Projekt „Elterntalk“

Eltern beraten Eltern

Engagieren sich beim Elterntalk-Netzwerk als Moderatorinnen (von links): Christina Gösswein, Hafida Elazouar, Ines Capalbo, zusammen mit der Regionalbeauftragten Angela Ringlein. | Foto: Spandler2019/06/Nuernberger-Land-Elterntalk.jpg

NÜRNBERGER LAND – Seit fast sechs Jahren gibt es im Landkreis das Projekt „Elterntalk“. Väter und Mütter, die sich im Rahmen dieser Gesprächsrunden treffen, folgen im Prinzip der Methode von Selbsthilfegruppen. Alle haben ähnliche Erfahrungen gemacht, hören sich gegenseitig zu, halten sich bei Ratschlägen oder gar Bewertungen aber zurück und schöpfen Kraft und Ideen aus dem Wissen, dass es vielen ähnlich ergeht.

Während es das Angebot im Landkreisosten und -norden unter der Regionalbeauftragten Angelika Pflaum schon länger gibt, wurde es im Süden mit der Installation der Regionalbeauftragten Angela Ringlein erst vor eineinhalb Jahren eingeführt.

Das niederschwellige Angebot wurde vom Sozial- und Gesundheitsministerium ins Leben gerufen, von der Aktion „Jugendschutz Bayern“ entwickelt und soll in fast 50 Regionen bayernweit Familien bei der Erziehung unterstützen. Es wendet sich an Familien mit Kindern vom Säuglingsalter bis zur Pubertät. Wichtige Standortpartner im Nürnberger Land sind das Bündnis für Familie am Landratsamt und die Erziehungs- und Jugendberatungsstelle in Lauf sowie das Diakonische Werk. Häufig geht es um die Themen Medien, Konsum, Computerspiele, Suchtprävention und ganz pauschal darum, wie man Kinder stark machen kann.

Offene Gesprächsrunden

Eine flache Hierarchie vernetzt die offenen Gesprächsgruppen. Wichtig dabei sind die Regionalbeauftragten, die die Koordinierung der Talks übernehmen und sie in die Fläche tragen. Sie halten engen Kontakt zu allen Playern und schulen die Moderatoren, die die Unterhaltungen sachte lenken. Zu den teilnehmenden Eltern gehören auch die Gastgeber, denn die Diskussionen der fünf bis sieben Personen finden meist im privaten Raum statt. Zusammen mit ihnen werden die Themen ausgesucht, zu denen dann die anderen Interessierten – Freunde, Nachbarn, Kollegen – eingeladen werden. In regelmäßigen Abständen finden Gespräche mit den Standortpartnern und den Moderatoren statt.

Angela Ringlein (50) ist in der Unternehmenskommunikation tätig und wurde von Annette Zimmermann vom Bündnis für Familie angeworben. Sie hat selbst Kinder, eine Voraussetzung für alle, die sich in dem großen Elterntalk-Netz engagieren. Zunächst machte sie Schulungen für ihr neues Ehrenamt, erhält regelmäßig Fortbildungen und gibt ihre so erworbenen Kenntnisse selber in Schulungen weiter an die Moderatoren. Etwa einmal im Jahr gibt es mit ihnen ein Treffen, zuletzt ging es dabei um das Thema „Selbst- und Fremdbild“.

Alle Teilnehmer sind Laien

Auf zwei Dinge legt die neue Regionalbeauftragte Wert: Zum einen darauf, dass die Teilnehmer alle Laien in dem Sinn sind, dass sie keine sozialpädagogische oder psychologische Ausbildung haben und daher nicht in Versuchung geraten, Anweisungen zu geben oder wertend einzugreifen. Alles, was im Elterntalk besprochen wird, bleibt auch dort und wird nicht nach außen getragen. Außerdem werden auch Eltern aus anderen Kulturkreisen angesprochen, es gibt bereits eine größere Anzahl von Moderatoren mit Migrationshintergrund.

Christina Gösswein ist Hausfrau und Mutter zweier sieben und elf Jahre alten Töchter und betätigt sich als Moderatorin – vier bis fünf Mal im Vierteljahr. „Wir talken mit Karten“, erklärt sie und bezieht sich dabei auf Material, das von der Aktion Jugendschutz festgelegt wurde. Bestimmte Fotografien, die typische Alltagssituationen zeigen, die zum Thema passen, werden als Impulsgeber genutzt, „und dann wird es meist schnell lebhaft“. Die Karten schildern Szenen zu Kindergeburtstag, Ernährung, Fernsehen und ähnlichen Dauerbrennern. Gössweins Aufgabe als Moderatorin besteht darin, ins Thema einzuführen und dann dafür zu sorgen, dass auch jeder zu Wort kommt, keiner dominiert und sich alle an die Spielregeln halten, damit es keine Frusterlebnisse gibt.

Moderatoren gesucht

So sehen das auch die Moderatorinnen Hafida Elazouar, gebürtige Marokkanerin, die seit sieben Jahren in Feucht lebt, und Ines Capalbo, die vor sieben Jahren nach Leinburg zog. Da der Elterntalk noch ausgebaut werden soll, werden speziell für den südlichen Landkreis noch weitere Moderatoren gesucht. Kontaktfreudig sollte man sein und „Spaß daran haben, sich mit Menschen auszutauschen“, wie Elazouar und Capalbo betonen, und man sollte sich auch für Familien aus anderen Kulturkreisen interessieren.

Beide haben eine Tochter. Hafida Elazouar hat in ihren sprachgemischten Gruppen schon mit gebürtigen Polen, Syrern und Arabern anderer Nationalitäten gesprochen, so dass die Diskussion in Deutsch stattfand, damit ihr auch jeder folgen konnte. Allerdings erklärt sie, dass sie schon auch mal auf Arabisch dolmetscht, wenn es dem Verständnis dient. Capalbo kam durch eine Freundin zum Elterntalk und findet wie die anderen, dass man auch als Moderatorin viel aus den Gesprächen mitnimmt.

Für den südlichen Landkreis werden weitere Moderatorinnen gesucht. Interessierte wenden sich an Annette Zimmermann vom Bündnis für Familie: [email protected]

N-Land Gisa Spandler
Gisa Spandler