Das bleibt unter uns

Endlich Grillwetter

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Neulich an der Fleischtheke. Samstag, 11.45 Uhr, endlich Grillwetter. Trotzdem habe ich Glück, nur zwei Personen vor mir. Eine ältere Dame. Sie braucht Suppenfleisch, die Verkäuferin bietet ihr zwei verschiedene Stücke an, die Frau kann sich nicht entscheiden. Sie ruft nach Karlheinz, der den Einkaufswagen etwas abseits hütet, aber offensichtlich durch ein paar junge, leicht bekleidete Mädchen abgelenkt ist. Karlheinz aber soll entscheiden.

Hinter mir reiht sich ein weiterer Herr ein, dann ein junges Pärchen. Karlheinz ist mittlerweile dort, wo er hingehört, an der Seite seiner Gattin. Es wird über den Fettgehalt der unterschiedlichen Suppenfleischstücke diskutiert.

Zwischenzeitlich ist eine Oma mit vollem Einkaufswagen und zwei sehr lebhaften Jungs (ca. 3 und 5) neben mir eingetroffen. Leon hat leider wenig Geduld und gerade die ist heute eben doch nötig. Vorne sind die Würfel gefallen, eine gut abgehangene Beinscheibe hat das Rennen gemacht.

„Darf‘s noch was sein?“ Ein dreiviertel Pfund Aufschnitt wird geordert, selbstverständlich frisch geschnitten. Leon soll in den Wagen, weil er seiner Oma immer davon rennt, doch er interessiert sich augenblicklich mehr für die neue Playmobilfigur seines großen Bruders. Währenddessen arbeitet die Wurstschneidemaschine auf Hochtouren. Erstaunlicherweise sind die fleischlichen Bedürfnisse des älteren Paares schon gedeckt. Wunderbar, nur noch eine Kundin vor mir. „Leon, nicht am Griff vom Wagen lutschen“, ermahnt die Oma den Kleinen, während sie dem großen Jonas die Nase putzt.

Die Dame vor mir verlangt Bratwürste, aha, da wird auch gegrillt. Und sie verlangt Halssteaks. Und fragt nach Pute. „Kann ich Ihnen machen“, versichert die Verkäuferin. „Würzen auch?“, will sie wissen, während sie bedächtig schöne schmale Lappen aus einem größeren Fleischberg säbelt. Ja, natürlich, würzen auch. „Curry oder Paprika?“ – Bedenkzeit – „Paprika.“

Die Schlange hinter mir stellt mittlerweile ein Hindernis für die restlichen Supermarktbesucher dar. Leon will die Playmobilfigur von Jonas auspacken, der mit der Verpackung auf der gesamten Längsseite der Fleischvitrine entlangfährt. Die Verkäuferin runzelt die Stirn. Die Oma schwitzt. Jetzt hat sie‘s, denke ich, aber die Kundin mustert in aller Ruhe die Auslage, erkundigt sich schließlich nach einer Seite Fleisch mit Knochen. „Das sind Lammkotelett“, informierte die Frau hinter der Theke. „Lieber doch nicht“, zögert die Dame und bestellt stattdessen ein durchwachsenes Bündle „aber nicht gar so fett!“ Gemeinsam sucht man nach dem passenden Trumm.

Wieso habe ich jetzt ein Deja vu? Leon darf wieder aus dem Wagen und läuft seiner Oma ohne weitere Umstände davon. Sie muss hinterher, und ist sichtlich bemüht, die Fassung zu bewahren. Als sie mit dem Kleinen zurückkommt, hat die Kundin vor mir wider Erwarten ihr Grillgut beieinander und zahlt. Die Fleischereifachverkäuferin fragt, wer denn dran sei, die Oma oder ich. Tapfer deutet die geplagte Großmutter auf mich. Soviel Ehre im Leib muss belohnt werden. Ich erkläre, dass ich gut noch ein bisschen warten könnte. Die Oma bedankt sich zwischen Wurstbestellen und Kinderrügen bei mir 25 Mal.

Der Herr hinter mir mosert, weil er jetzt noch länger warten muss. Er tritt demonstrativ aus meinem Windschatten heraus und stellt sich breitbeinig zwischen den Einkaufswagen der Großmutter und den meinen. Ich erwarte, dass er sich vordrängt, wenn Oma fertig ist, und lege mir gerade eine bissige Bemerkung für ihn zurecht, als ein Wunder geschieht: Eine zweite Verkäuferin taucht auf und will mich bedienen. Ich frage, ob es außer den großen Bratwürsten auch noch kleinere zum Grillen gibt. „Heute nicht mehr“, lautet die Antwort. Hab ich mir fast gedacht. Ich lass‘ es bleiben und drücke mich an der zirka sechs Meter langen Schlange hinter mir vorbei und stell mich beim Chinesen gegenüber an. Der breitbeinige Herr entnimmt seiner Geldbörse eine Einkaufsliste. Sie ist sehr, sehr lang.

N-Land Gisa Spandler
Gisa Spandler