Kulturhauptstadt 2025: Nürnberg will Region einbinden

Potenzial des Landkreises nutzen

Feuer und Flamme für die Bewerbung der Stadt Nürnberg als Kulturhauptstadt Europas: Prof. Dr. Julia Lehner sucht Mitstreiter im Kreistag. | Foto: Spandler2017/08/nuernberg-julia-lehner-online.jpg

NÜRNBERGER LAND – Nürnberg will Kulturhauptstadt werden, und die Landkreise der Metropolregion sollen beim Bewerbungsverfahren mit eingebunden werden. Wie aber kann das aussehen? Nürnbergs Kulturreferentin Prof. Dr. Julia Lehner erläuterte in der jüngsten Sitzung des Kreistags einige der Details.

Ihre eigene Begeisterung für das Projekt hatte sich 2010 entwickelt, als das Ruhrgebiet „Kulturhauptstadt“ wurde und die Metropolregion Nürnberg noch jung war. So könnte man auch in unseren Breiten Identität und Zusammengehörigkeit schaffen, glaubte sie und glaubt es noch heute. Doch die Rahmenbedingungen haben sich mittlerweile geändert: Nun kann nicht mehr eine ganze Region Kulturhauptstadt werden wie damals im Ruhrgebiet, bewerben kann sich nur eine Stadt, keine Region. Dass aber 2025 eine der beiden europäischen Kulturhauptstädte eine deutsche sein wird, das steht fest.

Unterdessen gibt es zahlreiche Konkurrenten, darunter Magdeburg, Mannheim, Koblenz, Chemnitz und viele mehr.

Eindringlich wies Lehner darauf hin, dass die Bewerbung und eventuell der Titel keine einseitige Finanzspritze bedeuten, erstmal müssten die Bewerber in die eigene Tasche greifen: „Es geht darum zu klären, was wir für Europa tun können und nicht anders herum.“ Also müssen jetzt nachhaltige Konzepte entworfen werden, für 2025, aber auch für danach.

Vorgesehener Zeitplan

Der Zeitplan der Bewerbung sieht vor, dass im Frühjahr 2019 die Abgabe fertig sein muss, im Winter findet die Pre-Selection, eine Präsentation in Berlin, statt und im Herbst 2020 wird es spannend, denn dann besucht eine Jury von zehn Personen erstmals die Bewerberstädte. Von 2020 bis 2025 wird dann vorbereitet und das Konzept umgesetzt.

Bei der Definition des Kerns der Kulturhauptstadt-Idee präzisierte die Professorin zunächst, was nicht hinter diesem Begriff steckt: „Das ist kein Schönheits-Wettbewerb, keine Hochglanzdarstellung“, stellte sie fest. Es gehe nicht um Events, sondern um Vorschläge, etwas zu verbessern, bei dem auch soziale Werte im Mittelpunkt stünden, Architektur, Kunst, Tourismus – alles, wobei Kultur eine verbindende Rolle spielen könne. Hierbei sei der Kulturbegriff ein sehr weit gefasster. Nachhaltigkeit ist ein Stichwort, Authentizität ein anderes.

Natürlich hat man bei der Stadt Nürnberg schon erste Denk-Linien entwickelt, die im Zentrum der Aktivitäten stehen könnten: Migration, Heimat und Diversity zum Beispiel, eine zukunftgerichtete Erinnerungskultur, Digitalisierung oder die Zukunft der Arbeit. Alles müsse unter der allumfassenden Frage stehen „Wie können wir beweisen, dass wir hier in der Mitte Europas europäisch-demokratisch denken?

Mit den Formaten, die man bisher aufgestellt hat, wolle man nun an die Region herantreten und fragen, was für die Player hier relevant ist. Dabei erklärte sie, dass man ein deutlich anderes Konzept als damals das Ruhrgebiet verfolge. Dort hatte man die einzelnen Regionen mit ihren Stärken einfach nebeneinander gestellt und den Besuchern präsentiert. In Nürnberg stehe die Frage, was man nachhaltig verbessern könne, im Vordergrund.

Es sei klar, dass das ganze Projekt nur mit zusätzlichen Finanzmitteln gestemmt werden könne, so Lehner. Nürnberg habe bereits Mittel eingestellt, das sollten auch die angrenzenden Kommunen tun, doch die bestimmten selber, wie viel ihnen die Unterstützung wert ist.

Hierzu merkte sie aber an, dass diese Investition für ein Jahr einen immensen Tourismus-Boom auslösen werde. „Ein investierter Euro hat sich bei anderen versechsfacht, und das nicht nur für ein Jahr“, warb sie für einen großzügigen Einsatz der Finanzmittel.

Auch bisher gescheiterte Bewerberstädte hätten stets feststellen dürfen, dass sich der Aufwand gelohnt hätte, man habe unabhängig vom Titel die geplanten Verbesserungen umgesetzt und davon profitiert. Sie schloss ihre leidenschaftliche Präsentation mit dem Blick nach vorn: „Eine Stadt wird es werden, eine Stadt mit der Region, wenn sie will. Ich würde es uns allen wünschen.

Landrat Armin Kroder informierte, dass die Planung im Landratsamt bei der Kreisentwicklung und der Geschäftsstelle Tourismus angesiedelt sein wird und er den Rathäusern empfehle, ebenfalls Personen für diese Aufgaben zu benennen.

Fraktionen ziehen mit

Die Sprecher der Fraktionen begrüßten die Initiative einhellig und sicherten ihre Unterstützung zu, zeigten sich auch angetan von den angedachten Themen Digitalisierung, Diversität, Arbeit, wie Cornelia Trinkl versicherte.

Dr. Thomas Beyer regte an, sich nicht allein auf die „Professionellen“ in den Sachgebieten des Landratsamts zu verlassen, sondern die Akteure breiter zu streuen, bis hin zu den Ehrenamtlichen. Vorsichtiger äußerte sich Eckart Paetzold. Er forderte, bei der Entwicklung des Programms daran zu denken, dass es auch ohne den Titel realisiert werden kann.

Julia Lehner bat abschließend noch einmal um die Entsendung von Mitarbeitern aus den Kommunen in die Arbeitsgruppe, die die Stadt Nürnberg für die erfolgreiche Umsetzung des kreativen Prozesses gegründet hat.

N-Land Gisa Spandler
Gisa Spandler