Interview mit Nehemiah Gateway

„Das Thema Nothilfe ist aktueller geworden“

Durch die Pandemie konzentriert sich die Nehemiah Gateway wieder verstärkt auf die internationale Nothilfe und verteilt zum Beispiel Hilfspakete. | Foto: Nehemiah Gateway2021/01/IMG-0236.jpg

HUBMERSBERG – „Die Corona-Pandemie ist eine Riesenherausforderung für eine internationale Hilfsorganisation“, sagt Arnold Geiger, Geschäftsführer der Nehemiah Gateway Services gGmbH, der das Hotel Lindenhof in Hubmersberg gehört. Im Interview spricht er darüber, warum das Unternehmen nun wieder zu seinen Wurzeln zurückkehrt und wie internationale Bildungsarbeit trotz Corona gelingt.

Wie wirkt sich die Coronakrise auf die Arbeit von Nehemiah Gateway aus?

Arnold Geiger: Das Thema Nothilfe ist wieder aktueller geworden: Eine Aufgabe, die zwar zu den Wurzeln von Nehemiah Gateway gehört , aber in den letzten Jahren eher eine untergeordnete Rolle spielte. Der Schwerpunkt lag vielmehr in der internationalen Bildungsarbeit für junge Menschen aus Afrika, Südamerika, Israel und dem Balkan. Bei dieser Hilfe zur Selbsthilfe sind durch die Pandemie aber „Lähmungen“ eingetreten und die Krise hat viele Menschen in Albanien in eine finanzielle Schieflage gebracht. So konzentrieren wir uns jetzt auf die Verteilung von Hilfspaketen mit Essens- und Kleidungsspenden sowie Brennholz oder holen zum Beispiel schwer kranke Kinder für eine Operation nach Deutschland, die in ihrem Heimatland nicht möglich wäre.

Wie sieht es mit der Bildungsarbeit in diesen Ländern aus – kann sie überhaupt noch stattfinden?

Die Arbeit in unserer Hochschule, die wir in Albanien betreiben, läuft zum Glück weiter. Wenn auch etwas anders: Der Unterricht wurde noch weiter digitalisiert. Hilfreich war dabei die digitale Lernplattform, die wir schon lange vor Corona angewandt hatten. In Ländern wie Afrika, die wenig Zeitverschiebung zu Albanien haben, funktioniert das ganz gut. In Südamerika ist das schon anspruchsvoller. Unsere internationalen Studenten, die zu Beginn der Krise an der Hochschule in Albanien waren, sind auch dort geblieben und konnten mit viel Hilfe ihren Abschluss machen. Die Neuaufnahme der Erstsemester musste jedoch um ein Jahr verschoben werden. Außerdem helfen unsere Studenten bei der Verteilung von Notpaketen mit.

Digitaler Unterricht bedeutet auch, dass die Schüler mit Endgeräten ausgestattet sein müssen.

Ja, vor allem Roma- und Straßenkinder sind hier benachteiligt. Sie werden coronagerecht in Kleinstgruppen unterrichtet. Teilweise haben wir auch Endgeräte zur Verfügung gestellt. Generell habe ich aber auch den Eindruck, dass es einen großen Durchbruch bei den Schülern und Studenten gab: Das Internet ist nicht mehr nur zum Spielen da, sondern eine ernsthafte Alternative für das Lernen ohne Präsenzunterricht.

Arnold Geiger ist Geschäftsführer der Nehemiah Gateway gGmbH. | Foto: Nehemiah Gateway2021/01/geiger.jpg

Wie sieht die Situation in Albanien ganz allgemein aus, vor allem mit Blick auf die Coronakrise?

Soweit ich das auf die Distanz beurteilen kann, leidet das Land sehr unter der Pandemie. Es war auf dem besten Weg, in die EU aufgenommen zu werden. Aber nun konnten die letzten Schritte nicht abgeschlossen werden. Die Pandemie hat in vielen Bereichen eine imaginäre Grenze gezogen – von der Kommunikation bis hin zu Hilfsleistungen. Albanien hat hohe Infektionszahlen, aber zu wenige Krankenhäuser. Während Länder wie Deutschland für medizinisches Personal aus dem Ausland werben, fehlt in der Folge das Personal vor Ort. Das führt auch zu politischen Spannungen.

Viele Projekte der Nehemiah Gateway sind von Spenden abhängig. Wie steht es darum in Zeiten der Coronakrise?

Wir haben das Glück, treue Spender zu haben, die uns auch 2020 unterstützen. Diese Spenden laufen ohne Abzüge in unsere Projekte. Aber den Hauptteil generieren wir aus der Immobilen- und Vermögensverwaltung, zu der auch der Lindenhof gehört. Ein paar Mieter haben wegen der Krise um Zahlungsaufschub gebeten, wodurch uns Einnahmen weggebrochen sind.

Vor welchen Herausforderungen steht das Unternehmen noch?

Es wird immer schwieriger, Sozialarbeiter zu finden. Deshalb überlegen wir gerade, spezielle Programme zu entwickeln, um eigene Sozialarbeiter für unsere Projekte auszubilden. Und so auch den Fachkräftemangel in Deutschland ein Stück weit zu kompensieren.

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