Corona-Lockerungen

Die Gläubigen dürfen wieder Gottesdienst feiern

Die Pfarrer des Dekanats Hersbruck testeten bei der Konferenz in der Hersbrucker Stadtkirche schon einmal, wie die Gottesdienstbesucher künftig sitzen müssen – mit Abstand und Community-Maske. | Foto: A. Pitsch2020/04/Pfarrer.jpg

HERSBRUCKER SCHWEIZ – Sie testen schon einmal, wie es aussehen könnte, wenn ab 4. Mai unter Auflagen wieder Gottesdienste möglich sind: Mit Schutzmasken gingen die Geistlichen des Dekanats bei der Pfarrkonferenz auf Abstand in der Stadtkirche, um um eine gemeinsame Linie zur Durchführung der Gottesdienste zu ringen.

Denn so einfach, wie sich die Vorgaben der bayerischen Staatsregierung anhören – Hygiene-Konzepte, Mund-Nasen-Bedeckung, Mindestabstände von zwei Metern zwischen den Besuchern und eine maximale Gottesdienstlänge von einer Stunde –, ist es nicht. Das wurde den Pfarrern bei ihrer regen Diskussion schnell klar. Wie lässt sich der Plausch auf dem Kirchengelände verhindern? Wer treibt die Menschen auseinander, wenn sie zu nahe zusammenstehen bei einer Beerdigung? Woher bekommt man eine Checkliste für alle notwendigen Maßnahmen? Kommen die Leute überhaupt und sollte man daher zugleich weiterhin den Gottesdienst streamen?

Doch als die größte Frage machte Dekan Tobias Schäfer diese aus: „Wie gehen wir damit um, wenn die Maximalzahl an Gottesdienstbesuchern erreicht ist? Wer weist dann Gemeindeglieder an der Tür ab?“ Beim Test-Sitzen während der Pfarrkonferenz kristallisierte sich heraus, dass in die Stadtkirche ins Erdgeschoss nur 40 Personen passen, in Altensittenbach seien es gar nur 23. Wäre dann ein Gottesdienst im Freien denkbar? Oder sogar eine Art Schichtbetrieb? Alles Dinge, die die einzelnen Kirchengemeinden nun nach und nach selbst herausfinden und entscheiden müssen.

Kirchenvorstand entscheidet

Denn: „Allein die Kirchenvorstände können Beschlüsse über die Konzeptionen und Durchführungen der Gottesdienste fassen“, erklärte Schäfer. Daher gelte es nun für die Kirchengemeinden, alle Parameter wie beispielsweise Besucherschnitt, Platzangebot, Wege, Mitarbeiterzahl und Möglichkeiten zu prüfen, um „ein gewissenhaftes sowie hieb- und stichfestes Konzept zum Schutz der Besucher zu entwickeln“. Denn Letzterer habe oberste Priorität.

Doch nicht nur deswegen seien schriftliche Konzeptionen nötig: „Um der Abstimmung und Vergleichbarkeit innerhalb des Dekanatsbezirks und der Regionen willen, um des Austausches von Erfahrung willen, aber auch, weil es vorkommen kann, dass die zuständige Kreisverwaltungsbehörde das Konzept einsehen will“, ergänzt Regionalbischof Stefan Ark Nitsche. Es könne also sein, dass die Pläne dem Gesundheitsamt vorgelegt werden müssten, auf alle Fälle aber dem Dekan, bevor der erste Gottesdienst in einer Gemeinde gefeiert werden kann, so Schäfer.

Da eben jede Kirchengemeinde individuell ist, werde es unterschiedlich lange dauern, bis diese Ausfertigungen fertig seien, meinte Schäfer, – auch wenn die Hoffnung vieler Pfarrer ein gemeinsames Vorgehen oder zumindest ein einheitlicher Starttermin für den ersten Gottesdienst gewesen wäre. Der Gedanke von gemeinsamen Feiern in einzelnen Kirchen sei damit auch vom Tisch, so Schäfer.

Letztlich wurde in der Diskussion allen Seelsorgern die Vielfalt des Dekanats bewusst, der nun auch Rechnung getragen werden müsse und die sich bereits seit Wochen in den unterschiedlichen Angeboten der Pfarreien zeige, führte der Dekan aus: „Streaminggottesdienste oder andere Web-Angebote, Mailing-Aktionen mit echten Briefen oder viele persönliche Telefonate mit Gemeindegliedern. Jeder Pfarrer legt andere Schwerpunkte. Trotz Corona ist ja schon ganz viel los im Dekanat und das ist toll!“

Sechs Monate Wartezeit

Zu Schäfers Leidwesen gehe durch Corona die „Begegnungsphase der Regionen zur Landesstellenplanung“ unter. Letztere sei derzeit um ein halbes Jahr nach hinten verschoben worden, weil die Landessynode nicht tagen konnte, teilte er den Kollegen mit.

Verschoben sind auch die meisten größeren Feiern, doch auf wann, ist unklar. „Bei Terminierungen vor dem Sommer sind wir sehr vorsichtig“, bringt Schäfer ein Ergebnis der Konferenz auf den Punkt. Einige Gemeinden würden die Jubelkonfirmationen im kommenden Jahr nachholen und dann doppelt feiern – „wenn die Anzahl der Personen dann nicht den Rahmen sprengt …“

Wie es mit den Konfirmationen und den künftigen Konfi-Gruppen weitergeht, stehe auch noch in den Sternen. „Bei vielen Kirchengemeinden ist die Tendenz, bis nach den Sommerferien zu warten, weil ja viele Konfis derzeit auch gar nicht in die Schule gehen“, fasste Dekan Tobias Schäfer zusammen. Außerdem müsste der Konfiunterricht nach den Hygieneregeln für Schulen ablaufen – und darauf müssten sich die Pfarrer und Ehrenamtlichen erst konzeptionell einstellen.

„Und mit den Konfis starten, obwohl der aktuelle Jahrgang noch nicht mal konfirmiert ist – komischer Gedanke“, findet Dekan Tobias Schäfer. Aber auch das werden die Pfarrer mit ihren Kirchenvorständen selbst entscheiden müssen.

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