Ärzte wollen Lösung

Notfallpraxis: Kinder müssen draußen warten

Am Krankenhaus Lauf teilen sich die Kindernotfallpraxis und die Notfallpraxis der KVB einen gemeinsamen Bereich. | Foto: Handel2021/12/Notfallpraxis_Krankenhaus_Lauf_EinfangJPG-crop-scaled.jpg

Lauf – Eltern mit kranken Kindern müssen im Freien warten, während es sich erwachsene Patienten drinnen „gemütlich“ machen dürfen. So lautet der Vorwurf eines Lesers aus Röthenbach nach einem Besuch der Notfallpraxis am Laufer Krankenhaus. Eine Beobachtung, die der Sprecher der Kinderärzte zumindest teilweise bestätigen muss.

Am 1. November, einem Feiertag, musste Markus Peschek mit seinem fast dreijährigen Sohn in die Notfallpraxis. Die Einrichtung hat zwei getrennte Bereiche: einen für erwachsene Patienten, der von der Kassenärztlichen Vereinigung Bayern (KVB) betrieben wird, und einen für Kinder. Für Letzteren sind zwölf Kinderärzte aus dem Nürnberger Land und Eckental verantwortlich, die hier an den Wochenenden und Feiertagen einen Notdienst anbieten.

Was Markus Peschek erlebte, machte ihn so wütend, dass er sich in einem Brief an die PZ wandte. Denn er musste, wie andere Eltern auch, rund eine Stunde im Freien warten, weil das Wartezimmer im Innenbereich mit erwachsenen Patienten belegt gewesen sei. „In welchem Land leben wir, welchen Stellenwert haben unsere Kinder auch angesichts der aktuellen Coronamaßnahmen“, fragt der vierfache Vater. Ihm drängt sich der Eindruck auf, dass Kinder „wertlos“ seien.

Das will natürlich keiner“, betont Dr. Steffen Leidig, Obmann der Kinder- und Jugendärzte im Nürnberger Land. Deshalb seien er und seine Kollegen auch nicht untätig gewesen. Im Sommer 2020 habe er sich erstmals an die KVB gewandt, wie man angesichts von Corona die Wartesituation in der gemeinsamen Notfallpraxis entzerren könnte, wo das Wartezimmer bis dato sowohl von erwachsenen als auch jüngeren Patienten genutzt wurde. „Wir wollten vermeiden, dass ein Kind möglicherweise eine 80-Jährige ansteckt.“

Zelt wurde kaum genutzt

Bis Oktober sei aber nichts passiert, sagt Leidig. Auch das Krankenhaus konnte auf seine Anfrage hin keine zusätzlichen Räume zur Verfügung stellen. Also habe man, neben fünf bis sechs Warteplätzen im Gang, die es auch heute noch gibt, im Außenbereich mit dem BRK ein Zelt aufgestellt. Doch dieses sei
dann kaum gebraucht worden. „Zu Stoßzeiten kommen 60 bis 80 Kinder in die Notfallpraxis, letzten Winter waren es durchschnittlich nur 10 bis 20. Es war tote Hose“, bilanziert der Laufer Kinder- und Jugendarzt.

Mit der Folge, dass das Wartezelt, das für ihn auch aus infektiologischen Gründen ohnehin keine gute Lösung gewesen sei, im Frühjahr wieder abgebaut wurde. Doch jetzt stelle sich die Frage aufs Neue, wobei der Mediziner betont, dass Wartezeiten von einer Stunde die absolute Ausnahme seien. Markus Peschek habe mit dem Feiertag anscheinend einen ungünstigen Moment erwischt, die zwei Tage vorher, also am Samstag und Sonntag, sei wenig los gewesen, meint er mit Blick in die Akten. Normalerweise würden die fünf bis sechs Warteplätze im Gang ausreichen.

Er will sich jetzt aber mit seinen Kollegen besprechen, um eine kurzfristige Lösung für Stoßzeiten zu finden. Das könnte zum Beispiel sein, dass Eltern eine Handynummer hinterlassen, und dann zumindest im Auto warten können oder mit einer Art „Buzzer“, die man aus Biergärten kennt, angefunkt werden, sobald sie an der Reihe sind. „Wir müssen die Kommunikation verbessern“, räumt Steffen Leidig ein.

Eine perfekte Lösung allerdings werde es wohl nicht geben, auch, weil die Notfallpraxis ohne Terminsystem funktioniere. Generell teilen er und seine Kollegen Markus Pescheks Meinung: „Wir sehen nicht mehr ein, dass Erwachsene drinnen warten dürfen und Kinder nicht.“

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