Moped statt Auto

Fahrtwind für alle

Mehr als nur draufsetzen und losfahren: Bremsen, Federn und Kurventechnik lernt man in der Fahrschule. | Foto: Adobe Stock2019/06/NL-Motorrad-Fahrtraining-Adobe-Stock.jpeg

NÜRNBERGER LAND – Verkehrsminister Scheuer will 
Autofahrern das Moped schmackhaft machen. 
Hiesige Ärzte und Fahrlehrer sind skeptisch.

25 Jahre Mindestalter, seit fünf Jahren im Besitz des Autoführerscheins, fünf Fahrstunden – und schon kann‘s losgehen. Im Gegensatz zur derzeitigen Regelung müssten die Umsteiger von Auto auf Moped keine Prüfung ablegen. Sie dürften Motorräder der Klasse A1 mit einem Hubraum von bis zu 125 Kubikzentimetern und einer Motorleistung von maximal elf Kilowatt, sprich 15 PS, fahren.

Durch den erleichterten Einstieg in die Motorradwelt will Verkehrsminister Andreas Scheuer mehr Mobilität – insbesondere im ländlichen Raum – ermöglichen und gleichzeitig Verkehrssicherheit garantieren. Letzteres allerdings ist bei Fahrlehrern, Ärzten und Motorradfahrern selbst umstritten.

In Feucht tankt Markus Müller gerade seine 125-Kubik-Maschine. Er glaubt, dass der Umstieg vom Auto auf ein kleines Motorrad mit weniger Übungsstunden als bisher verlangt durchaus machbar ist. „Fünf Einheiten reichen aus, um die Grundlagen zu lernen und sicher von A nach B zu kommen. Das wirkliche Fahren lernt man dann durch Übung im Straßenverkehr und das kommt mit der Zeit“, sagt der 35-Jährige.

Fahrlehrer spricht von „Unsinn“

Der Kreisvorsitzende des Landesverbandes bayerischer Fahrschulen, Manfred Schreiner, sieht das ganz anders. Laut ihm reichen die Grundlagen des Motorradfahrens nicht aus, um einen Unerfahrenen allein auf die Straße zu lassen. „Sicheres Motorradfahren erfordert ein großes Maß an richtiger Fahrtechnik und Handhabung. Außerdem muss man wissen, wie man sich bei besonderen Beschaffenheiten zu verhalten hat – dieses Wissen kann nicht in nur fünf Fahrstunden vermittelt werden“, meint Schreiner, der sich selbst als begeisterten Motorradfahrer bezeichnet. Aus Sicherheitsgründen hält der Fahrlehrer den Gesetzesentwurf für „unsinnig“ und glaubt zudem, dass er keinen großen Anklang in der Bevölkerung finden würde.

„Motorradfahren ist eine Risikosportart“

„Motorradfahren ist prinzipiell eine Risikosportart – egal, ob mit fünf, zehn oder 20 Praxisstunden“ sagt Prof. Dr. Richard Stangl, der Ärztliche Direktor am Krankenhaus Rummelsberg. In den Kliniken des Traumanetzwerkes Mittelfranken gehört die Behandlung von mit dem Motorrad verunglückten Personen zum Alltag. Gerade während der Motorradsaison, also zwischen März und Oktober. Der Arzt warnt: „Bei einer Zunahme des Motorradfahrens ist auch eine Zunahme tödlicher Verkehrsunfälle zu befürchten“.

Die Verkehrs- und Unfallstatistik im Verbreitungsgebiet des Boten führt die Altdorfer Polizeiinspektion. Dort möchte man sich zu dem Thema allerdings nicht äußern. Denn noch stehe in den Sternen, ob das Gesetz tatsächlich verabschiedet wird.

Ella Distel

N-Land Der Bote
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