Hürden durch Corona

Neuhauser Weltladen gehört zum Ort dazu

Iris Lay, Helga Opper-Linnert und Ingrid Buchfelder (v. links) lieben ihre Arbeit im Weltladen Neuhaus und wollen den fairen Handel in den Köpfen der Menschen festsetzen. | Foto: Pitsch2021/09/IMG-8811.jpg

NEUHAUS – Es fing mit einer Kiste Bananen und einer Rumpelkammer in der ehemaligen Mühle an. Das war im Oktober 2007. Inzwischen ist der Neuhauser Weltladen eine feste Größe – vor allem dank seiner engagierten Mitarbeiter.

Eine davon ist Ingrid Buchfelder. Sie hatte damals in Form von Bananenverkauf die Eine-Welt-Arbeit in der katholischen Kirchengemeinde betrieben. „Da kam der evangelische Pfarrer Hader und wollte eine Kiste für seinen Afrika-Tag haben“, erinnert sie sich. Doch Hader hatte noch mehr mit ihr vor: Als die Mühle vom Privathaus zum evangelischen Gemeindehaus umgebaut wurde, war dort eine „Rumpelkammer“, wie es Buchfelder nennt, frei – für das gemeinsame Projekt „Weltladen Neuhaus“.

Im Oktober 2007 startet der Laden mit 15 ehrenamtlichen Mitarbeitern. „Jetzt sind es noch fünf oder sechs Aktive“, sagt Buchfelder traurig. Viele hätten wegen Wegzug, Beruf oder auch wegen des Alters – gerade in Corona-Zeiten – aufgehört. „Daher können wir den Laden nur noch einmal in der Woche öffnen.“ Über neue Leute für den Ladendienst würden sich Buchfelder, Helga Opper-Linnert und Iris Lay freuen.

Schubs zum Mitmachen

Die beiden sind auch schon „alte Hasen“, wenn auch kein Gründungsmitglied wie Buchfelder. Opper-Linnert kam über einen Taschenkauf zum Team: „Ich war schon immer sozial engagiert und finde die Grundidee klasse.“ Da ihr Verkaufen Spaß macht, stieg sie mit ein. Einen kleinen Schubs brauchte dagegen Lay: „Ich habe mich für fairen Handel interessiert, aber erst als ich direkt gefragt wurde, ob ich mitarbeiten würde, tat ich es auch.“

Bereut haben sie es nie: „Es ist sehr abwechslungsreich, weil wir alles machen müssen: putzen, Mindesthaltbarkeit kontrollieren, Ware einräumen …“ Klar sei mal weniger los, dafür an anderen Tagen so viel, dass man zu nichts kommt. Buchfelder hat neben dem Ladendienst noch mehr Verantwortung: Sie führt Listen über die Bestände und fährt regelmäßig ins Lager des fairen Lieferanten, um Bestellungen zu holen, neue Produkte auszuprobieren und sich mit anderen Weltladen-Betreibern auszutauschen. „Die haben die gleichen Probleme und das motiviert einen, dran zu bleiben.“

Bekannte Gesichter

Das, was Buchfelder da holt, das basiert auf Kundenwünschen, erklärt sie. „Kaffee, Tee, Schokolade – das ist gängig. Neues setzt sich oft schwer durch, weil die Leute gewohnheitsmäßig kaufen.“ 90 Prozent der Einkäufer seien Stammkunden, ergänzt Lay; dazu kämen ein paar Touristen. „Wir sehen den Menschen oft schon an, ob sie Tee, Kaffee oder Schokolade wollen“, verrät Opper-Linnert. Sie aber zum Ausprobieren zu bewegen, sei nicht einfach. „Vor allem Ältere haben Vorurteile gegenüber unseren Waren und denken, das schmeckt nicht“, weiß Buchfelder. Jüngere seien da aufgeschlossener – wie zum Beispiel Schüler, die das Thema im Unterricht hatten und prompt deswegen mal in den Laden kamen, berichtet Opper-Linnert.

Beliebt – gerade für Geschenke – sei auch das angebotene Kunsthandwerk. „Das haben wir aber nur auf Kommission da und müssen es nach sechs Wochen wieder zurückgeben“, erläutert Buchfelder. Richtig gut gegangen sei das, als vor Corona noch Stände wie am Handwerkermarkt auf der Burg Veldenstein möglich waren. Überhaupt seien es die Aktionen und Aktivitäten gewesen, die den Laden belebt haben, ist sich das Trio einig: Kaffeenachmittage, Konzerte, Vorträge und die Faire Woche seien beliebt gewesen, weil „dann mal was los war in Neuhaus“.

Überraschung für einen Schein

Auch auf die Zehn-Euro-Pakete, die oftmals nach Gottesdiensten verkauft wurden, mussten die Menschen verzichten. „Da war dann was drin, was die Leute sonst nicht gekauft hätten, wovon sie aber angenehm überrascht waren“, erklärt Opper-Linnert. Eine Zeit lang (bis Sommer 2020) hatte der Weltladen sogar ganz zu – „aus Fürsorge“ für die Älteren. Dafür habe man Homepage und Facebook-Seite attraktiver gestaltet, was sonst wohl nicht passiert wäre, denken die drei. Mit einem Lieferservice habe man „zumindest eine gewisse Menge an Verkauftem aufrechterhalten können“. Aber Seniorennachmittage oder Vereinsfeste fehlen: „Sonst hat halt immer mal wieder jemand zehn Pfund Kaffee gekauft“, blickt Opper-Linnert zurück.

Daher sei Haushalten mit dem Erwirtschafteten angesagt, betont Lay. Immerhin müssen zwei Patenschaften in Nepal sowie ein Obolus an die Kirchengemeinde gestemmt werden. An Spenden für Projekte, die durch Aktionen finanziert wurden, ist nicht zu denken. „Wir wollten längerfristig etwas unterstützen und da wir vom Verein Nepra auch Waren im Sortiment haben, haben wir die Patenschaften für einen Papa samt Kind übernommen“, so Lay. Hier wüssten sie, dass das Geld direkt ankomme; etwas, was den Damen sehr wichtig ist. Die beste Hilfe sei natürlich, wenn die Produzenten ihre Sachen selbst zu einem fairen Preis verkaufen können, fügt Buchfelder an.

Gleiches Recht für alle

Dass dieser Gedanke immer mehr in die Köpfe der Menschen dringt, diesen Eindruck hat das Trio durchaus: „Der faire Handel ist auch durch die Medien mehr ins Bewusstsein gerückt.“ Buchfelder wünscht sich, dass der Gedanke, dass es allen Menschen gut gehen soll, noch stärker wird. „Dazu muss man sich beim Einkauf überlegen, ob der Hersteller dafür einen gerechten Lohn bekommen hat, ob Kinderarbeit dahintersteckt.“

Was man kauft, das sollte man bewusster genießen, findet Lay: „Gerade Tee, Kaffee und Schokolade sind Genussnahrungsmittel.“ Der Weltladen möchte laut Buchfelder dazu beitragen, für mehr Verständnis bei den Lieferketten zu werben: „Es muss nicht das Beste, Schönste und Billigste sein.“

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