Kleintierzucht

Neunjähriger ist erfolgreicher Entenzüchter

Stolz zeigt Xaver Winter eine der Rouen-Enten, die ihm bei Ausstellungen schon einige Preise, wie den Jugendzuchtpreis des Landesverbands Bayern für besondere Leistungen, eingebracht haben. | Foto: A. Pitsch2020/09/IMG-8139.jpg

FINSTERMÜHLE – „Man muss bei den Tieren auf die Farbe achten, das Muster, einen geraden Kiel, einen sauberen Spiegel auf dem Flügel“, zählt Xaver Winter konzentriert auf. All das müsse man beachten als erfolgreicher Geflügelzüchter, der der aufgeweckte junge Mann ist – mit gerade einmal neun Jahren.

Denn der Schüler wurde unter anderem Schausieger auf Geflügel bei der Kreisgeflügelschau in Altensittenbach, Jugendkreismeister mit Wassergeflügel und er erhielt den bayerischen Landesjugend-Zuchtpreis. „Mal mit einem kleinen Preis habe ich schon gerechnet, aber dass es gleich so viele werden, da war ich schon baff“, gibt Xaver Winter offen und so gar nicht kindlich-schüchtern zu.

Stehen hat er seine Pokale auf einem Schrank aufgereiht in seinem Zimmer. „Umso größer der Kreis, desto höher ist die Auszeichnung“, erklärt Vater Martin Winter. Bislang ist das beim Sohnemann die bayerische Ebene.

Geflügel fürs Wasser

Dass er da gelandet ist, hat er seinem Papa zu verdanken: „Er hat unsere Tiere vor drei Jahren unter meinem Namen bei einer Ausstellung angemeldet.“ Denn Martin Winter züchtet schon lange Rouen-Enten wildfarbig und blau-wildfarbig. „Wir haben hier viel Wasser, also war es nur logisch, Wassergeflügel anzuschaffen“, erzählt Winter. Außerdem mag er das ruhige Wesen dieser französischen Fleischentenrasse. „Sie ist jedoch nicht so vermehrungswütig wie andere Artgenossen.“

Dennoch betreuen er und sein Sohn drei bis vier Zuchtstämme. „Aus allen Enten wählen wir etwa zehn für die Ausstellungssaison im Winter aus“, sagt Winter. Das seien aber nicht jedes Jahr die gleichen Tiere, schiebt der Junior wissend hinterher. Er hat Papas Hobby über die Jahre mitbekommen: „Und ich habe mich weiter dafür interessiert.“

Klar hoffe man, dass der Sohn in die eigenen Fußstapfen tritt, so Winter, zumal die Geflügelzucht die bessere Alternative zur Beschäftigung mit und an elektronischen Geräten sei. „Und er lernt, wo das Fleisch herkommt.“

Dass er das Freunden oder Gästen des familieneigenen Gasthofs erklären kann, das gefällt Xaver. „Ich mag Tiere, und es ist toll, dass ich mit ihnen was machen und mich um sie kümmern kann.“ Das muss er vor allem dann, wenn Vater Martin nicht da ist. „Dann ist er mein Vertreter, dem ich keinen Zettel schreiben muss, was er zu tun hat“, berichtet der Papa stolz.

Grüne Knabberei

Und was sind dann seine Aufgaben? „Ich muss die Enten füttern und ihnen bisschen Salat reinwerfen und auch mal Eier einsammeln für die Nachzucht“, sagt Xaver ganz überlegt. Bewacht werden die Rouen-Enten sowie ihre Mitbewohner, die Steinbacher Kampfgänse, im großen Freigehege 24 Stunden von Hirtenhütehunden.

Auch wenn die Enten scheinbar nicht so viel Arbeit machen, auf dem Hof gibt es genug zu tun: Seit 2003 betreibt Winter eine Burenziegen-Zucht. Zum Tierbestand gehören neben den Haflingern seines Vaters jede Menge Wasserziergeflügel – Xaver wirft zig Rassenamen ein und meint: „Die erkenne ich alle“ – sowie 15 Rinder französischen Gelbviehs, das vom Aussterben bedroht ist. „Der Trend geht einfach dahin, dass die Leute wissen wollen, wo ihr Fleisch herkommt“, weiß Martin Winter.

Bei all der Viecherei kein Wunder, dass Sohn Xaver aktuell den Wunsch hegt, Bio-Landwirt zu werden. Die Augen strahlen, wenn er von großen Bulldogs erzählt, die er dann braucht. Derzeit muss er sich noch mit den Spielzeug-Exemplaren begnügen. Mit denen verbringt er aber ebenso gerne seine Freizeit wie mit Angeln, Fußballspielen oder den Enten.

Eine Lieblingsente habe er übrigens nicht. „Die, die mir einen Preis eingebracht hat, ist schon was Besonderes“, schiebt er nach. Aber auch die landet irgendwann im Kochtopf. Das sei zwar schade, aber sei halt so: „Das ist ein Geben und Nehmen“, meint Xaver altklug.

Ab ins Gehege

Ob die Tiere ihm diesen Winter in Sachen Auszeichnungen etwas geben werden, ist aufgrund der Corona-Pandemie noch unklar. „Bislang halten die Kleintierzuchtvereine hier an den Ausstellungen fest, und wir haben uns in Straubing zu Bayernschau angemeldet“, berichtet Martin Winter. Möglicherweise würden das auf lokaler Ebene nur reine Bewertungsschauen ohne Zuschauer. „Und wenn nicht, bleiben die Enten halt eine Saison daheim.“

Auch dann kann Martin Winter dem Sohnemann sein Wissen weitergeben, denn klar ist: „Das mit der Zucht und den Ausstellungen läuft noch unter der Federführung der Eltern.“ Mit seinen neun Jahren sei Xaver in den Vereinen KTZV Königstein, KTZV Reichenschwand und dem Sonderverein deutscher Entenzüchter so ziemlich das jüngste Mitglied.

Gerade der Nachwuchs brauche Unterstützung, was dem „eingeschworenen Züchterkreis“ aber schwerfalle. Als löbliche Ausnahmen nennt Winter Matthias Bauer, der Xaver sehr unterstütze, und Bernd Feige, auf dessen Linie die Winter’sche Zucht aufgebaut ist. Zudem schrecke die Bürokratie viele Interessierte ab: „Wir müssen über den Entenverkauf genau Buch führen und ein Bestandsregister über Impfen, Tod, Entsorgung genau ausfüllen“, schimpft Winter. „Da verliert man schon manchmal die Lust.“

Xaver hat noch jede Menge davon, auch wenn ein paar seiner Freunde sein Hobby „voll doof“ finden. Ihn stört das nicht. Schließlich gibt es auch Kumpels, für die es „cool“ ist, mal mit ins Freigehege zu gehen. Ein Freund habe auch Enten; zwar eine andere Rasse, „aber da unterhalten wir uns immer wieder drüber, also man kann schon fachsimpeln sagen“, beschreibt es Xaver Winter und grinst.

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