So wird der Bundestag gewählt

Zwei Kreuzchen für jeden

Bei der Bundestagswahl am 24. September hat jeder wahlberechtigte Bürger zwei Stimmen – eine, um seinen favorisierten Wahlkreisabgeordneten direkt ins Parlament zu „befördern“ (links), und eine Zweitstimme für die Partei seiner Wahl (rechts).2017/09/8394594.jpg

HERSBRUCK – Bei der Bundestagswahl am 24. September – oder schon jetzt bei der Briefwahl – darf jeder Wahlberechtigte zwei Kreuzchen vergeben: die Erst- und die Zweitstimme. Die Begriffe sind etwas irreführend, ist die zweite Stimme doch politisch weit bedeutender als die erste.

Das gesamte Bundesgebiet ist für den Urnengang Ende September in 299 Bundestags-Wahlkreise aufgeteilt. Thüringen musste heuer einen an Bayern abgeben, das nun 46 hat (neu: Starnberg-Landsberg am Lech). Zudem wurden in beiden Bundesländern die Zuschnitte weiterer Wahlkreise verändert, um eine gleichmäßige Größe zu erreichen oder den Veränderungen von Landkreisgrenzen Rechnung zu tragen.

In jedem Stimmkreis – wie zum Beispiel in Wahlkreis 246 für das Nürnberger Land und den Landkreis Roth – wird mit der Erststimme ein Kandidat oder eine Kandidatin direkt in den 19. Deutschen Bundestag gewählt. Siegreich ist, wer die meisten Erststimmen auf sich zieht.

Wer hat die meisten?
Eine absolute Mehrheit ist dabei nicht erforderlich. So reichten 2013 Dagmar Wöhrl (CSU) in Nürnberg-Nord 39,4 Prozent zum direkten Einzug ins Parlament, weil alle ihre Mitbewerber unter dieser Marke blieben. Mit der Erststimme (auch Direktstimme genannt) wird etwa die Hälfte der Mitglieder des Bundestages bestimmt – in Bayern waren es vor vier Jahren 45 von 91.

Realistische Chancen auf ein Direktmandat haben in Bayern nur die CSU und – wenn auch nur minimal – die SPD. Bei den Bundestagswahlen 2005 und 2009 brach mit Axel Berg (München-Nord) ein einziger Sozialdemokrat das „Monopol“ der schwarzen Direktkandidaten. 2013 gingen SPD, Grüne, FDP und Linke bei den Direktmandaten komplett leer aus. Warum saßen dann neben Marlene Mortler zwischen 2009 und 2013 Marina Schuster (FDP) oder früher neben Hansgeorg Hauser (CSU) auch die Laufer Sozialdemokratin Verena Wohlleben im Bundestag? Dank der Zweitstimme, die den jeweiligen Parteien zugute kommt. Genau deshalb werben vor allem die kleineren Parteien gern mit speziellen Zweitstimmen-Kampagnen um die Gunst der Wähler.

Selbst wenn beispielsweise Grüne oder FDP bayern- und bundesweit keine einzige Erststimme holen sollten, wären sie mit acht oder zehn Prozent der Zweitstimmen ganz beachtlich im Bundestag vertreten. Die Reihenfolge der Namen legen Parteitagsdelegierte fest, das Volk als eigentlicher Souverän kann die Liste dabei – im Unterschied zu Landtags- und Kommunalwahlen – in der Wahlkabine nicht durcheinanderwirbeln.

Das schmälert zum Beispiel die Hoffnung von Alexander Horlamus, in den nächsten Bundestag einzuziehen – steht der Laufer auf der Landesliste der SPD doch nur auf Platz 36. Bei der Bundestagswahl 2013 gewannen die bayerischen Genossen über die Zweitstimmen lediglich 22 Sitze (Grüne 9, Linke 4).

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