Kaffeeröster aus Kucha war in Kolumbien

Bananen im Bohnenparadies

Bei seinen Partnern in Kolumbien testete Markus Gaibl den Kaffee, dessen Bohnen und Pflanzen er sich vorher auf den Plantagen angesehen hatte. | Foto: privat2020/04/IMG-20200313-133710-scaled.jpg

KUCHA/KOLUMBIEN – „Nur ein glücklicher Kaffeebauer kann langfristig guten Kaffee anbauen, ernten und aufbereiten“, betont Markus Gaibl. Der Chef der Kaffeewerkstatt Kucha besuchte daher seine Partner in Kolumbien – und kam gerade noch rechtzeitig wieder zurück.

„Ja, die Lage in Kolumbien wurde immer unübersichtlicher“, erzählt Gaibl. Zuerst sei die Nachricht gekommen, das Land mache die Grenzen dicht und stelle den Flugverkehr ein. „Dies war zwar nur eine Empfehlung der WHO, aber der Bürgermeister von Bogota hatte Ähnliches schon für die Metropole angedacht.“ Auch in Spanien, wo Gaibl umsteigen sollte, wurde es kritischer. Also buchte er einen früheren Rückflug.

Trotz der verkürzten Reise nach Südamerika nahm der Kaffeeliebhaber viele positive Erfahrungen mit zurück nach Kucha: „Es war toll, meine beiden Partner in ihrem Arbeitsumfeld besuchen zu dürfen.“ Denn Gaibl kauft und röstet von ihnen bereits seit einiger Zeit Kaffee.

Nur die Ausnahme

„Sie sind dort aber leider eher die Ausnahme“, verrät Gaibl, „denn die meisten Kaffeebauern vor Ort hegen weiterhin Misstrauen und wagen sich nicht in eine langfristige Partnerschaft, durch die sich auch qualitativ noch hochwertigerer Kaffee anbauen lässt“. Dabei würden sie laut Gaibl von dieser profitieren: Ohne das könnten die Kaffeebauern nicht in die Zukunft investieren, weil ihre zukünftigen Einnahmen unsicher sind, weil sie vom Rohstoffhandel an der Börse abhängen, weiß Gaibl.

Die meisten machten gern bei günstigen Kaffeepreisen an der Börse mit und würden sich über stabile und faire Preise freuen, so Gaibl. Wenn der börsengehandelte Rohstoff wachse, dann zögen sie sich zurück und wollten den Preis neu verhandeln. „Viele Farmer erkennen den Sinn nicht, sich vom Börsenpreis abzukoppeln, um somit eine langfristig gesicherte hohe Vergütung zu erhalten.“ Doch das sei einfach einem großen Misstrauen gegenüber jedem und allem geschuldet, das der dunklen und noch nicht so entfernten Vergangenheit entstammt, hat Gaibl erfahren.Aber gerade diese Partnerschaft ist ihm so wichtig: „Seit Anfang März bin ich Bio-zertifiziert und konzentriere mich noch stärker auf transparent gehandelten Bio-Kaffee aus verschiedenen Anbauländern.“

„Entscheidung mit sozialer Verantwortung“

Alle Verarbeitungsschritte müssten nachvollziehbar sein und angemessen entlohnt werden, sagt er. Und das macht er beispielsweise über die Kaffeepreis-Kalkulationen auf seiner Homepage transparent. „Deshalb ist jede Kaufentscheidung, egal ob Kaffee oder ein anderes Gut, eine politische Entscheidung mit sozialer Verantwortung“, ist er überzeugt. Mit seinem Engagement in Kolumbien will er auch ein Statement setzen – für eine gerechtere Welt.

Denn dafür könnte man mit jedem Schluck und jedem Bissen etwas tun: „Wenn ich höre, dass Fleisch eigentlich das Vierfache kosten müsste, dann frage ich mich, warum es das nicht kostet? Dann isst man halt nur noch ein Viertel.“ Fleisch, das komme in Kolumbien selten auf den Tisch: Kochbananen, Avocados und Mais sind die Hauptnahrungsmittel der normalen Leute. „Das wächst dort alles wie wild und ist sehr nährstoffreich.“ Auch Bambus vermehre sich wie Unkraut und werde als Baumaterial benutzt sowie als Feuerholz für den Küchenofen, hat Gaibl erlebt.

Wichtige Einnahmequelle

Die (Koch-)Bananen hätten aber noch eine weitere Bedeutung – speziell für die Kaffeebauern: Die Stauden brechen auf den Plantagen den Wind und schützen somit die Kaffeepflanzen. „Zudem sind sie eine weitere sehr wichtige Einnahmequelle für die Kaffeebauern.“ Und die brauchen sie auch, obwohl sie das ganze Jahr über Kaffee ernten können. „Da Kolumbien am Äquator liegt, ist das Klima sehr ausgeglichen und es gibt kaum Jahreszeiten. Daher blüht dort ständig alles.“ Die Hauptblüte der Kaffeepflanzen hatte Gaibl dennoch um zwei Wochen verpasst.

So wie er in Kolumbien Partnerschaft praktiziert, tut er es jetzt auch in Deutschland: „Die Ausgangsbeschränkungen führen zu großen Umsatzausfällen bei kleinen produzierenden Unternehmen. Jetzt kommt es auf Solidarität an“, findet er. Und geht mit gutem Beispiel voran: „Ich verkaufe vorübergehend von ein paar Kleinst-Produzenten Produkte in meinem Onlineshop, um sie zu unterstützen.“ So wie seine kolumbianischen Kaffeepartner.

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