Auf Igel Acht geben

Bei der Gartenarbeit an stachelige Gäste denken

Während die Menschen bereits fleißig im Garten werkeln, kommen viele Igel gerade erst aus dem Winterschlaf. Deshalb sollten Grundstücksbesitzer verstärkt auf die stacheligen Mitbewohner Rücksicht nehmen. | Foto: D. Decombe2020/04/babyigel-beerbach-Daniel-Decombe-6--scaled.jpg

NÜRNBERGER LAND – Frühlingszeit ist Gartenzeit: Daher machen viele ihr grünes Paradies derzeit fit. Doch noch nicht alle Winterschläfer sind schon wieder unterwegs.

„Viele Igel sind noch im Winterschlaf; andere haben sich noch einmal in ihre Verstecke zurückgezogen. Bei Gartenarbeiten sollte deshalb Rücksicht auf mögliche schlafende Gäste genommen werden“, sagt Annika Lange vom Landesbund für Vogelschutz.

Igel halten ihren Winterschlaf gerne in Totholzhaufen und natürlichen Höhlen. Beim Umschichten alter Gartenabfälle oder Zusammenrechen von Laub- und Asthaufen sollte mit Vorsicht vorgegangen werden. „Bei Mäharbeiten sollte auf Igel geachtet werden, denn je wärmer es wird, desto häufiger nutzen sie Wiesen als Tagesschlafplätze.“ Abends und nachts sind sie auch manchmal auf kurz gemähtem Rasen anzutreffen. Da sie bei Gefahr nicht weglaufen, können Mähroboter, die nach Einbruch der Dämmerung arbeiten, Igel deshalb tödlich verletzen.

Unterschlüpfe anbieten

Reisighaufen sind im Frühjahr beliebte Schlafplätze von Igeln. „Wer in seinem Garten gut isolierte Höhlen hat, sollte diese am besten so belassen. Denn sie bieten das ganze Jahr über nicht nur dem Igel, sondern auch Insekten und anderen Tieren Nahrung und Lebensraum.“ Neue Verstecke können bei der Neuanlage eines Komposthaufens, einer Trockenmauer oder eines Holzstoßes geschaffen werden. Auch kann man ein Quartier aus Ästen anlegen oder ein Igelhaus aufstellen.

Chemische Dünger, Insektizide oder Pestizide sollten ebenso wie Schneckenkorn nicht im igelfreundlichen Garten verwendet werden. Denn nicht nur der Igel, auch die Artenvielfalt im Garten sowie zahlreiche andere Nützlinge leiden darunter. „Eine Behandlung mit Giften ist immer ein großer Eingriff ins empfindliche Ökosystem, das sich in einem naturnahen Garten größtenteils selbst reguliert.“

Schutz vor Schädlingen, wie Mäusen und Schnecken, aber auch Pilzerkrankungen biete zum Beispiel Knoblauch, wenn er mit anderen Pflanzen in der Mischkultur angebaut wird. Anstelle von chemischen Düngern können Kompost, Brennnesseljauche und Mist verwendet werden.

Igelfreundliche Pflanzen

Ein igelfreundlicher Garten besitzt verschiedene Strukturen wie eine Blumenwiese, Hecken und Stauden. Wichtig ist, dass die Pflanzen möglichst heimische Arten sind und ungefüllte Blüten bilden. Das lockt viele Insekten an, die wiederum Nahrung für den Igel sind. „Ideal ist auch eine kleine wilde Ecke im Garten, wo die Natur wachsen darf und zum Beispiel ein Dickicht bilden kann. Dort findet der Igel Nahrung, Versteckmöglichkeiten und Nistmaterial“, sagt Lange. Wer Laub und anderes Mulchmaterial liegen lässt, schützt nicht nur den Boden und seine Bewohner, sondern spart auch Wasser, da weniger verdunsten kann.

Müllsäcke mit Essensresten können wie ein Magnet auf Igel und andere Kleintiere wirken. Sie können in die Säcke klettern, um an leeren Katzenfutterschalen zu naschen. Neben der Verletzungsgefahr durch möglichen scharfkantigen Müll besteht die Gefahr, dass die Tiere stecken bleiben oder den Ausgang nicht mehr finden und mit entsorgt werden. Dazu der Tipp von der Igel-Expertin: „Am besten wird der Müll erst vor die Tür gestellt, kurz bevor die Müllabfuhr eintrifft. Ist das nicht möglich, sollte der Müllsack 50 Zentimeter über dem Boden aufgehängt werden.“

Weitere Gefahren lauern in nicht abgedeckten Schächten, Brunnen und Regentonnen, in Pools und Teichen ohne Ausstiegsmöglichkeit und in Kellertreppen, deren Stufen für viele Kleinsäuger zu hoch sind. Hier helfen schon ein paar Steine und Bretter als Aufstiegshilfe.

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