Autoknacker wurden mit Polizeihelikopter gesucht

Ohne Bulli in den Bach

Etwas weiter als der Herr auf dem Symbolbild waren die Männer, die im April 2018 in Schnaittach ein Auto knackten. | Foto: sculpies - stock.adobe.com2020/01/AdobeStock-144033106-scaled.jpeg

HERSBRUCK – Weil sie im April 2018 einen VW-Bus geknackt haben, mussten sich drei Männer vor dem Hersbrucker Amtsgericht verantworten. Weit gekommen sind sie mit dem Bulli jedoch nicht.

Mehrere Streifenwagen und ein Hubschrauber waren damals nötig, um die Autoknacker zu finden. Das Trio hatte sich Zugang zu einem VW-Bus im Wert von etwa 31.000 Euro verschafft und bereits geklaute Kennzeichen montiert. Als sie gerade die Wegfahrsperre überbrücken wollten, rückte schon die Polizei an, worauf sie die Flucht ergriffen. Die Beamten fanden die drei Männer in einem nahe gelegenen Bach, wo sie sich versteckt hielten. Ein weiterer Komplize konnte unerkannt fliehen.

Chance ergriffen

Nach kurzer Absprache zwischen Gericht, Staatsanwältin und Verteidigung steht fest: gestehen die drei Herren den Tatvorwurf, gehen sie mit einer Bewährungsstrafe zwischen anderthalb und zwei Jahren nach Hause. Die Angeklagten lassen sich darauf ein.

Dennoch will Richter André Gläßl Details zum Tathergang wissen. Der erste Angeklagte, ein ehemals selbstständiger Kfz-Mechatroniker, erklärt, dass er für den technischen Part zuständig war. Er habe das Gerät bedient, mit dem die Wegfahrsperre überbrückt werden sollte, allerdings war die Polizei zu schnell vor Ort. Das Motiv ist bei allen Angeklagten dasselbe: alle hatten finanzielle Probleme und haben sich dadurch zu der Tat hinreißen lassen, laut dem Ex-Mechatroniker wurden jedem 5.000 Euro versprochen, wenn sie den Bulli klauen.

Den Angeklagten kommt zugute, dass sie keine Berufskriminellen sind, sondern Amateure. Deswegen hatten sie auch nicht bedacht, dass der Besitzer des Autohauses ein Sicherheitssystem mit Wärmebildkameras installiert hatte, das die ungewöhnlichen Bewegungen am Tattag aufzeichnete. Darum konnte die Polizei schnell vor Ort sein, sagt ein Beamter aus.

Die Staatsanwältin fordert für jeden der drei Männer gemäß der Absprache eine zweijährige Bewährungsstrafe. Das Trio sei geplant und mit hoher krimineller Energie vorgegangen, was sich im hohen Wert des Diebesgutes äußere.

Spürbare Strafe

Zudem fordert die Staatsanwältin als Auflage von jedem Angeklagten entweder 10.000 Euro oder 200 Stunden gemeinnützige Arbeit. Das sei durchaus viel, „aber sie sollen es schließlich auch spüren“, findet die Anklagevertreterin.

Viel zu viel, sind sich die Verteidiger einig, die allesamt anderthalb Jahre Bewährungsstrafe für ihre Mandanten beantragen. Schockiert zeigen sie sich ob der geforderten fünfstelligen Geldauflage. Die Angeklagten hätten doch erst wegen ihrer finanziellen Not versucht, das Auto zu stehlen. Auch die Alternative, 200 Arbeitsstunden, sei für Berufstätige bis zum Ablauf der Bewährung nicht zu schultern, so die Anwälte, die die Auflage ins Ermessen des Gerichts stellen.

Richter André Gläßl folgt der Verteidigung. Er verurteilt die Männer zu einem Jahr und sechs Monaten auf Bewährung und setzt die Bewährungszeit auf drei Jahre fest. Zudem muss jeder von ihnen 1.500 Euro an eine gemeinnützige Einrichtung bezahlen.

N-Land Wolfgang Sembritzki
Wolfgang Sembritzki