Kronenbräu-Areal

Ottensoos muss Luftschloss einreißen

Tote Hose herrscht seit Anfang des 21. Jahrhunderts auf dem Areal der ehemaligen Brauerei Kronenbräu. Das soll sich nun dank eines Investors ändern, der zunächst mit Biergarten-Betrieb auf sich aufmerksam macht. | Foto: PZ-Archiv/Andreas Sichelstiel2019/08/kronenbrau-ottensoos-gemeinderat.jpg

OTTENSOOS – Die über zwei Jahre erarbeiteten Planungen für das Kronenbräu-Areal im Ortskern sind vom Tisch. Nun zeigt ein Geschäftsmann Interesse, der zunächst nur einen Teil des Geländes kaufen und darauf wenig umbauen will.

Zwei Jahre lang hat sich ein Fürther Stadtplaner-Team mit der Zukunft des Kronenbräu-Areals im Ortskern von Ottensoos beschäftigt. Nun steht fest: Die Ideen und Planungen von „Standort und Kommune“ sind ein Fall für den Aktenschredder.

Das Areal hätte größtenteils mit einer Tiefgarage versehen werden sollen, zu den Nutzungen hätten unter anderem Gastronomie, Altenpflege und ein Büromöbel-Verkauf gehört. Bereits in den vergangenen Monaten hatte sich herauskristallisiert, dass die Pläne für Geldgeber wirtschaftlich nicht interessant genug sind.

Bürgermeister spricht von „Erkenntnisgewinn“

„Im Ergebnis zeigt sich, dass das, was wir uns wünschten, nicht machbar ist“, sagt Ottensoos Bürgermeister Klaus Falk. Doch er will trotz der entstandenen Kosten durch das Planungsbüro „Standort und Kommune“ und der verlorenen Zeit das Positive sehen: „Ohne diesen Erkenntnisgewinn war es schwer, sich einem Investor zuzuwenden.“

Genau das ist nun der Fall. Die Gespräche mit dem Geschäftsmann Michael Schmutzer aus Neuhof an der Zenn sind weit fortgeschritten, wie Falk bestätigt, es gebe allerdings noch „viele Details zu klären“. Der Kontakt zum Vorsitzenden von mehreren Firmen, darunter „Design Offices“, kam über die CSU-Gemeinderätin AlexamWimmer zustande, die Schmutzer persönlich kennt.

Der Bürgermeister spricht von einem „glücklichen Zufall“ für die Gemeinde. Schmutzers Pläne sind zwar weit entfernt von dem, was die Räte sich für das Kronenbräu-Areal ausgemalt hatten. Doch wenigstens könnte nun tatsächlich etwas im Ortskern passieren.

Vorerst bleibt alles stehen

Der Geschäftsmann kauft Gebäude und bietet Firmen die Nutzung von Büros an, ohne viel Zeit und Geld in große Umbaumaßnahmen zu stecken. Auch in Ottensoos soll dies Schmutzers Ansatz sein, so Falk. „Es bleibt erst einmal alles stehen und in den Brauereihof wird nichts reingebaut“, so der Bürgermeister.

Schmutzer wolle das gesamte Kronenbräu-Areal der Gemeinde abkaufen, so Falk. Allerdings solle das in mehreren Abschnitten geschehen. Die Gemeinde hatte das rund 5500 Quadratmeter große Gelände im Jahr 2016 erworben.

Zuletzt trafen sich Falk und Schmutzer am Dienstagnachmittag in Nürnberg. Auch in einer nichtöffentlichen Sitzung des Ottensooser Gemeinderats Anfang des Jahres hat sich der Geschäftsmann bereits vorgestellt.

Ort für Schulungen und Feiern

Schmutzer soll, so Falk, den Charme des ehemaligen Wirtshauses erkannt haben. Es soll als Schulungsort für die Mitarbeiter von „Design Offices“ genutzt werden, zudem könnten dort an Wochenenden beispielsweise Firmenfeiern stattfinden. Allerdings würde eine Sanierung der Küche große Kosten verursachen. Die Lösung: Für das Essen soll die ortsansässige Metzgerei Walter mit Catering sorgen. Möglich wären künftig auch Apartments im ehemaligen Sudhaus.

Die Ottensooser trafen sich beim ersten Biergarten-Event im August. | Foto: Riedel2019/08/kronenbrau-ottensoos-biergarten-foto-tanja-riedel0002.jpg

Sollte es zu einer Einigung mit Schmutzer kommen, sind die Pläne und Ideen der vergangenen zwei Jahre samt etlichen Gemeinderatssitzungen zu diesem Thema hinfällig. Das Gremium hatte viel Energie in die Zukunft des seit der Jahrtausendwende verwaisten Filetstücks in der Ortsmitte gesteckt. Immer wieder wurde betont, man wolle die Planungen in der eigenen Hand behalten und eben nicht einem Investor freie Hand lassen.

Mitte 2017 war das Fürther Stadtplanerteam von „Standort und Kommune“ beauftragt worden, verschiedene Nutzungen auf dem Areal zu erarbeiten. Es sollte ein Investor gefunden werden, der sich vertraglich an die vorher ausgearbeiteten Pläne bindet, darunter ein „Haus der Gesundheit“. Seitdem wurde viel geredet, Mitglieder des Fürther Planungsbüros um Wilfried Weisenberger wurden immer wieder vorstellig im Gremium.

Pläne hätten rund 25 Millionen Euro gekostet

Doch für die Ideen fand sich kein Interessent. Rund 25 Millionen Euro, so Falk, hätte es gekostet, die Pläne zu verwirklichen. Grundsätzlich interessierte Geldgeber verwiesen darauf, dass die Rendite für sie zu niedrig sei, um das Projekt zu verwirklichen. Nun folgt also die Kehrtwende.

Auch wenn das Geschäft mit Schmutzer noch nicht über die Bühne gegangen ist: Der Geschäftsmann versucht sich bereits einen Namen im Ort zu machen. An vier Wochenenden veranstaltet er auf dem Areal eine Art Biergarten-Betrieb. Der erste Termin am zweiten Augustwochenende fand viel Zuspruch in der Bevölkerung.

Weiter geht es am Freitag mit einem Bierfest. Die Metzgerei Walter sorgt für die Speisen, der Wirt, der auch für die Ottensooser Kirchweih zuständig ist, für die Getränke. Mitte September folgt ein Weinfest, Anfang Oktober ein „Oktoberfest“.

N-Land Andreas Kirchmayer
Andreas Kirchmayer