Pflegeheimleiter nicht überzeugt

Impfpflicht für Pflegekräfte?

Die Leiter dreier Seniorenheime im Landkreis-Süden halten wenig von einer Impfpflicht für ihre Mitarbeiter. | Foto: Magnifier/stock.adobe.com2020/11/NL-Grippe-Impfung-Adobe-Stock.jpg

ALTDORF / WINKELHAID / RUMMELSBERG – Markus Söder attestiert Mitarbeitern in Pflegeberufen eine zu geringe Impfbereitschaft und bringt eine Impfpflicht ins Gespräch. In den Heimen im Landkreis-Süden trifft der Vorschlag des Ministerpräsidenten auf Widerstand.

Christa Wild ist bereits geimpft. Und sie hat den Impfstoff gut vertragen. „Keinerlei Nebenwirkungen, gar nichts“, berichtet die Leiterin des Hauses am Pfaffental. In der Altdorfer Einrichtung war das Impfteam der Malteser bereits vor dem Jahreswechsel im Einsatz. 77 Bewohner und 46 Mitarbeiter haben sich während der drei Tage gegen Corona impfen lassen. „Wer vor Ort war und mit einem Arzt gesprochen hat, der hat sich auch impfen lassen“, berichtet Wild. Mitarbeiter, die zur Impfzeit keinen Dienst hatten, seien hingegen zurückhaltend gewesen. Laut der Heimleiterin steht und fällt die Bereitschaft mit der Aufklärung.

„Hauruck-Aktion“

Und die sei im Vorfeld nicht besonders gut gewesen. Wild spricht von einer „Hauruck-Aktion“ und sieht Gesundheitsamt und Staatsregierung hier in der Pflicht, besser über das Thema zu informieren. Denn viele ließen sich aus Unwissenheit und Angst nicht impfen, nachdem sie „irgendeinen Quatsch im Internet“ gelesen haben. Doch Impfen, da ist sich Wild sicher, ist „das Mittel der Wahl, um das Virus zu bekämpfen“.

Impfpflicht sorgt für Unverständnis

Genau so sieht das auch Diakon Werner Schmidt. Er leitet das Stephanushaus in Rummelsberg und meint, dass eine Impflicht für Unverständnis und Unwillen bei den Pflegekräften sorgen könnte, die sich ohnehin schon „gegängelt und gedrängelt“ fühlen. Zu viel Arbeit für zu wenig Personal. Dann habe die Pandemie die Situation verschärft. „Und wenn man das hochansteckende Virus im Heim hat, sich die Bewohner anstecken und sogar sterben, dann wird das auch noch den Einrichtungen in die Schuhe geschoben“, kritisiert Schmidt die öffentliche Meinung. Den Ablauf des Impfens empfindet er angesichts der Größe der Aufgabe jedoch als „wirklich gut“. Eine Impfpflicht lehnt Schmidt nicht per se ab. Bei Masern hält er sie beispielsweise für „völlig okay“. In seiner Einrichtung sei die Bereitschaft der Bewohner sehr hoch, der Mitarbeiter nicht ganz so hoch, aber immer noch höher als in der Gesamtbevölkerung, berichtet Schmidt. Insgesamt rechnet Schmidt mit 110 Bewohnern und etwa 60 Pflegern, die das Angebot wahrnehmen werden. Er selbst schließt sich da freilich ein. Und er möchte weitere Mitarbeiter davon überzeugen, es ihm gleich zu tun. Der Vorstoß Söders aber mache sein Vorhaben nicht leichter.

„Impfen muss freiwillig bleiben“

„Das Impfen muss freiwillig bleiben. Denn bei Pflichten sind immer Gegenreaktionen zu erwarten“, meint auch Ekaterina Schneider. Sie leitet die Verwaltung des Winkelhaider Horänder-Heims. Die privat geführte Einrichtung war besonders vom Virus getroffen. Neun Personen sind dort seit Mitte Dezember mit oder an Corona verstorben. Inzwischen aber „haben wir es im Griff, es gibt keine Fälle mehr“, sagt Schneider und berichtet von ganz wenigen Mitarbeitern, die sich nicht hätten impfen lassen. Und auch nur in begründeten Fällen, beispielsweise bei chronischen Erkrankungen. „Wir haben richtig mit dem Virus gekämpft. Da haben alle gemerkt, dass es nicht zu unterschätzen ist“, sagt Schneider und sieht darin einen entscheidenden Grund für die hohe Impfbereitschaft im Horänder.

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