Nasses Frühjahr

Borkenkäferzeit beginnt verspätet

Hat der Borkenkäfer einen Baum befallen, heißt es schnell handeln und ihn aus dem Wald schaffen. | Foto: kaliantye - stock.adobe.com2021/06/AdobeStock-219760240.jpeg

NÜRNBERGER LAND – Es reicht schon ein Blick aus dem Fenster: Wiesen und Wälder erstrahlen in sattem Grün, die Natur blüht regelrecht auf nach dem regenreichen und recht kühlen Frühjahr. Aber konnte dieses auch dem Borkenkäfer, der besonders vergangenes Jahr wütete und vor allem in langen Trockenperioden den Fichten zur Gefahr wird, ein Stück weit den Garaus machen?

Steffen Taeger, Abteilungsleiter Forsten am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Roth, Außenstelle Hersbruck (AELF), ist nur vorsichtig optimistisch. „Grundsätzlich ist der Regen für die Bäume ein Segen. Je mehr Wasser es gibt, umso mehr Harz können sie produzieren und umso besser funktioniert der Abwehrmechanismus gegen den Käfer“, erklärt er. Durch die hohen Niederschläge und die kühlen Temperaturen hätte man sich aber nur „etwas Zeit erkauft“ – denn Taeger glaubt nicht, dass die Population des Schädlings dadurch zurückging.

Bei Regen und Temperaturen unter 16 Grad fliegt der Käfer in der Regel nicht und befällt daher keine neuen Bäume. Aber er wartet – geschützt unterhalb der Rinde – auf Zeiten wie jetzt, wo es warm und trocken wird. „Jetzt starten sie konzentriert ihren Schwärmflug“, warnt der Forstdirektor deshalb.

Regelmäßige Kontrolle

Ein Monitoring, das den Forstwirten über aufgestellte Fallen den Bestand an Käfern im Landkreis zeigt, bestätigt diese Vermutung: Waren bei der ersten Leerung vor rund vier Wochen noch keine Tiere in der Falle, war die Anzahl der gefangenen Käfer in den letzten Tagen „enorm“, erklärt Taeger. Seine Revierleiter hätten ihm auch schon die ersten Fälle von „Stehendbefall“ gemeldet, also Borkenkäfer, die bislang gesunde Fichten befallen. Taeger appelliert deshalb an die Waldbesitzer, ihre Fichtenwälder regelmäßig – möglichst wöchentlich – zu kontrollieren und bei einem Befall schnell zu handeln: den Baum fällen, entrinden oder mindestens 500 Meter aus dem Wald transportieren.

Braunes Bohrmehl am Stammfuß der Bäume, auch wenn diese noch grün sind, sei ein untrügliches Zeichen. Einzelne gewittrige Schauer können das Bohrmehl zwar abwaschen, es rieselt in diesen Tagen aber immer wieder nach, so Taeger.

Vor allem geschlagenes Holz sollte schnell aus dem Wald geschafft werden, weil sich der Schädling besonders darin gerne einnistet. Wer jedoch keine andere Lagermöglichkeit hat, stößt schnell an seine Grenzen. „Wer mit der Forstbetriebsgemeinschaft zusammenarbeitet, kann das Holz auf bestimmte Lagerplätze fahren lassen“, rät Taeger. Ansonsten ist Hacken eine gute Möglichkeit, denn in den sich schnell erwärmenden Holzhaufen würden die Käfer absterben. Die „Ultima Ratio“ wäre schließlich das Behandeln mit Insektiziden – das werde jedoch nur empfohlen, wenn es sonst keine Alternative gibt.

Norden als Hotspot

Wird rechtzeitig reagiert, könne „effektiv etwas erreicht werden“, so Taeger. Momentan gebe es im Nürnberger Land noch keine großen Schäden, aber vor allem im nördlichen Landkreis war die Käferpopulation in den vergangenen Jahren hoch – und dorthin, wo der Buchdrucker einmal war, kehrt er gerne wieder zurück. Im Landkreissüden sei die Situation zwar noch entspannter. Aber auch hier ist es laut Taeger nur eine Frage der Zeit, bis sich der Schädling ausbreitet.

Den regional unterschiedlichen Befall erklärt der Experte unter anderem mit den schweren Stürmen vor ein paar Jahren: Während beispielsweise im Rother Raum ganze Waldflächen zum erliegen kamen, fielen besonders im nördlichen Nürnberger Land nur einzelne Bäume. Diese sind für Waldbesitzer allerdings schwerer zu finden und bleiben oft länger liegen. „Der Käfer liebt eine frisch gebrochene Fichte“, sagt Taeger. So habe sich der hohe Befall nach und nach aufgebaut.

Holzpreis ist gestiegen

Deshalb heißt es jetzt schnell eingreifen, um eine erneute Ausbreitung zu verhindern. Ein weiterer Vorteil im Vergleich zum vergangenen Jahr: Der Holzpreis, auch für Käferholz, habe angezogen und sei „nicht mehr so desaströs“ wie noch 2020. Zwar sei das Geschäft mit den Festmetern immer noch kein lohnendes, doch Waldbesitzer müssten zumindest nicht mehr draufzahlen.

Allgemein sei die Waldgesundheit im Nürnberger Land baumartenabhängig. „Die Fichte hat es schwer, bei den Laubbäumen gibt es eine deutliche Entspannung, ausgenommen die Esche“, resümiert Taeger. Die hat nämlich schon länger mit dem Eschentriebsterben zu kämpfen, „ein Dauerproblem“, sagt der Experte.

Kein Mittel gegen den Pilz

Der Pilz breite sich seit einigen Jahren flächendeckend aus und ist kaum einzudämmen. Für befallene Bäume bleibe nur das Fällen, weil sie schnell bruchgefährdet seien. „Es wird wohl die allermeisten Eschen erwischen“, prognostiziert Taeger. Denn ein „Gegenmittel“ gebe es nicht. „Wir empfehlen, gesunde Eschen nicht einzuschlagen. Wir hoffen, dass irgendwann eine Resistenz auftritt.“ Bisher seien die Beobachtungen dazu zwar ernüchternd, aber das Vorgehen sei trotzdem sinnvoll.

Klar ist, dass alle Bäume von den ergiebigen Niederschlägen profitieren – die vergangenen trockenen Jahre wirkten jedoch noch nach. Manche Bäume hätten damals schon den „Todesstoß“ bekommen, lebten aber noch einige Zeit weiter und würden jetzt erst absterben. Am besten – auch im Kampf gegen den Borkenkäfer – wäre jetzt das, was sich eigentlich kaum jemand wünscht: „Ein verregneter, kühler Sommer“, sagt Taeger.

Infos zum Borkenkäfer und einen aktuellen Überblick über die regionale Gefährdungslage gibt es unter www.borkenkaefer.org

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