Überlegungen der Ampel-Koalition

Mehr im Geldbeutel: Kommt die Erhöhung des Mindestlohns?

Schon vor einiger Zeit wurde für die Erhöhung des Mindestlohns auf 12 Euro protestiert. | Foto: DGB/NGG2022/01/NGG.jpg

NÜRNBERGER LAND – Wer wenig verdient, könnte bald erheblich mehr im Portemonnaie haben: Die Ampel-Koalition plant einen deutlich höheren gesetzlichen Mindestlohn von 12 Euro pro Stunde – 2,40 Euro mehr als bislang. Allein im Nürnberger Land würden davon 15 150 Menschen profitieren – das sind 19 Prozent aller Beschäftigten im Kreis. Darauf weist die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) in einer Pressemeldung hin und beruft sich auf eine Analyse des Pestel-Instituts aus Hannover.

Nach der Analyse arbeiten im Landkreis derzeit 3360 Beschäftigte zum Mindestlohn von 9,60 Euro pro Stunde. Weitere 11 790 Menschen würden mit ihrem Lohn zwar darüberliegen, verdienten aber trotzdem weniger als 12 Euro.

„Die versprochene Anhebung des Mindestlohns auf zwölf Euro ist ein Meilenstein. Damit werden in der Region die Einkommen vieler Beschäftigter deutlich steigen – insbesondere in Hotels, Gaststätten, Bäckereien oder Fleischereien. Sie arbeiten häufig zu Löhnen, die zum Leben nicht reichen – auch weil Unternehmen ausgehandelte Tarifverträge unterlaufen“, sagt Regina Schleser, Geschäftsführerin der NGG-Region Nürnberg-Fürth, in der Meldung.

Rasche Umsetzung gefordert

Weiter heißt es, dass die Gewerkschaft die neue Bundesregierung nun auffordere, die Erhöhung des Mindestlohns rasch auf den Weg zu bringen. „Ziel von SPD, Grünen und FDP muss es sein, den Zwölf-Euro-Stundenlohn in den ersten ‚100 Ampel-Tagen‘ hinzubekommen“, betont Schleser.

Die Erhöhung des Mindestlohns käme nicht nur Geringverdienern zugute, sondern auch der regionalen Wirtschaft: Nach Angaben des Pestel-Instituts würde die Kaufkraft im Landkreis um rund 24 Millionen Euro pro Jahr steigen und den Unternehmen höhere Umsätze bescheren. „Wer ohnehin ein eher geringes Einkommen hat, kann meist nichts davon auf die hohe Kante legen. Damit fließt fast jeder Euro, den Mindestlohn-Beschäftigte am Monatsende extra haben, in den Konsum. Ein Großteil davon wird vor Ort ausgegeben – im Restaurant, im Kino oder um etwas Neues für den Haushalt anzuschaffen“, so Schleser.

„Mehr in der Tasche“

Eine kräftige Anhebung der Lohnuntergrenze sei auch mit Blick auf die aktuell hohe Inflationsrate wichtig. „Wenn der Mindestlohn schnell auf zwölf Euro klettert, dann hätten Beschäftigte trotz der Preissteigerung de facto deutlich mehr in der Tasche“, erläutert die Gewerkschafterin.

Sie appelliert an die heimischen Bundestagsabgeordneten, der geplanten Mindestlohn-Erhöhung zuzustimmen: „Dass nach einem jahrelangen Ausufern des Niedriglohnsektors Menschen wieder besser von ihrer Arbeit leben können, sollte keine Frage des Parteibuchs sein. Es ist in einem reichen Land wie Deutschland überfällig.“

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