Keine Impfpriorisierung mehr in Praxen

Ärzte haben jetzt mehr Spielraum

Symbolfoto | Foto: Diaz/Getty Images2021/02/corona-impfen-impfung-GettyImages-1273214576-Antonio_Diaz.jpg

Nürnberger Land – Ab Montag können Bayerns Hausärzte alle Impfstoffe unabhängig von der Priorisierung spritzen – bisher galt das nur für das Präparat von Astrazeneca. Die Entscheidung aus München, die am Mittwoch bekannt gegeben wurde, halten die meisten Hausärzte für richtig, sagte Dr. Martin Seitz, der Versorgungsarzt des Landkreises, im Gespräch mit der Pegnitz-Zeitung.


„Ich war an der Entscheidung mitbeteiligt“, so der Heuchlinger Arzt, der für die Freien Wähler im Kreistag sitzt. Mit dem Schritt hebe man „die Selbstbeschränkung auf“, so Seitz. „Wir Ärzte müssen jeden Tag auswählen, welchen Patienten wir zuerst behandeln“, das sei beim Impfen nicht anders. Es gehe darum, welcher Patient die Impfung am nötigsten habe.


Seitz rechnet damit, dass der Andrang steigen wird. Gerade junge Menschen hofften nun auf eine baldige Impfung, weil sie sich damit mehr Möglichkeiten für die Urlaubs­planung versprechen. Der größere Druck sei besser als die bisher gültige strenge Vorschrift. „Wir müssen und werden damit umgehen“, so der Mediziner. Zwar war die Priorisierung des Impfstoffs von Astrazeneca schon aufgehoben worden, für Biontech galt das aber noch nicht. Die Präparate von Moderna und Johnson und Johnson würden in Praxen im Landkreis noch nicht eingesetzt, so der Versorgungsarzt.


Seitz betonte, man könne als Arzt jetzt viel freier entscheiden, „wir kennen unsere Patienten ja“. Dennoch bittet er darum, dass seine Praxis nun nicht von Anfragen junger, gesunder Patienten überschwemmt wird. „Wir werden nicht anfangen, jeden zu impfen, der in die Praxis kommt.“


Praxen sparen sich viele Anrufe


Allerdings sei die Suche nach Impfwilligen künftig leichter. Wenn am Ende der Woche noch zehn Dosen Impfstoff übrig waren, musste man schon 50, 60 Patienten anrufen, stellt es Seitz dar – viele der Älteren kamen mittlerweile im Impfzentrum an die Reihe, die Praxen erfahren davon jedoch nichts. Künftig reichen für zehn Dosen vielleicht 20 Anrufe, glaubt Seitz. So werde es sicher auch jüngere Menschen geben, die von der Aufhebung der Priorisierung des Impfstoffs von Biontech profitieren.


Auch der Neunkirchener Arzt Dr. Bastian Jedlitschka freut sich über die Entscheidung. „Das macht die ganze Handhabung ein bisschen einfacher.“ Man werde weiterhin darauf achten, wer die Impfung besonders nötig habe. Ein „first come, first serve“ werde es also nicht geben.

Terminanfragen haben zugenommen


Wie auch Seitz freut sich der Arzt darüber, dass er nun flexibler ist. „Wir können schneller, einfacher entscheiden.“ Sei eine Dosis übrig, könne sie „theoretisch der Postbote“ bekommen, wie es Jedlitschka ausdrückt.
Nachdem die Entscheidung bekannt wurde, haben die telefonischen Anfragen nach einem Termin in seiner Praxis deutlich zugenommen, sagt der Neunkirchener Arzt. Doch der Impfstoff bleibe weiterhin knapp.


Ärzte können aktuell bis zu acht Fläschchen mit je sechs Dosen von Biontech pro Woche bestellen, sagt Seitz. Da die siebte Dosis verimpft werden kann, entspricht das bis zu 56 Impfungen. Hinzu kommen bis zu 70 Dosen von Astrazeneca.

Über 75000 Impfungen im Landkreis


Laut Landratsamt wurden bis gestern 75 364 Impfungen durch das Impfzentrum, die Krankenhäuser und in den Praxen durchgeführt, davon 60 263 Erst- und 15 101 Zweitimpfungen. Rund 35 Prozent der Bevölkerung sind zum ersten Mal und knapp neun Prozent zum zweiten Mal geimpft.


Im Impfzentrum des Landkreises und dessen beiden Außenstellen hat der Übergang zur Gruppe mit der „erhöhten Priorität“, umgangssprachlich Gruppe 3 genannt, begonnen. Aktuell werden die letzten Personen aus Gruppe 2 und die ersten aus Gruppe 3 geimpft.

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