Regionale Unternehmen zur Test-Angebotspflicht

Alles kann, Nichts muss

Rund 15 Minuten dauert es, bis ein Corona-Selbsttest das Ergebnis anzeigt. Jeder Angestellte, der nicht im Homeoffice arbeitet, kann künftig einen solchen Test pro Woche durchführen. Die Kosten tragen die jeweiligen Unternehmen. | Foto: nito/stock.adobe.com.2021/04/NL-Corona-Selbsttest-Adobe-stock-scaled.jpg

NÜRNBERGER LAND – Um das Infektionsrisiko am Arbeitsplatz einzudämmen, wird es eine Testangebots-Pflicht für Unternehmen geben. Ob die Angestellten das Angebot auch nutzen, müssen die Firmen jedoch nicht dokumentieren. Auf finanziellen Ausgleich können sie dabei nicht zählen.

Seit gestern ist klar: Die Unternehmen in Deutschland müssen ihren Beschäftigten verpflichtend Corona-Tests anbieten, wenn diese nicht im Homeoffice arbeiten – einen entsprechenden Beschluss hat das Bundeskabinett gefasst. Einmal pro Woche sollen Firmen den Mitarbeitern ein Testangebot machen, in Ausnahmefällen sollen es zwei Tests pro Woche sein. Dabei handelt es sich lediglich um eine Angebotspflicht für Unternehmen, nicht um eine Testpflicht für Arbeitnehmer. Auch eine Dokumentationspflicht soll es für die Unternehmen nicht geben.

Zuvor hatten mehrere Aerosol-Forscher in einem offenen Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel die Schließung von Parks und Ausflugszielen sowie Ausgangssperren angeprangert. Auch hätten symbolische Maßnahmen wie eine Maskenpflicht im Freien keinen nennenswerten Einfluss auf das Infektionsgeschehen. Im Gegenteil:
Drinnen lauere die Gefahr“, sind sich die Forscher sicher. „Leider werden bis heute wesentliche Erkenntnisse unserer Forschungsarbeit nicht in praktisches Handeln übersetzt“, beklagt Christof Asbach, Präsident der Gesellschaft für Aerosolforschung. Weiter heißt es in dem Brief: „Wenn wir die Pandemie in den Griff bekommen wollen, müssen wir die Menschen sensibilisieren, dass drinnen die Gefahr lauert. In den Wohnungen, in den Büros, in den Klassenräumen, in Wohnanlagen und in Betreuungseinrichtungen müssen Maßnahmen ergriffen werden.

In einem Interview im Deutschlandfunk verteidigte Bundesfinanzminister und SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz die nun beschlossene Testangebotspflicht. Eine Notwendigkeit, Unternehmen aufgrund der regelmäßigen Coronatests finanziell zu entlasten, beispielsweise durch Steuererleichterungen, sieht er jedoch nicht. „Das ist jetzt eine nationale Kraftanstrengung. Da müssen alle mitmachen. Wir reden hier über die Unternehmen, die nicht geschlossen sind, sondern ihren Betrieb fortsetzen. Wir reden über die Beschäftigten, die nicht im Homeoffice sind – etwas, was auch viele Unternehmen umsetzen und was natürlich, wenn es geht, noch mehr Unternehmen für ihre Beschäftigten realisierbar machen“, sagte Scholz.

Doch der finanzielle sowie logistische Aufwand für die Unternehmen ist groß, wie ein Blick auf drei Firmen in der Region verdeutlicht:

Raiffeisenbank Altdorf-Feucht e.G., 95 Mitarbeiter

Wir haben an Ostermontag mit den Tests der Angestellten begonnen. Wir bestellen die Tests, schicken sie den Angestellten zu und sie führen diese zuhause selbst durch. Sollte ein Test positiv ausfallen, sind die Angestellten angehalten, sich umgehend in Isolation zu begeben und einen PCR-Test durchführen zu lassen. Ist der Test negativ, können die Angestellten ohne Rückmeldung in die Arbeit kommen“, erklärt Claudia Scheibl von der Raiba Altdorf-Feucht. Bei den Tests handelt es sich um Nasenabstriche mit Röhrchen, binnen 15 Minuten wird das Ergebnis angezeigt. „Wir haben jetzt 700 Tests bestellt, ein Test kostet uns sechs Euro“, fügt sie an. 4200 Euro kostet die Bank folglich allein die jüngste Bestellung, die hochgerechnet auf 95 Angestellte rund sieben Wochen reicht – vorausgesetzt, es bleibt bei einem Test pro Person pro Woche.

Dass das Unternehmen Tests zur Verfügung stellt, kommt bei den Angestellten gut an, „große Überzeugungsarbeit mussten wir nicht leisten“, sagt Scheibl, die ergänzt: „Wir merken, dass viele unserer Mitarbeiter selbst dahinter sind und das Angebot zur eigenen Sicherheit gerne annehmen. Auch wenn es keine Testpflicht gibt, so haben wir die Angestellten aufgefordert, sich an der Pandemiebekämpfung zu beteiligen und ihren Teil dazu beizutragen.

Excella in Feucht, 650 Mitarbeiter

Wir haben jetzt 5000 Selbsttests bei der Zeidler Apotheke in Feucht bestellt, die wir vor dem Wochenende an die Angestellten verteilen wollen“, sagt Ralph Neugebauer, Personalleiter bei Excella in Feucht. Bleibt es bei einem Test pro Angestellten pro Woche, hält die Bestellung, die das Unternehmen rund 30 000 Euro kostet, rund sieben Wochen. „Das summiert sich natürlich“, stellt er klar. Neugebauer ärgert sich darüber, „dass der schwarze Peter von der Politik nun an die Unternehmen weitergeschoben wird, die die Tests nicht nur selbst bezahlen, sondern damit auch einen hohen logistischen Aufwand haben.

Das Prozedere beim Pharma-Unternehmen ist ähnlich ausgelegt wie das der Raiba: Fällt ein Test positiv aus, müssen sich die betroffenen Angestellten in Quarantäne begeben und einen PCR-Test durchführen lassen.

E-T-A, rund 700 Mitarbeiter in Altdorf und Hohenfels:

Corona-Schnelltests werden bei uns durch die Betriebssanitäter schon längere Zeit und auch umfangreich durchgeführt“, sagt Thomas Weimann, Leiter der E-T-A-Unternehmenskommunikation. Etwas komplizierter gestaltet sich die Situation mit den Selbsttests für Angestellte. „Wir haben in der vergangenen Woche den ersten Teil unserer Bestellung erhalten, vorher waren kaum Selbsttests verfügbar. Aktuell haben wir rund 3000 dieser Tests im Haus, bestellt haben wir aber deutlich mehr“, sagt Weimann. Bei der Elektronischen Apparate GmbH aus Altdorf erhält jeder Angestellte zwei Selbsttests pro Woche, die vor Arbeitsantritt zuhause durchgeführt werden.

Pro Woche kommen somit an den beiden deutschen Standorten in Altdorf und Hohenfels rund 1400 Selbsttests zusammen. „Eine finanzielle Unterstützung vonseiten der Politik würde freilich gut tun“, fügt er an. Wie bereits bei den durchgeführten Schnelltests erwartet Weimann auch bei den Selbsttests eine positive Resonanz der Angestellten. „Die Sicherheit unserer Mitarbeiter steht an oberster Stelle. Die Fürsorge, mit der wir als Unternehmen durch die Pandemie führen, wird von Beginn an positiv von unseren Angestellten aufgenommen“, ist er überzeugt.

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