Corona-Lockerungen

Besuch ist in den Seniorenheimen wieder willkommen

Besuch auf Abstand – auch in Seniorenheimen seit vergangenem Wochenende wieder erlaubt. | Foto: Satjawat - stock.adobe.com2020/05/AdobeStock-337267872.jpeg

HERSBRUCKER SCHWEIZ – Endlich die Tochter, den Sohn, den Ehemann, die Ehefrau oder die Enkel wieder sehen – darauf haben sich viele Senioren in Altenheimen gefreut. Vergangenes Wochenende war es soweit, entsprechend groß war der Besucherandrang auch in den Einrichtungen in der Hersbrucker Schweiz.

„Sehr emotionale Erlebnisse“ habe es im Awo-Heim in Pommelsbrunn gegeben, sagt Leiter Dominik Egger. „Das tut einfach der Psyche gut.“ In der Einrichtung treffen sich die Senioren im Außenbereich mit ihren Angehörigen – als zusätzliche Schutzmaßnahme mit Glaswand dazwischen. Das ist zwar im Freien nicht zwingend notwendig, aber „sicher ist sicher“, sagt Egger.

Die Besuche werden vorher telefonisch vereinbart und je nach personeller Auslastung terminiert. Denn ein Mitarbeiter müsse immer dabei sein, um dem Senior zu helfen oder zu kontrollieren, ob die Hygienevorgaben eingehalten werden. „Trotzdem bekommen wir kein zusätzliches Personal gestellt“, erklärt Egger den Nachteil der Regelung. Die Öffnung selbst sei ohnehin etwas kurzfristig gekommen: Auf die Schnelle musste der Dienstplan angepasst und Mitarbeiter fürs Wochenende gefunden werden.

Am Wochenende seien alle Besuchstermine ausgebucht gewesen. Aber die Leute hätten verständnisvoll reagiert, wenn sie keinen Platz mehr fanden. „Wir prüfen aktuell auch, ob wir im Haus Begegnungsmöglichkeiten schaffen können“, so Egger.

Im Halb-Stunden-Takt

Es war sehr stressig, wir waren nur am Rennen“, erzählt Ute Kirschner-Voß, Pflegedienstleiterin im Alten- und Pflegeheim Mielewski in Vorra. Nach vorheriger Terminvereinbarung konnten die Bewohner im Halb-Stunden-Takt Besuch von Angehörigen empfangen. Wegen der unsicheren Wetterprognosen hatte sich die Einrichtung entschieden, die Begegnungen in dem großen Gruppenraum und einem weiteren Zimmer zu ermöglichen. In jedem Raum konnte sich dann jeweils ein Senior endlich wieder persönlich mit seinen Angehörigen unterhalten.

„Alle waren sehr vernünftig und verständnisvoll, was die Hygienevorschriften angeht“, sagt Kirschner-Voß. Und die Freude, sich wieder sehen zu dürfen, sei natürlich auf beiden Seiten sehr groß gewesen – auch, wenn es für manche nicht einfach sei, ihr Gegenüber durch den Mundschutz hindurch zu verstehen. Denn schwerhörige Senioren lesen oft von den Lippen ab, erklärt sie. Nur umarmen, das geht weiterhin nicht. „Viele wollten sich gerne anfassen“, sagt Kirschner-Voß. Auch unter der Woche ist das Vorraer Alten- und Pflegeheim täglich von 13 bis 16 Uhr wieder für Besuch geöffnet. Gäste sollten sich vorher telefonisch anmelden.

Schwere Zeit bei Demenz

Im Sigmund-Faber-Heim in Hersbruck war die Freude genauso groß. Hier vertraute man dem Wetter und nutzte den großen Garten, der in zwei Hälften unterteilt wurde, so Einrichtungsleiter Dr. Stephan M. Abt. „Innen sind die Hygienevorschriften aufwendiger umzusetzen als im Freien“, weiß Abt. In dem Hersbrucker Haus fänden Besuche auch weiterhin im Garten statt, nur zur Sterbebegleitung dürfen Gäste in die Zimmer.

Die Termine am Wochenende seien alle vergeben gewesen, manche Angehörige hätten sich aber bewusst für einen Tag unter der Woche entschieden, in dem Wissen, dass gerade am Muttertag viel los sein wird. Neben einer Voranmeldung müssen auch die Personalien der Besucher aufgenommen werden – „wegen einer potenziellen Rückverfolgung“, sagt Abt. Vor allem für Demenzkranke, die nicht verstanden, wieso sie keiner mehr besuchte, und Senioren, deren Ehepartner täglich vorbei kamen, seien die vergangenen Wochen eine schwere Zeit gewesen. Nun dürfen sie sich nach telefonischer Vereinbarung von 10 bis 11 und von 14 bis 17.30 Uhr wieder sehen.

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