Im Nürnberger Land ist die Sieben-Tage-Inzidenz wieder unter 35

Zwischen Grün und Gelb

Die neue Corona-Realität: Eine Schlange steht vor einer Laufer Arztpraxis, offenbar weil im Wartezimmer oder im Eingangsbereich die Abstände aller Patienten nicht eingehalten werden können. | Foto: Fischer2020/10/masken-schlange-anstehen-arztpraxis.jpg

NÜRNBERGER LAND – Das Gesundheitsamt des Nürnberger Landes hat am Montagnachmittag bekannt gegeben, dass die rechtlich so bedeutsame Sieben-Tage-Inzidenz im Landkreis mit 34,71 nun wieder knapp unter 35 gerechnet auf 100 000 Einwohnern liegt (59 Fälle sind es insgesamt im Nürnberger Land). Erst am Samstag war der Wert überschritten worden.


Damit wäre das Nürnberger Land nun eigentlich wieder „grün“. Allerdings gibt es da zwei Haken: Erstens gilt nicht der Wert, den die Kreisbehörde meldet, sondern jener vom Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) oder dem Robert-Koch-Institut (RKI), und diese sahen den Kreis am heutigen Montag bei 40,99 beziehungsweise 41. Und zweitens sind die strengeren Regeln nicht einen Tag später wieder passé, sie gelten mindestens eine Woche, und das auch nur, sofern der Frühwarnwert danach nicht mehr erneut überschritten wird. Frühestens am Wochenende könnte im Landkreis also wieder halbwegs Normalität einkehren.


18 Neuinfektionen seit Freitag


Die 18 Neuinfektionen im Vergleich zum Freitag wurden in Altdorf (5), Burgthann (3), Happurg (1), Hersbruck (2), Lauf (1), Röthenbach (1), Schnaittach (1), Schwarzenbruck (2) und Winkelhaid (2) festgestellt, die Gesamtzahl der bestätigten Corona-Fälle im Nürnberger Land beträgt somit 902.


Unterdessen hat das bayerische Gesundheitsministerium die erst am Freitag veröffentlichte Änderung der 7. Bayerischen Infektionsschutzmaßnahmenverordnung (7. BayIfSMV) am Sonntagnachmittag in zwei wichtigen Punkten angepasst. „Der Betrieb von gastronomischen Einrichtungen (ist) in der Zeit von 23 bis 6 Uhr untersagt (Sperrstunde)“, heißt es dort nun. In der ursprünglichen Fassung stand an gleicher Stelle, es dürften zwischen 23 Uhr und 6 Uhr keine Speisen und Getränke mehr für den Verzehr vor Ort verkauft werden. Sprich: Wirte müssen um 23 Uhr zusperren, sein halbleeres Bier darf der Gast dann auch nicht mehr austrinken. Ein Sprecher der Staatskanzlei sprach am Sonntag von einer Präzisierung, „damit es keine missverständlichen Interpretationsspielräume gibt“, wie die Süddeutsche Zeitung berichtete.


Ebenfalls noch am Sonntag wurde ein Passus zur Maskenpflicht während der Arbeit ergänzt. Steht die Ampel wie im Nürnberger Land auf Gelb, besteht die Pflicht zum Tragen der Mund-Nasen-Bedeckung „auf den Begegnungs- und Verkehrsflächen der Arbeitsstätte, insbesondere in Fahrstühlen, Fluren, Kantinen und Eingängen“, aber auch am Arbeitsplatz selbst, soweit der Mindestabstand von 1,5 Metern „nicht zuverlässig eingehalten werden kann“. Damit nimmt die Staatsregierung den Arbeitgebern die Entscheidung, wie strikt sie Hygienemaßnahmen einführen, weitestgehend ab. Beide Zusätze gelten seit Montag.


Viele Fragen offen


Doch damit ist längst nicht alles geregelt. Weiterhin ungeklärt ist, auf welchen öffentlichen Plätzen im Landkreis die Maskenpflicht eingeführt wird. Das entscheidet – wir berichteten – nicht München, sondern das Landratsamt in Abstimmung mit den 27 Bürgermeistern im Landkreis. Laut Pressesprecher Rolf List beschäftigen sich die Juristen im Landratsamt aktuell mit der Frage, ob die Entscheidung darüber per Amtsblatt in der Tageszeitung mitgeteilt werden muss. Das würde jedenfalls für eine Verzögerung der Maskenpflicht auf öffentlichen Plätzen sorgen.


Vereinsvertreter dürfte indessen die Frage umtreiben, ob und in welcher Form sie sich noch treffen dürfen. Laut List ist die Verordnung hier eindeutig, mehr als zehn Menschen können, ob zur Chorprobe oder zur Jahreshauptversammlung, jedenfalls nicht zusammen kommen. Laut einer Sprecherin des bayerischen Gesundheitsministeriums seien in dieser und anderen Detailfragen jedoch „noch Abstimmungen mit der Staatskanzlei nötig“.


Ist Trinken trotz Maskenpflicht erlaubt?

Ein weiteres Beispiel: Während Kultur- und Sportveranstaltungen gilt seit Samstag auch am Sitzplatz Maskenpflicht. Behördensprecher List versteht die Formulierung so, dass der Verzehr von Speisen und Getränken dabei gestattet ist, wenn die Maske jeweils nur dafür kurz abgenommen wird. Eine Sprecherin des bayerischen Gesundheitsminsteriums will diese Auslegung weder bestätigen noch dementieren. „Ich muss Sie leider vertrösten“, so die Sprecherin auf Nachfrage der PZ. „Das hängt zwischen Staatskanzlei und StMGP“, also dem bayerischen Gesundheitsministerium. Es könne sein, dass die Änderung der 7. Infektionsschutzmaßnahmenverordnung in den kommenden Tagen noch mehrfach angepasst wird, entweder, weil Formulierungen präzisiert würden oder weil Ministerpräsident Markus Söder auf strengeren Maßnahmen bestehe, so die Sprecherin.


Die Regeln, die das soziale Leben im Nürnberger Land und in vielen anderen bayerischen Städten und Landkreisen einschränken, seien ein „work in progress“, wie die Sprecherin bestätigte, es ist also noch einiges zu klären.


Kein Wunder also, dass bei so vielen offenen Fragen das Landratsamt heute aufgrund von Anrufen komplett überlastet war. Zumindest band die Kreistagssitzung, die eigentlich am Montagnachmittag stattgefunden hätte, keine Kräfte. Sie war noch am Vormittag abgesagt worden.

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