Kaffeeanbau

Ein Franke als Mittelsmann in Brasilien

In solchen Säcken liefern die Farmer ihre frisch geernteten Kaffeekirschen an, bevor Timo Plötz die verschiedenen Sorten aufbereitet. | Foto: privat2020/09/image00010.jpeg

KUCHA/PETUNIA – Vor ziemlich genau einem Jahr kehrte der gebürtige Franke Timo Plötz freudestrahlend in seine Wahlheimat Brasilien zurück. Er hatte 150 Säcke Kaffee an deutsche Röster, darunter an die Kaffeewerkstatt Kucha, vermittelt. Doch kurz vor seiner Ankunft gab es Frost.

„Alle Blätter waren braun und 70 bis 80 Prozent der Bäume abgestorben“, erzählt Plötz, der gerade wieder auf Verkaufstour in Deutschland ist. „Die Arbeit von zwei bis drei Jahren war in einer Nacht dahin.“ Denn als Plötz, der aus der Gegend um Schnaittach stammt, 2016 gemeinsam mit seiner brasilianischen Frau in deren Heimat Petunia auswanderte, übernahmen die beiden eine Kaffeefarm des Schwiegervaters. „Den Anbau in diesen Jahren zu lernen, das war für mich die beste Schule.“

Doch seine absolute Leidenschaft sei es nie gewesen, sondern eher das Vermitteln von Kaffees. Von der Ernte von Kleinbauern aus der Nähe brachte er im November 2019 nochmals 150 Säcke an den Mann. Und dabei wurde ihm endgültig klar: „Der Frost hat mir gezeigt, dass es besser ist, ich nehme mich aus dem Anbau-Thema heraus und lege den Fokus auf den Verkauf vom Bauern zum Röster.“ Sein neuer Geschäftszweig war geboren.

Von 12 auf dreißig

Denn erst kurz vorher hatte Plötz in die Infrastruktur auf der Farm investiert und Gerätschaften für Trocknung, Auslese und Fermentieren angeschafft. „Aber ich hatte ja selbst keine Kaffeekirschen.“ Also bot er den Bauern in der Umgebung an, die Aufbereitung, Veredlung sowie die Vermittlung an Röstereien zu übernehmen. „Den Ertrag aus einem Verkauf teilen wir uns.“ Zwölf Farmer lieferten vergangenes Jahr ihre Rohware für die Kooperationskaffees, wie sie Plötz nennt, an. „Jetzt sind es 30 Farmer, von denen ich Muster mit nach Deutschland gebracht habe“, berichtet Plötz, „da ist richtig Bewegung reingekommen“. Und das bei den misstrauischen Brasilianern.

Aber warum? „Ich bin mittlerweile fest verbunden mit der Region“, denkt Plötz, „und die Bauern vertrauen mir, weil sie sehen, dass am Ende was für sie rausspringt“. Daher hätten die Kaffeeanbauer bei der Ernte wild bei Plötz angeliefert und Schlange gestanden, verbildlicht Markus Gaibl von der Kaffeewerkstatt den Erfolg seines Freundes. Und der war und ist von den Ergebnissen der Aufbereitung begeistert: „Da sind extrem gute Qualitäten herausgekommen.“

Doch bevor Plötz die gesamte Ernte eines Bauern reinigt und veredelt, macht er das zuerst mit einem Muster, das er Röstern anbietet; erst wenn die kaufen, geht die Aufbereitung richtig los. „Das muss man den Leuten natürlich ausführlich erklären.“ Dass er das gut kann, hat er auch bei einem Fermentierungskurs für 60 Farmer kurz vor dem Corona-Lockdown im März bewiesen. „Ein paar haben wirklich Hefe gekauft und sehr gute Ergebnisse erzielt“, lobt Plötz. Die Folge: „Da gab es dann für zwei Sack das Fünffache des Weltmarktpreises und das ist dann für alle ein tolles Gefühl.“

Rein und beliebt

Und das in einer Zeit großer Ungewissheit. Die Arbeit am Feld sei normal weitergegangen, erinnert sich Plötz. Aufgrund der kleinbäuerlichen Struktur habe man weniger Probleme mit Erntehelfen gehabt, man habe sich einfach noch mehr gegenseitig ausgeholfen. Aber: „Wir wussten im Frühjahr nicht, wie es unseren Kunden geht und ob hochpreisiger Kaffee überhaupt noch gekauft wird.“ Rasch wurden Plötz & Co. eines Besseren belehrt. „Bei den Röstereien waren sortenreine Kaffees im Online-Shop gefragt wie nie“, weiß Gaibl, „die Leute waren daheim und wollten sich etwas Gutes tun“.

Daher ist Plötz der Überzeugung, dass 2020 ein gutes Jahr für den Kaffee, der aus Anbauhöhen von bis zu 1200 Metern stammt, und dessen Qualität ist: „Ich habe eine Liste mit 89 verschiedenen und besonderen Sorten.“ Diese Diversität sei ein „guter Eintritt in die Röstereien“. Von diesem Marktzugang, den Plötz hier in Deutschland hat, profitieren die Bauern, betont Gaibl. Und nicht nur davon: „Vor allem von der fairen Bezahlung, denn die Farmer sind das schwächste Glied.“ Die Röster wüssten im Gegenzug genau, wo der Kaffee herkommt. „Das ist alles ein transparentes System.“

Weil das, was Plötz im abgelaufenen Jahresverlauf aufgebaut hat – darunter ein eigener Export dank einer Lizenz –, so gut angenommen wird, muss er für 2021 neue Strukturen schaffen: „Alleine kann ich das Aufbereiten nicht mehr bewältigen, da brauche ich mehr Hilfe.“ Denn Pläne hat der umtriebige Deutsche jede Menge: „Die Entwicklung macht es möglich, dass die Region Petunia in Zukunft für guten brasilianischen Kaffee stehen wird.“ Vielleicht auch für Bio-Sorten. „Es gibt wenig Bio-Ware aus Brasilien, aber die Nachfrage ist sehr groß“, erfährt Gaibl selbst oft.

Matsch statt Straße

Auch dafür schwebt Plötz bereits etwas vor – ein Crowdfunding-Projekt mit Röstern, Kunden und einer kleiner Kooperative von 80 Mitgliedern. Noch steckt dieses Ansinnen in den Kinderschuhen. Ein bisschen weiter gediehen ist da schon die Asphaltierung der Schotterstraße in die nächstgrößere Stadt. „Die ist in der Regenzeit kaum befahrbar.“ Plötz durfte bei Politikern vorsprechen mit dem Anliegen, Geld wurde gesammelt. So wurden bereits 2019 zwei Kilometer von 20 befestigt. „Dieses Projekt würde die ganze Region bereichern“, ist Timo Plötz überzeugt – so wie es der Kaffee jetzt schon tut.

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