10 Jahre WinWin

Ein erster Runder für das Freiwilligenzentrum im Landkreis

Das Team des WinWin Freiwilligenzentrums (v. links) aus Kerstin Stocker, Frank Durta, Carina Fiebich-Dinkel und Stephanie Heißmann. | Foto: LRA Nürnberger Land2021/09/Team-WinWin-Freiwilligenzentrum-scaled.jpeg
 

HERSBRUCK – Die Anlaufstelle für Engagement und Ehrenamt, das WinWin Freiwilligenzentrum, feiert seinen 10. Geburtstag. Seit dem 15. September 2011 hat es viel im Landkreis bewegt und sich zu einer festen Institution und einem kompetenten Ansprechpartner für Vereine, Initiativen, Sozialverbände und viele andere gemeinnützige Organisationen entwickelt. Auf die Zeit blickt Leiterin Kerstin Stocker zurück.

Was sind die größten Erfolge, die Sie in dieser Zeit erreicht haben?

Der erste Erfolg war gleich die Einführung der Ehrenamtskarte 2012 – noch immer haben über 3700 Menschen im Landkreis eine und das ist super. Dann konnten wir natürlich viele Projektgelder in den Landkreis holen und damit Soziale Fahrradreparaturwerkstätten aufbauen, den Mieterführerschein, Teilhabeprojekte für Geflüchtete und jetzt ganz neu auch die ehrenamtliche Wohnberatung. Auch unser jetzt vorwiegend digitales Fortbildungsangebot für Ehrenamtliche und gemeinnützige Organisationen ist ein großer Erfolg. Für mich persönlich ist es schön, auch überregional gesehen zu werden. So durfte ich beispielsweise auf dem bayerischen Ehrenamtskongress im Juli als Referentin dabei sein.

Ist es nicht eigentlich traurig, dass eine Gesellschaft so eine Einrichtung braucht, um Ehrenamt – etwas Selbstverständliches – zu fördern?

Nein, im Gegenteil, ich denke, es ist sinnvoll, notwendig und letztlich auch gewinnbringend für alle. Auch das Ehrenamt entwickelt sich rasant und eigentlich kann man nur schwer immer am Ball bleiben, wenn es niemanden gibt, der diese Informationen bündelt. Wir dürfen ja nicht vergessen, Ehrenamt und Engagement sind Freizeitbeschäftigungen für Menschen. Das soll Spaß machen und die meisten können und wollen gar nicht so viel Zeit investieren wie sie müssten, um immer alles richtig zu machen. Wir spüren auch die Herausforderungen des demografischen Wandels: Es gibt immer mehr agile und fitte Menschen, die sich nach ihrer Erwerbstätigkeit noch sinnvoll beschäftigen möchten. Für diese wachsende Gruppe Engagementangebote zu finden und zu schaffen, dazu braucht es uns.

Wie hat sich Ehrenamt in den vergangenen zehn Jahren verändert?

Neben dem klassischen Ehrenamt in Funktionsform hat sich drum herum eine bunte Engagementlandschaft entwickelt. Viele Initiativen und tolle Projekte sind entstanden, die den Themen nachgehen, die die Menschen aktuell persönlich beschäftigen – Stichwort Flüchtlingskrise, Klimaschutz, Coronahilfe. Hier engagieren sich die Menschen sehr intensiv und temporär für ein Thema, das ihnen wichtig ist und beenden das Engagement dann oft auch wieder. Und sie wollen Mitgestalten und auf Augenhöhe aktiv sein.

Stimmt. Viele Vereine finden immer weniger Leute, die Führungspositionen übernehmen wollen.

Früher gab es oft altruistische Motive, die die Menschen bewegten. Vorgegebene Aufgaben wurden gerne erledigt. Das hat sich geändert – hierarchische Strukturen und festgefahrene Aufgaben sind kaum noch gefragt. Dazu kommt natürlich die Digitalisierung. Und dann ist da noch viel Bürokratie, die gemeinnützigen Organisationen zugemutet wird, man denke alleine an die Einführung der neuen Datenschutzgrundverordnung 2018. Das erzeugt – mit Recht – viel Frustration unter Engagierten. Daher versuchen wir auch hier, einfache und schnelle Hilfestellungen zu geben. Denn eigentlich treten Menschen am, um in ihrem Engagement etwas zu bewegen, nicht um sich mit Verwaltungsarbeiten herumzuschlagen.

Welche Pläne gibt es für die Zukunft?

Was ich mir wünsche ist eine gute und verlässliche hauptamtliche Infrastruktur, die das Engagement und Ehrenamt weiterhin unterstützt. Bürokratieabbau wünsche ich mir auch, aber ob das gelingt, da habe ich inzwischen meine Zweifel. Was wir im WinWin Freiwilligenzentrum im nächsten Jahr angehen sind die Themen Nachwuchsfindung für Vereinsvorstände, Digitalisierung, und die Förderung des Engagements für unterrepräsentierte Gruppen wie Menschen mit Behinderungen und Menschen mit Migrationshintergrund. Wir haben zu diesen Themen Fördergelder in den Landkreis geholt, sprich auch Personalstunden vom bayerischen Sozial- und Innenministerium erhalten.

Zum 20. Geburtstag …?

… wünschen wir uns im Team, dass wir 5000 Ehrenamtskarten im Landkreis verteilen dürfen, da noch viel mehr Menschen Lust haben, sich in unserer Gesellschaft sinnvoll einzubringen. Vielleicht müssen die Menschen zukünftig auch weniger Zeit in ihre Erwerbstätigkeit investieren und haben so wieder mehr Zeit für ein gemeinnütziges Engagement.

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