Neunkirchen: Ende der Amtszeit von Kurt Sägmüller

Blick zurück im Guten

Beim Jahresempfang fühlte sich Kurt Sägmüller in seinem Element als Repräsentant der Gemeinde. Foto: Scholz2014/04/81337_KurtSaegmuellerEmpfang2013quer_New_1398864964.jpg

NEUNKIRCHEN — Die offizielle Verabschiedung steht erst am 21. Mai an, tatsächlich aber ist Kurt Sägmüller bereits am heutigen Mittwoch den letzten Tag Neunkirchens Bürgermeister. Nach zwölf Jahren als Rathauschef kann der 67-Jährige völlig entspannt Bilanz ziehen. Denn der Gemeinde geht es gut, sie hält Schritt mit den neuesten Entwicklungen und sie schöpft finanziell aus dem Vollen.

„Es war eine schöne Zeit“, sagt Sägmüller rückblickend. Um dies nach zwei Bürgermeister-Amtsperioden uneingeschränkt sagen zu können, braucht es schon auch glückliche Umstände. Das bestätigt der gelernte Elektriker und spätere Bahntechniker im gehobenen Dienst freimütig: Er erinnere sich an einen einzigen Tiefpunkt, sagt er im Gespräch mit der PZ: Gleich im zweiten Jahr als Rathauschef ging der große Arbeitgeber Gruco pleite. Knapp 300 Mitarbeiter verloren ihre Stelle. „Das hat mich stark bedrückt“, sagt der Christsoziale heute, der noch einmal näher dran war, weil seine Frau Gisela zu den Betroffenen gehörte.

Doch dann hatte Neunkirchen – man kann es nicht anders sagen – wieder Glück: Die Firma Speck Pumpen kaufte das Gruco-Gelände in der Ortsmitte und ist seitdem einer der drei stärksten Steuerzahler in der Gemeinde. Das Unternehmen begleitete Sägmüller fortan. Nicht von ungefähr war Hermann Speck der erste Unternehmer der Gemeinde, den Neunkirchen bei einem der ersten Jahresempfänge, die in den Sägmüller-Jahren eingeführt wurden, besonders würdigte. Das war 2008. Seitdem tun Verwaltung und Gemeinderat alles Erdenkliche, um der Firma den Standort so attraktiv wie möglich zu halten – bis hin zum „Waldschänke“-Opfer für die irgendwann in den kommenden Jahren bevorstehende Erweiterung des Pumpenherstellers in den Röttenbachgrund hinein.

So könnte der nicht falsche Eindruck entstehen, dass unter dem scheidenden Bürgermeister ein Rädchen ins andere griff: bei den Rathausmitarbeitern, die die Art ihres Chefs als entgegenkommend loben und die als Fachleute alle nötigen Freiheiten genossen („Sie haben die Erfahrung und das Wissen.“) sowie im Gemeinderat, der in den zwölf Jahren eine stattliche Zahl von Projekten auf den Weg gebracht hat. Um nur einige von der langen Liste zu nennen: der Photovoltaikpark auf dem Müllberg, Investitionen in Kita und Schule, Neubaugebiete, erste energiesparende LED-Straßenlampen, Breitband-Internet überall, Sanierungen und die begonnene Neunkirchener Ortskern-Neugestaltung.

Kein „Parteisoldat“

Freilich gab es Streit im Rat, zuletzt häufig um die Frage, wie strikt Sparsamkeit sein muss, in den sich Sägmüller aber betont emotionslos nicht verstricken ließ. Dabei verstand sich der CSU-Bürgermeister bei aller Loyalität ausdrücklich nicht als „Parteisoldat“. Ginge es nach ihm, so sagt er, dann würde sich ein Gemeinderat ohnehin nicht aus Fraktionen zusammensetzen, sondern einfach aus Kollegen. Aber in Neunkirchen fallen sowieso geschätzte 95 Prozent der Beschlüsse einmütig.

Sägmüller mochte den politischen Streit nicht besonders, auf das eigene Profil kam es ihm nicht an. Auch im Rathaus sollte stets die Sache Vorrang haben. Gab es einmal atmosphärische Störungen, dann mit Sicherheit nicht wegen des Chefs. Im Gegenteil. Auf die Frage, wer ihm über die Jahre am meisten den Rücken gestärkt habe, erwidert er sofort: „die Verwaltung und meine Vorzimmerdame“.

Und wer war sein größter Gegner? „Die Zeit“, antwortet Sägmüller wie aus der Pistole geschossen. Darum freut er sich besonders, dass jetzt der ständige Druck mit drei Abendveranstaltungen unter der Woche und weiteren Wochenendterminen „erst einmal weg ist“, er nun die Ruhe genießen könne und mit seiner Frau auch endlich einmal „spontan wegfahren kann“. Er denkt dabei an den Bayerischen Wald, Kreta oder die Kanaren. Allerdings sei zu Hause auch „viel Arbeit“ liegen geblieben.

Und was wird er als Pensionär am meisten vermissen? Der Kontakt zur Bevölkerung sei für ihn schon die schöne Seite des Berufs gewesen, erzählt er, zum Beispiel die Auftritte bei Vereinen, die Geburtstagsbesuche … Aber „das Schönste“, schwärmt Sägmüller, „war das Repräsentieren“ und zwar bei offiziellen Anlässen wie dem Neunkirchener Jahresempfang oder als Gast in Nachbargemeinden, bei denen er – wie sonst auch – stets deutlich auf eine korrekte Haltung bedacht war. Gefallen hat ihm immer auch die Kollegialität unter den Bürgermeistern.

Nicht nur wegen Sägmüllers Abschied steckt Neunkirchen gerade in einem großen Umbruch. Bürgermeisterin Martina Baumann (SPD) ist neu, daneben gibt es einen neuen Kämmerer und bald wird auch der Posten des Hauptamtsleiters nach Jahrzehnten neu besetzt.

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