Bundesnetzagentur rechnet mit TenneT-Antrag für Frühjahr 2017

Trassengegner lehnen Erdverkabelung ab

Freileitungen wie hier bei Weinhof wird es für die neuen HGÜ-Trassen nicht geben, die Leitungen sollen vielmehr unterirdisch verlegt werden. Trotzdem bleiben die Trassengegner bei ihrem Widerstand. | Foto: privat2016/09/Stromtrasse.jpg

NÜRNBERGER LAND – Die hiesigen Gegner der TenneT-Stromtrassen halten an ihrem Widerstand fest – auch wenn die Leitungen jetzt nicht mehr die Region durchschneiden und weiter östlich alle unterirdisch verlegt werden. Unterstützt werden die Aktivisten vom Bund Naturschutz. Dessen Vorsitzender Hubert Weiger fordert, alternativ regionale und lokale Energiestrukturen aufzubauen. Die Bundesnetzagentur dagegen begrüßt die jetzt angepeilte Erdverkabelung.
„Und die damit verbundenen Möglichkeiten, Akzeptanz für diese neue Gleichstromverbindung vor Ort zu fördern“, so deren Sprecherin Carolin Bongartz.

Die Bundesnetzagentur ist für die Fachplanung der neuen Trassen zuständig. Bislang liegt ihr dazu noch kein Antrag von TenneT vor, man rechnet damit aber bis spätestens Frühjahr 2017, so Bongartz.

Die Bundesnetzagentur wird dann zunächst die Unterlagen auf Vollständigkeit prüfen und im Anschluss in Antragskonferenzen alle Aspekte ermitteln, die bei der Festlegung des Verlaufs der Leitung berücksichtigt werden müssen.
Korridor wird festgelegt

Ziel der Bundesfachplanung ist die Festlegung eines 500 bis 1000 Meter breiten Korridors, in dem die Leitung einmal verlaufen wird. Erst im Anschluss, im Planfeststellungsverfahren, werden der exakte Leitungsverlauf und die genaue Technologie innerhalb dieses Korridors festgelegt.

„Das Genehmigungsverfahren wird mehrere Jahre dauern“, erläutert die Sprecherin der Bundesnetzagentur. Die Bürgerinnen und Bürger hätten dann bei jedem Schritt die Möglichkeit, sich zu beteiligen.

Das sei reine Augenwischerei, wird auf der Web-Seite stromautobahn.de kommentiert. Bürger könnten zwar Einwände gegen die Trassenführung erheben, die hätten aber keinerlei Gewicht.

Der Weißenbrunner Hubert Galozy, Sprecher der Leinburger Initiative gegen die HGÜ-Trassen, sieht bei dem jetzt anstehenden Trassenbau ohnehin eine unheilige Kooperation zwischen Netzbetreiber und Bundesnetzagentur. Fast unbemerkt von der Öffentlichkeit habe die Konsultation der Bundesnetzagentur zu ihren Entwürfen für zukünftige Eigenkapitalzinssätze für die Elektrizitäts- und Gasnetzbetreiber stattgefunden. „Die Bundesnetzagentur legt diese Zinssätze fest, die die Netzbetreiber für ihre Wirtschaftlichkeitsberechnung ansetzen dürfen. Die resultierenden Kosten tragen wir Stromkunden“, ärgert sich Galozy. Er spricht von vergoldeten Anlagemöglichkeiten für die Finanzinvestoren der Übertragungs-Netzbetreiber“.

100 Prozent Erneuerbare?

Dem wollen die Trassengegner zusammen mit dem Bund Naturschutz eine Energiewende hin zu 100 Prozent erneuerbaren Energien entgegen setzen. Möglich sei das mit einem regionalen Strommanagement, sagt BN-Chef Weiger. „Die fluktuierenden Stromquellen Wind und Sonne müssen lokal mit flexibel steuerbaren Stromquellen unterstützt werden. Wir benötigen zusätzlich zu Strom aus Fotovoltaik und Windrädern steuerbaren Strom aus dezentraler Kraft-Wärme-Kopplung, wie beispielweise aus Biogas-Block-Heiz-Kraft-Werken, und aus regionalen Batterien in Quartierspeichern.“

SüdOst- Und SüdLink

Ein Moratorium für die weitere Planung der HGÜ-Trassen, wie von Aktivisten und BN gefordert, ist aber nach dem derzeitigen Stand der Dinge kaum mehr möglich. Die Bundesnetzagentur rechnet mit einer Fertigstellung der neuen Leitungen bis 2025.

Beim SüdOstLink soll die Gleichstromleitung zwischen den Netzverknüpfungspunkten Wolmirstedt (Sachsen-Anhalt) und Isar bei Landshut (Bayern) verlaufen.

Als SüdLink werden die beiden Gleichstromleitungen von Brunsbüttel (Schleswig-Holstein) nach Großgartach (Baden-Württemberg) und von Wilster (Schleswig-Holstein) nach Grafenrheinfeld (Bayern) bezeichnet. Sie sollen in weiten Teilen auf einer gemeinsamen Stammstrecke geführt und gleichzeitig beantragt werden.

N-Land Alex Blinten
Alex Blinten