Polleninformations-Netzwerk in Feucht

Wenn Pollen in die Falle tappen

Im April wurde die Mess-Station mit einem riesigen Kran auf das Dach der Realschule gehievt. | Foto: Gisa Spandler2019/06/Feucht-Pollenstation10.jpg

FEUCHT – Großer Wert für die Forschung, geringerer Nutzen für den einzelnen: das elektronische Polleninformations-Netzwerk mit einer Station in Feucht misst die Blütenstaubkonzentration in der Luft.

Im April dieses Jahres wurde auf dem Dach der Realschule Feucht die siebte von acht Messstationen des weltweit ersten elektronischen Polleninformations-Netzwerks (ePIN) eingerichtet.  Mit Hilfe dieses Netzwerks sollen Pollenallergiker zu jeder Zeit im Internet die aktuelle Belastung durch Blütenstaub feststellen und sich entsprechend schützen können. Mit Ausnahme von München sind bereits alle der geplanten acht Stationen, die an repräsentativen Orten über Bayern verteilt sind, aktiv.

Wer sich also in unseren Gefilden darüber informieren will, was für Pollen gerade fliegen und wie konzentriert die Stäube unterwegs sind, kann dies hier tun. Andere Standorte sind Altötting, Garmisch-Partenkirchen, Hof, Marktheidenfeld, Mindelheim, Viechtach.

Geringe Bandbreite

Zu den kontrollierten Typen von Pollen gehören: Hasel, Erle, Esche, Birke, Gräser, Roggen, Beifuß, Ambrosia. Derzeit wird man nur beim Flug von Gräserpollen fündig, für alle anderen Pflanzen heißt es Fehlanzeige. Das ist schade, denn aus gängigen Pollenkalendern geht hervor, dass derzeit auch Brennessel und Wegerich die Allergiker plagen, doch die fehlen auf der Checkliste.

Dennoch loben die Initiatoren das neue System für seine hohe Aktualität und auch dafür, dass alle Messdaten archiviert werden und damit auch für Forschungsprojekte zur Verfügung stehen. Die Ergebnisse sind zum einen schneller verfügbar, flächendeckender und jederzeit abrufbar – ein wesentlicher Vorteil gegenüber dem bisherigen analogen System, bei dem manuell gemessen und ausgewertet wurde.

Für die sieben bayrischen Pollenfallen werden Diagramme angezeigt, die die Pollenanzahl als Tagesmittelwert pro Kubikmeter in der Luft angeben. Eingefangen werden die reizenden Teilchen mit Probenträgern, die mit einem Gel bestreichen sind, an dem die feinen Staubteile haften. Anschließend werden sie im Innern des Pollenmonitors mikroskopisch ausgewertet.

Matrial für Klimaforschung

Prüfen kann man neben den aktuell fliegenden Pollen auch den Verlauf über einen Zeitraum von 14 Tagen, so dass der Anfällige sehen kann, ob sich die Konzentration noch aufbaut oder bereits wieder nachlässt. Des weiteren gibt es Informationen zu den einzelnen untersuchten Pflanzen, zu den Allergie-Symptomen und sinnvollem Verhalten, falls der Verdacht auf eine Pollenallergie besteht.

Hier ist aber der Arzt gefragt, eine große Hilfe sind die Pollenmonitore für den einzelnen Patienten sicher nicht, auch wenn Gesundheitsministerin Melanie Huml ein bisschen großspurig behauptet, für Allergiker „bricht eine neue Ära an“. Wertvoller dürfte das Material für die Klimaforschung sein, denn das automatische Netzwerk ist Teil der bayerischen Klimaanpassungsstrategie. Die umfangreiche Datensammlung könnte Grundlage für konkrete Maßnahmen werden, zum Beispiel bei der Bepflanzung mit bestimmten klimaresistenten Gehölzen im urbanen Raum.

N-Land Gisa Spandler
Gisa Spandler