Jahreshauptversammlung

Hilfe für Frauen und Kinder stellt zu viel Gewalt gegen Frauen fest

Das Bild zeigt (v. links) Kornelia Hamm, Frauke Schimmang, Winfriede Wadehn, Hedwig Hacker – seit 25 Jahren Vorsitzende – und Magdalena Weiß-Bywaletz. | Foto: privat2021/09/2021-JHV-30-.jpg

NÜRNBERGER LAND – „Bei Gewalt darf nicht mehr weggesehen werden, sondern es muss gehandelt werden.“ Genau nach diesem Prinzip leisten die Damen seit über 28 Jahren Rat und Unterstützung beim Frauennotruf.

Laut Vorsitzender Hedwig Hacker bedeute das einerseits Hilfen bei Angst vor häuslicher Gewalt, andererseits Schutz, Beratung und Weitervermittlung für die Chance auf ein gewaltfreies Leben. Denn „Gewalt gegen Frauen ist kein Einzelphänomen“. So habe eine bundesweite Repräsentativuntersuchung des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend ergeben, dass rund 40 Prozent der in Deutschland lebenden Frauen bereits körperliche oder sexualisierte Gewalt erlebt haben, referierte Hacker bei der Jahreshauptversammlung.

Schauplätze der Übergriffe seien nicht in erster Linie dunkle Parks und Straßen, sondern die eigenen vier Wände. „Und auch bei den Tätern handelt es sich weniger um Unbekannte als um die eigenen Partner, Ex-Partner, Väter, Brüder oder Kollegen.“

Aktiv dagegen angehen

Gewalt gegen Frauen betreffe immer auch die Kinder, die sich – selbst wenn sie nicht direkt Opfer werden – angesichts der Ohnmacht der Mutter hilflos und oftmals auch verantwortlich für das Geschehene fühlen, erklärte Hacker. Daher lautete ihr Aufruf: „Wir müssen alles dafür tun, Gewalt in jeglicher Form zu verhindern, denn jeder Mensch hat das Recht darauf, gewaltfrei zu leben.“

Die Opfer hätten nämlich Probleme, ihr Leben zu gestalten. „Solche Erlebnisse sind eine schwere Hypothek für die nachwachsenden Generationen.“ Ziel der „Hilfe für Frauen und Kinder in Not Nürnberger Land“ sei es deshalb, „ein Zeichen zu setzen und Menschen zu ermutigen, sich nicht mit Gewalt abzufinden, sondern einen aktiven Schritt zu ihrer Vermeidung und Bekämpfung zu tun“.

Vermitteln und beraten

Und das fange damit an, dass man sich nicht in die Opferrolle begebe, sondern seinem Schicksal zu entgehen versucht, so Hacker. Die ausschließlich ehrenamtlichen Helferinnen verstehen sich als Anlauf- und Vermittlungsstelle für Frauen und Kinder, die durch Gewalt, sexuelle Bedrängnis oder aus anderen Gründen in Notlagen geraten sind, erläuterte Hacker.

Sie beraten kostenlos und anonym, stellen auf Wunsch den Kontakt zu weiteren sozialen Einrichtungen und Beratungsstellen her oder begleiten die Frauen zum Arzt, zum Anwalt oder zur Polizei. „Wir gewähren auch vorübergehend Unterschlupf für Frauen und Kinder in Notsituationen.“

Frauen aufrichten

Neben der konkreten Unterstützung in Notsituationen sei es den Vereinsmitgliedern ein wichtiges Anliegen, das Durchsetzungsvermögen ihrer Klientinnen zu stärken und sie dazu zu motivieren, ihr Leben wieder selbst in die Hand zu nehmen: „Wir möchten den Frauen dabei helfen, ihre Stärken zu entdecken und neue Lebensperspektiven für sich zu finden.“ Die Ehrenamtlichen wollen nicht richten, sondern aufrichten, sagen sie.

Und einige folgen diesem Credo schon lange Zeit: Für aktive Mitarbeit im Notruf wurden für 25 Jahre Magdalena Weiß-Bywaletz und Winfriede Wadehn, für 20 Jahre Frauke Schimmang und Sylvia Schumm, für 15 Jahre Kriemhild Bössow und Kornelia Hamm sowie für zehn Jahre Sabine Hess geehrt. Die zu ehrenden passiven Mitglieder bekamen den Dank schriftlich übermittelt.

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