Sozialministerium ehrt Peter Held für Engagement

Der erste Schülercoach

Peter Held und seine ehrenamtlichen Helfer vom Projekt „Der Schülercoach“ reichen den Schülern die Hand, um gemeinsam in eine bessere Zukunft zu gehen. Jetzt ehrt ihn das Bayerische Sozialministerium für sein Engagement. | Foto: S. Camin2016/10/Held.jpeg

NÜRNBERGER LAND – Keinen Bock auf Schule, schlechte Noten, keine Ausbildungsstelle, ungesicherte Existenz – genau dieses Szenario will das Projekt „Der Schülercoach“ verhindern: Statt sich erst dann jungen Menschen zu widmen, wenn ihre Probleme übermächtig geworden sind, setzt das Projekt schon vorher auf die Persönlichkeit und unterstützt Schüler auf dem Weg zum Erwachsenwerden. Aber nicht mit Nachhilfe oder moralisch erhobenem Zeigefinger, sondern mit alltäglichen Aktivitäten ebenso wie mit lösungsorientierten Gesprächen. Am Freitag würdigt das Bayerische Sozialministerium Peter Held, den Initiator von „Der Schülercoach“, in Ansbach.

„Das Ziel ist eine Ausbildung oder eine weiterführende Schule nach der regulären Schulzeit“, erklärt Peter Held das Modell. „Aber der nahtlose Übergang klappt nur, wenn der Schüler gute Noten hat. Dafür ist Voraussetzung, dass er gerne zur Schule geht. Und genau da setzen wir an: auf der Persönlichkeitsebene. Nur wenn die Kinder Selbstvertrauen haben und mit beiden Beinen auf dem Boden stehen, wollen sie etwas aus sich machen und tun etwas dafür.“

500 Gespräche hatte der 72-jährige Held mit Jugendlichen geführt und sie gefragt, was sie brauchen, bevor er sein Konzept erstellt hat. Die drei häufigsten Antworten: so genommen werden, wie man ist, mit jemandem über die Sorgen reden und als Erwachsener ein tolles Leben führen.

Und so wurde die Idee der Schülercoaches geboren: Ein Schülercoach und ein Schüler – sogenannte Tandems – verbringen einmal wöchentlich Zeit zusammen. Ob sie aktiv sind und einkaufen, kochen, malen oder der Coach für seinen Schützling „einfach da ist“: Die Persönlichkeit des jungen Menschen soll so entwickelt, sein Selbstvertrauen gestärkt werden. Wichtig beim „Matching“ des Tandems ist, dass der Schüler freiwillig, also ohne Einfluss seiner Eltern oder der Schule, an dem Projekt teilnimmt. Coach und Schüler treffen sich als erstes zu einem Schnuppergespräch und der Schüler entscheidet dann, ob er sich ein vertrauensvolles Miteinander mit dem Coach bis zum Ende seiner Schulzeit vorstellen kann.

Im Jahr 2004 in Cadolzburg initiiert, gibt es inzwischen 18 Schülercoach-Teams insgesamt, davon fünf im Landkreis Nürnberger Land, wobei jedes Team aus zehn bis 15 Ehrenamtlichen besteht und jeweils eine Schule betreut. Doch der Bedarf ist größer: 15 000 Coaches werden in Bayern benötigt, hat Held hochgerechnet. Da drängt sich die Frage auf: Warum sind es nicht mehr? „Hier im Umkreis lehnen uns die Sozialarbeiter an Schulen ab, weil sie Ehrenamtliche für inkompetent halten“, so Held. Außerdem ist er mit 60 Stunden pro Woche, die er sich für sein Projekt und die gleichnamige Stiftung ehrenamtlich einbringt, an seiner Kapazitätsgrenze angelangt. Finanzielle Unterstützung erhält das Projekt keine – wer sich „emotional“ als Schülercoach oder monetär einbringen möchte, kann dies gerne tun: Spendenkonto Sparkasse Fürth, IBAN: DE96 7625 0000 0040 0206 12, BIC: BYLADEM1SFU. www.der-schuelercoach.de

Und welche Bedeutung hat die Ehrung des Bayerischen Sozialministeriums für Held? „Jede Anerkennung und Wertschätzung ist gut“, lächelt er dankbar.

N-Land Stefanie Camin
Stefanie Camin