Mitgliederwerbung soll weiter forciert werden

Lebenshilfe für Zukunft gerüstet

Höhepunkt der Jahreshauptversammlung war die Ehrung langjähriger Mitglieder für 40, 30, 25 und 20 Jahre Mitgliedschaft. Überrascht wurde Gerhard John mit einer Ehrung für seine besonderen Verdienste für Menschen mit Behinderung und 20-jähriges Ehrenamt als Vorsitzender der Lebenshilfe im Nürnberger Land e.V.. | Foto: Schreier2016/11/LebenshilfeJahreshauptversammlung2016_mitglieder_ehrung.jpg

NÜRNBERGER LAND – Die Lebenshilfe Nürnberger Land blickt in ihrem 47. Jahr optimistisch in die Zukunft, so der Tenor der Jahreshauptversammlung des Fachverbands am vergangenen Samstag in Alfeld. Im Bericht des 1. Vorsitzenden Gerhard John und des Geschäftsführers Norbert Dünkel spiegelten sich Ereignisse und Projekte des vergangen Jahres, etwa wie die Einweihung der „Inklusiven Wohnwelt“ in Altdorf mit 30 Wohnplätzen für Menschen mit und ohne Behinderung, wider.

Nach der Begrüßung durch den 2. Vorsitzenden Jürgen Six und Grußworten des Alfelder Bürgermeisters Niebler und des Betreutenvertreters Norbert Mahlich, ließ Vorstandsvorsitzender Gerhard John das Lebenshilfejahr 2016 Revue passieren.

Mit dem Apartmenthaus „Inklusive Wohnwelt“, ein Wohnheim für 30 Menschen mit und ohne Behinderung in Altdorf, habe man im Landkreis Inklusionsakzente gesetzt. Im nächsten Schritt sollen jetzt Apartments an Menschen ohne Handicap vermietet werden. John verwies darauf, dass die Lebenshilfe in den kommenden Jahren mit einem steigenden Wohnplatzbedarf für Menschen mit geistiger Behinderung rechnet: „Die gesellschaftliche Eingliederung von Menschen mit geistiger Behinderung ist und bleibt unser oberstes Ziel“, bekräftigte John und verwies darauf, dass man zeitnah inklusive Wohnmodelle mit innovativem wie inklusivem Charakter in Lauf und Hersbruck schaffen werde. Dies gelte analog auch für Schul- und Arbeitsplätze. Das Prinzip der Lebenshilfe heiße „so viel Freiheit wie möglich und so viel Betreuung wie nötig“.

Mitgliederwerbung

„Unseren Betreuten und Mitarbeitern geht es gut“, artikulierte John. Ausruhen dürfe und wolle sich die Lebenshilfe, die auch im Wettbewerb zu anderen Verbänden oder Geldgebern stehe, nicht. „Fördern, fördern und nochmals fördern“, so John, laute der Auftrag der Lebenshilfe. Dies müsse auch finanziert werden. Unterstützung erfahre die Lebenshilfe seitens Politik und öffentlicher Hand mit Bezirken, Landkreis und Kommunen.

Innovationen und Förderextras könnten letztendlich nur durch Unterstützer und Gönner ermöglicht werden; sein großer Dank gelte ausdrücklich Freunden und Spendern, die als Unternehmen oder durch private Benefizveranstaltungen, ebenso wie die derzeit rund 740 Fördermitglieder der Lebenshilfe, unterstützen. Sie alle seien auch Multiplikatoren der Lebenshilfe-Arbeit.

Er hoffe inständig, dass die offensive Mitgliederwerbung weiterhin erfolgreich seiund im kommenden Jahr die 800-er Marke geknackt werden könne. Bis 2019 – dann feiert die Lebenshilfe 50. Geburtstag – will der Verband auf 1000 Mitglieder anwachsen. So will der Verband im Mai 2017 vor Ort in Altdorf, Lauf und Hersbruck für Inklusion und die Idee Lebenshilfe werben.

Weitere Meilensteine, die John nannte, waren etwa das Engagement der Lebenshilfe für ein besseres Bundesteilhabegesetz, also die Förderung besserer Lebensbedingungen einer inklusiven Entwicklung, Stärkung der Rechte und mehr Mitbestimmung für Menschen mit Behinderung.

Schule wird saniert

Die personelle, finanzielle und bauliche Entwicklung der Lebenshilfe im Landkreis erläuterte Geschäftsführer Norbert Dünkel in seinem Rechenschaftsbericht. Derzeit unterhält der Fachverband 24 Einrichtungen und beschäftigt rund insgesamt 880 betreute, ehren- sowie hauptamtliche Mitarbeiter. Erfreulich sei besonders die steigende Mitarbeitertendenz bei der beruflichen Inklusion: 25 feste Außenarbeitsplätze habe die Lebenshilfe derzeit in Betrieben des Landkreises, das sind bereits 14 Prozent mehr gegenüber dem Vorjahr.

Ansehnlich sind die Zahlen, die der Geschäftsführer weiter nannte. Die Lebenshilfe trug erneut durch Aufträge an Mittelstand, Handwerk und Unternehmen mit 4,3 Millionen Euro kräftig zur Steigerung des Bruttosozialprodukts in der Region bei.

Und auch in den kommenden Jahren wird die Lebenshilfe kräftig investieren müssen. Die Dr. Bernhard Leniger Schule in Schönberg, gebaut in den 1970er Jahren, muss energetisch saniert werden. Weitere Investitionen plant die Lebenshilfe für neue Wohnplätze. Die Instandhaltung bestehender Häuser sehe Dünkel als Herkulesaufgabe in den kommenden Jahren. Der Gesetzgeber fordert, insbesondere im Pflege- und Wohnbereich, Standards bei Raumgrößen oder für Sanitär- und Pflegeeinrichtungen. „Die 25-jährige Übergangsfrist werden wir sicher nicht brauchen“, versicherte Dünkel zuversichtlich, weil es hier um das Umfeld für anvertraute Menschen gehe. Die Lebenshilfe sieht die gesetzliche Forderung deshalb als Chance, nicht als Pflicht.

Ausgewogener Haushalt

Als Beispiel in Punkto Nachhaltigkeitsengagement führte Dünkel das „Klimakonzept 2040“ der Lebenshilfe an. In Zusammenarbeit mit der Hochschule Amberg-Weiden hat der Verband das vom Gesetzgeber geforderte „Energieaudit 2015“ erreicht, das bereits 2017 zum Tragen kommt. Nicht nur die eingesparten Energiekosten in den kommenden Jahrzehnten sind interessant, auch die Co2-Bilanz wird um 70 Prozent verbessert; rund 100 Tonnen Co2 pro Jahr können eingespart werden.

Die Bilanzprüfung durch den Kommunalen Prüfungsverband und eine Sonderprüfung durch den Bayerischen Obersten Rechnungshof waren ohne jegliche Beanstandungen. Die Mitgliederversammlung entlastete am Ende der Berichte Vorstandschaft und Geschäftsleitung für ein gutes und ausgewogenes Haushaltsjahr 2015.

Ehrung langjähriger Mitglieder

Die Ehrung langjähriger Mitglieder für 40, 30, 25 und 20 Jahre Vereinstreue bildete den Höhepunkt der Jahreshauptversammlung 2016.
„Ihr seid ein starkes Sprachrohr für Menschen mit Behinderung und Inklusion,“ dankten John und Six gegenüber den geehrten Mitgliedern herzlich für deren langjährige Förderung und Solidarität.

Geehrt wurde Gerhard John dann selbst mit einer Dankurkunde. Seit 20 Jahren setzt sich John ehrenamtlich als Vorsitzender der Lebenshilfe Nürnberger Land für die Belange von Menschen mit Behinderung ein. Er sei ein wahrer Lebenshelfer, der viel Freizeit, vor allem Herzblut in dieses Amt lege und es ausfülle, formulierte der zweite Vorsitzende Six.

Man gehe mit dem Vorsatz ins neue Jahr, alle Kräfte für bevorstehenden Aufgaben zu bündeln und diese aktiv und kreativ zu meistern, schlossen Vorstand und Geschäftsleitung die Sitzung.

Nichts Neues verpassen! - Newsletter abonnieren