Altenfurterin verbringt FSJ in Indien

Ein Jahr Himalaya

Lena im eiskalten und schneereichen Winter in Leh mit Kindern ihrer Schule: Das Thermometer zeigt bisweilen bis zu -35°C. | Foto: Lena Nitsche2019/09/Nl-Lena-Nitsche1-1.jpg

Altenfurt/Leh – Wild gestikulierend steht die Lena Nitsche aus Altenfurt vor ihrer Schulklasse in Leh. Sie unterrichtet als Sportlehrerin die Kleinsten im Alter von drei bis acht Jahren. Vor allem Cricket, ein bisschen Hand- und Fußball sind sehr beliebt bei den Kindern.

Das Problem ist allerdings, dass in der Region die Sprachen Ladakhi und Hindi gesprochen werden, welche die 19-Jährige beide kaum beherrscht. Englisch sprechen dort, wenn überhaupt, nur die Erwachsenen. So musste die junge Wahl-Lehrerin lernen, sich mit Händen und Füßen mit den Kindern zu verständigen.

Unterricht bei minus 35 Grad

Ein Jahr lang lebte und arbeitete Lena Nitsche in Nordindien, im Himalaya-Hochgebirge, im Bundestaat Jammu und Kashmir in der Stadt Leh.

Im Winter herrschen in dieser Region bis zu -35°C, da musste sie sich zunächst erstmal an die Kälte in ihrem Zimmer ohne Heizung gewöhnen. Genauso wie daran, dass es weder fließendes Wasser noch eine Toilette mit Spülung gab.

Politische Unruhen

Eine weitere aufregende Erfahrung war, dass sie während eines Urlaubs evakuiert werden musste, weil es durch die Unabhängigkeitserklärung der Division Ladakh, einem Teil des Bundesstaates Jammu und Kashmir, zu Eskalationen kam.

Nachdem in Ladakh wieder Ruhe eingekehrt war, konnte Lena wieder zu ihrer Stammschule zurückkehren. Auch von dort erlebte sie den Konflikt, da beispielsweise die Berge, die sie in der Ferne sehen konnte, nicht zum Wandern geeignet waren, da es sich um gesperrtes Militärgebiet handelte.

Weihnachten im Urwald

Deshalb ist sie zusammen mit ihrem Mitfreiwilligen in den Weihnachtsferien der Kälte entflohen und in den warmen Süden des Landes geflogen. Bei bis zu 35°C waren die beiden im tropischen Regenwald unterwegs, haben am Meer Silvester gefeiert und einige Städte besucht.

Über ihren Auslandaufenthalt denkt die 19-Jährige im Nachhinein überwiegend positiv. Die Menschen in Indien waren immer freundlich und offen zu ihr, auch wenn sie sie gar nicht kannten. Ein Beispiel: Die Abiturientin wurde sehr oft zum Tee eingeladen.

Not macht erfinderisch

Der schmeckte am Anfang etwas gewöhnungsbedürftig, da es schwarzer Tee mit Milch und sehr viel Zucker war. Auch beim Essenkochen ist sie sehr erfinderisch geworden. Sie lernte, aus den wenigsten Zutaten die verschiedensten Gerichte zu machen, weil oft nicht sehr viel zu Essen vor Ort war. Auch im spontanen „Drauflosreden“ ist sie sehr viel entspannter geworden.

In Indien hat sie sich so immer mehr getraut, auf Hindi zu sprechen, wieder zurück in Deutschland versucht sie das jetzt auch mit Englisch oder Französisch. „Ich bin auch um einiges geduldiger geworden“, stellt sie außerdem fest. Ihrer Erfahrung nach nehme man es in Indien mit der Pünktlichkeit nicht so genau. Es könne schon mal passieren, dass jemand zwei Stunden später kommt, als zuvor vereinbart.

Kulturschock in Deutschland

Wieder zurück in Deutschland tut sie sich anfangs noch schwer damit, wieder pünktlich zu sein. Festgestellt hat Lena auch, dass sie sich definitiv nicht vorstellen kann, als Lehrerin dauerhaft mit Kindern zu arbeiten. Das ist ihr dann doch zu anstrengend. Würde sie das Ganze nochmal so machen? „Ja, auf jeden Fall!“

Das Wichtigste sei für sie gewesen, nach dem Abistress „einfach mal rauszukommen“, was anderes zu machen, als dauernd nur zu lernen. „Da hatte ich nach der Schule gar keine Lust drauf.“

Nächstes Projekt: Studium

Deswegen ihre Empfehlung: Auf jeden Fall nach dem Abschluss der allgemeinen Hochschulreife irgendwo ins Ausland gehen, egal wohin. Mittlerweile weiß die junge Frau aber, dass sie ab Oktober Deutsch-Französische Studien in Regensburg studieren wird. Die Neugierde und das Interesse für Sprachen hat sie sich aus dem Ausland mitgenommen und will dies nun an der Universität vertiefen.

Was bleibt, sind die vielen einzigartigen Erfahrungen, die sie im fernen Asien, auf 3500 Metern Höhe, in der braun-grauen und kahlen Steinwüste des Himalaya machen durfte.

Von Jasinta Then

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