigkeitsbereich der Bahn verweist, geben sich die Kollegen der gleichen Behörde auf Bundesebene zumindest gesprächiger. Die Ausgestaltung von Bahnübergängen habe nach den „anerkannten Regeln der Technik“ zu erfolgen, was wiederum der Bahn obliege.

Die sieht jedoch mittlerweile keinen Handlungsbedarf mehr, die Nachtabsenkung von 20 bis sechs Uhr beginnt seit Mitte November sogar eine Stunde früher und endet eine Stunde später. In dieser Zeit wird die Lautstärke von 70 Dezibel auf 60 heruntergeregelt. Laut Pemsel sei der Ton jedoch immer gleich laut, er hat sowohl abends als auch tagsüber jeweils 70 Dezibel gemessen. An einem Sonntagnachmittag, so sagt er, habe sein Messgerät ihm sogar 80 Dezibel angezeigt.

Beim Eisenbahnbundesamt dagegen scheinen die Hohenstädter noch die besten Karten zu haben. Auf Nachfrage heißt es, dass den „Beschwerden der Anwohner selbstverständlich nachgegangen“ wurde. Allerdings kommt auch hier „eine weitere Absenkung der Lautstärke unter anderem vor dem Hintergrund möglicher Umgebungsgeräusche nicht in Betracht“. Also gibt’s vorerst weiterhin was auf die Ohren.

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