Wüstenluchs auf der Quarantänestation des Tiergartens in Schwaig

Partnervermittlung für Philipp

Der Karakal wird auch Wüstenluchs genannt, aber eigentlich handelt es sich nicht um einen Luchs, sondern um eine eigene Gattung. Das Tier im Bild namens Philipp wurde in Weiden in einer Privatwohnung gehalten und daraufhin beschlagnahmt. Nun hat es in Schwaig fürs Erste eine neue Bleibe gefunden. | Foto: Jörg Beckmann/Tiergarten Nürnberg2021/01/luchs-wustenluchs-tiergarten-Karaka-Joerg-Beckmann.jpg

SCHWAIG – Der neueste Schwaiger ist ein Jahr alt, hat buschige Ohren und ernährt sich vor allem von kleinen Säugetieren. Gemeint ist Philipp, der Wüstenluchs, der in einer Privatwohnung in Weiden vom dortigen Veterinäramt beschlagnahmt worden war. Aufgenommen hat den Karakal, so der Fachbegriff, der Tiergarten Nürnberg, er befindet sich jetzt auf der Quarantänestation auf Gut Mittelbüg in ­Schwaig – als aktuell einziges Tier, wie Pressesprecherin Nicola Mögel sagt.

Der landwirtschaftliche Betrieb nahe der Pegnitz wird vor allem genutzt, um Futter für die Nürnberger Zootiere herzustellen. Nun ist der Hof also die neue Heimat für die in Afrika und Vorderasien verbreitete Katze. Es handelt sich dabei nicht um einen Luchs, sondern einen Vertreter der eigenständigen Gattung Caracal.

Nur tote Tiere als Futter

Philipp wird in Schwaig entsprechend dem Säugetiergutachten gehalten, er hat es in seiner Unterkunft warm, wird medizinisch versorgt und gefüttert. Der Karakal erhält ausschließlich tote Tiere als Nahrung. Lebende Tiere darf man ohnehin nur an bestimmte Schlangenarten verfüttern, die Aas verschmähen, erklärt Sprecherin Mögel.

Mindestens vier Wochen verbringt der von einem Privatzüchter aus Tschechien stammende Karakal in Quarantäne. Seine Heimat wird der Mittelbügweg aber nicht, und auch im Nürnberger Tiergarten soll er nicht bleiben. „Wir Zoos haben eine große Datenbank in Europa“, erklärt Mögel. Darin seien alle Tiere vermerkt, für die ein neues Zuhause gesucht wird. Die teilnehmenden Einrichtungen erfüllen die Qualitätsstandards für wissenschaftlich geführte Zoos, geografisch geht es von Portugal bis Russland.

Tinder für Zootiere

Auch und gerade für die Zucht ist diese Datenbank geeignet: Wer ein Männchen oder Weibchen hat und auf Partnersuche ist, trägt sich dort ein. Eine Art Tinder für Zootiere, wie Mögel bestätigt. Zunächst aber wird der Kater gechippt und geimpft.

Wie schnell Philipp vermittelt wird, steht aber in den Sternen. Das könne schnell gehen, wenn gerade jemand auf der Suche nach einem Tier ist. Es kann aber auch Jahre dauern.

Schlechte Nachricht für Tiergarten-Fans

Die Katzen sind in deutschen Zoos eher eine Seltenheit, weniger als zehn Stück gibt es davon in der Bundesrepublik, sagt Mögel. Dass Philipp, wenn auch nur übergangsweise, im Nürnberger Tiergarten zu sehen sein wird, kann man aber fast ausschließen.

Optisch ist er ein Hingucker, Mögel spricht von einem wunderschönen und exotischen Tier. Aber der Tiergarten will den Karakal abgeben, da man sich in der Noris auf Tiere konzentriere, die im Bestand gefährdet sind. Bei diesen Katzen ist das aber (bisher) nicht der Fall.

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