Zahl der Kita-Kinder in den Einrichtungen steigt

Notbetreuung oder Normalbetrieb?

Archivbild: Spielstunde im Haus für Kinder in Hüttenbach (2016). | Foto: PZ-Archiv2020/07/Kindergarten-Huttenbach-altes-Schulhaus-neu-spielen.jpg

NÜRNBERGER LAND – Schulen und Kindergärten sind nach wie vor dicht, Notbetreuung wird aber angeboten. Und die ist gefragt. Wesentlich mehr Eltern als im Frühjahrslockdown nutzten aktuell die Notbetreuung, wie eine Umfrage der PZ zeigt. Und die Zahl wird noch weiter steigen, so die Erfahrung heimischer Kindergärten.

Das bestätigt zum Beispiel Sarah Heumann, zuständig für die Kindertagesstätten der Stadt Röthenbach. Im Kindergarten „Sonnenschein“ kamen in dieser Woche zwischen 15 und 20 Kinder in die Notbetreuung (von insgesamt 65), im Kindergarten am Steinberg waren es sogar zwischen 25 und 30 (von 70). „Wir rechnen damit, dass es nächste Woche noch mehr werden“, meint Heumann. Dagegen sei die Nachfrage in den Horten sehr gering.

Fehlende klare Vorgaben

Sie fand die klaren Vorgaben, welche Kinder einen Anspruch auf Notbetreuung haben, im letzten Frühjahr besser. Jetzt liege es an den Erzieherinnen nachzuhaken, ob denn das Kind nicht doch zu Hause betreut werden könne. „Man dringt in die Privatsphäre der Familien ein.“ Und wenn die Eltern mitbekämen, dass das Nachbarskind oder der beste Freund in die Kita gehen, dann werde die Motivation, das eigene Kind zu Hause zu lassen, natürlich geringer.

Von Woche zu Woche

„Zu prüfen, ob Eltern eine Notbetreuung für ihre Kinder brauchen, ist nicht unsere Aufgabe“, sagt auch Roland Fischer, Leiter des Rückersdorfer BRK-Kindergarten „Bunte- Räuber-Kiste“, der derzeit zu rund 30 Prozent ausgelastet ist. „Die Situation ist angespannt. Viele Familien kämpfen sich von Woche zu Woche.“

Viele Eltern, deren Kinder die Betreuung in Anspruch nehmen, würden aber dennoch versuchen, die Zeit so gering wie möglich zu halten. „Das ist ein Zeichen, dass sie es nicht aus Bequemlichkeit annehmen“, findet Fischer. Generell, so sein Eindruck, gehe die Tendenz in den Kindergärten derzeit von der Notbetreuung eher in Richtung Grundbetreuung. Bisher sei man aber in allen BRK-Einrichtungen bei einem „völlig angemessenen Maß“, so Brigitte Fleischmann, Leiterin der BRK-Kindergärten.

Land versus Stadt

Rund 20 von 140 Kindern besuchen derzeit das Haus für Kinder Hüttenbach St. Josef. Der Ansturm, den Leiterin Sandra Eichler erwartet hatte, blieb aus: „Ich glaube, hier im ländlichen Gebiet sind wesentlich weniger Kinder in der Notbetreuung, als in Städten“. Die Eltern versuchten, andere Lösungen zu finden, „aber es gibt immer Eltern, die nicht bereit sind, sich anders zu organisieren, obwohl sie vielleicht mit dem Arbeitgeber sprechen könnten.“

Dass zwischen Stadt und Land wohl ein Gefälle besteht, bestätigen die hohen Zahlen in Lauf: In den städtischen Kindergärten der Stadt seien derzeit sogar fast 40 Prozent der Kinder anwesend, so die Stadt auf Nachfrage der Pegnitz-Zeitung.

Verständnis auf beiden Seiten

Dass Eltern die Entscheidung, ihr Kind in die Kita zu geben, nicht leichtfertig treffen, ist der Eindruck von Christiane Daxel, Leiterin der Kindertagesstätte „Am Hasnbuckl“ in Schwaig. Allerdings hätten in Schwaig auch relativ viele Familien einen Garten. Diese Woche besuchen 20 von 78 Kindern die Einrichtung. „Das Klima ist gerade sehr verständnisvoll auf beiden Seiten“, betont Daxel.

In den ASB-Kindergärten seien derzeit zwischen zehn und 20 Prozent der Kinder in der Notbetreuung, schätzt Sabine Strobel-Ahlfeld, zuständig für den Bereich Jugend, Arbeit und Familie. Doch auch sie denkt, dass die Zahlen steigen, je länger die Situation noch andauert. „Im März durften weniger Kinder kommen, aber jetzt ist es schwammig formuliert“, kritisiert sie.

Fragen zu Kita-Gebühren

„Es ist toll, dass es so viele Eltern von zu Hause aus schaffen“, allerdings sei es nicht nur für die Eltern, sondern auch für die Kitas eine Herausforderung. „Es kommt immer wieder etwas Neues und wir müssen auch erst warten, bis wir konkrete Informationen bekommen“. Die wünscht sie sich nun in Sachen Kita-Gebühren, da sie viele Nachfragen von Eltern erreichen.

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