Meisterpflicht kommt 2020

„Kein Allheilmittel“

Künftig nur noch mit Meisterbrief: Fliesenleger zählt zu den Berufen, in denen man sich nicht mehr einfach so selbstständig machen kann. | Foto: Adobe Stock2019/10/NL-Handwerker-Meister-Fliesenleger.jpeg

NÜRNBERGER LAND – Die Meisterpflicht kommt zurück: Ab Anfang 2020 kann sich in zwölf Gewerken nur noch selbstständig machen, wer auch die entsprechende Prüfung abgelegt hat.

Konkret soll dies gelten für: Fliesen-, Platten- und Mosaikleger, Betonstein- und Terrazzohersteller, Estrichleger, Behälter- und Apparatebauer sowie Parkettleger. Außerdem für: Rollladen- und Sonnenschutztechniker, Drechsler und Holzspielzeugmacher, Böttcher, Glasveredler, Schilder- und Lichtreklamehersteller, Raumausstatter sowie die Traditionsberufe Orgel- und Harmoniumbauer.

Im Jahr 2004 war in mehr als 50 Berufen die Meisterpflicht weggefallen. Mit der Reform der Handwerksordnung wollte die Bundesregierung damals einfachere Tätigkeiten für Selbstständige öffnen. Bis dahin durften diese Betriebe nur von ausgebildeten Handwerksmeistern geführt werden. Doch der Schuss ging nach hinten los. „Plötzlich konnte jeder ein Geschäft aufmachen, der gar keine Ausbildung dazu hatte“, erinnert sich Fliesenlegermeister Sven Mielich aus Burgthann.

Verzerrter Wettbewerb

Darunter habe sich der Wettbewerb verzerrt und die Qualität gelitten. Mielich begrüßt daher die Wiedereinführung der Meisterpflicht. Allerdings würde er nicht soweit gehen den Meisterbrief als „beste Garantie für Qualitätsarbeit, Verbraucherschutz, Leistungsfähigkeit und Innovationskraft“ in den Himmel zu heben, wie es Unions-Fraktionsvize Carsten Linnemann und SPD-Fraktionsvize Sören Bartol von der Regierung getan haben.

„Natürlich lernt man in der Meisterausbildung noch mal einiges, das man als Lehrling vielleicht nicht so mitbekommt“, sagt er. Aber auch unter Meistern gebe es, wie überall, schwarze Schafe, die schlampig arbeiten oder sich gemütlich zurücklehnen. Umgekehrt kenne er auch Leute, die ohne Meistertitel hervorragende Arbeit leisteten.

So sieht es auch Schreinermeister Dieter Deifel aus Altdorf. Sein Montageservice verlegt unter anderem auch Parkett. „Es ist mit Sicherheit ein Qualitätsstandard, aber das kann ich so nicht unterschreiben. Es gibt einen Haufen Menschen, die keinen Meisterbrief haben und trotzdem genauso vorbildlich arbeiten“, sagt er. Auch er findet es gut, dass künftig wieder mehr Augenmerk auf die Ausbildung gelegt wird.

Kein Allheilmittel fürs Handwerk

Ein Allheilmittel für die Engpässe im Handwerk sei die Wiedereinführung jedoch nicht. Zwar trägt ein Meisterbrief Prestige, doch ob das ausreicht, um mehr junge Menschen für das Handwerk zu interessieren, bezweifelt er. Es müsste insgesamt mehr Wertschätzung erfahren, findet der Schreinermeister. „Das geht in den Köpfen los.“ Auch Mielich verspricht sich von der Neuerung keine Flut an neuen Auszubildenden. „Das wird ja erst interessant für jemanden, der die Chance hat, einen Betrieb zu gründen oder zu übernehmen“, sagt er.

Früher ansetzen

Es müsse schon für die Lehrlinge interessanter gemacht werden und auch für die Betriebe. „Im Sommer, wenn man die Azubis dringend brauchen könnte, sind sie in der Schule. Umgedreht ist im Winter, wenn sie dann im Betrieb sind, nicht viel los und sie langweilen sich“, erklärt der Burgthanner. „Vielleicht sollte man da mal ansetzen, aber die Meisterpflicht wiedereinzuführen ist sicher schon ein Schritt in die richtige Richtung.“

„Schau mer mal“

2025 wird sich zeigen, ob die Rechnung der Regierung aufgegangen ist. Dann soll die Neuregelung noch einmal geprüft werden. Deifel sieht dem Ganzen mit fränkischer Gelassenheit entgegen: „Schau mer mal“, sagt er nur.

N-Land Magdalena Gray
Magdalena Gray