Felssturz in Neuhaus

Jetzt geht’s ans Aufräumen

Schneise der Verwüstung: Der Felssturz hinterließ viel loses Geröll am Hang, das in den nächsten Tagen beseitigt werden soll. Foto: D. Heinz2013/06/5_2_1_2_20130607_BURG.jpg

NEUHAUS (doh) – Die Aufräumarbeiten beginnen: Nach dem Felssturz in Neuhaus geht es nun daran, Geröll und Schäden zu beseitigen und die Ursache dafür zu finden. Anfang vergangener Woche waren nach heftigen und anhaltenden Regenfällen zirka 300 Tonnen Gestein aus dem Burgfelsen gebrochen und auf die Plecher Straße gestürzt. Dabei wurden auch Wohnhäuser beschädigt (HZ berichtete).

Nach dem lange erwarteten Wetterumschwung konnte gestern mit den Aufräumarbeiten begonnen werden. Die aus Österreich stammende Firma HTB, ein Spezialist für Hochgebirgsbau, entsorgt die schweren Felsbrocken mit Spezialgerät. Ein Autokran beförderte zunächst Sachkundige und Ermittler mit einem Stahlkorb in luftige Höhen, um die Unglücksstelle in Augenschein zu nehmen und die Gründe für den Felssturz herauszufinden.

Geologe Dr. Jörg Gründer: „Die Situation ist schlechter als angenommen: Die Felsstrukturen sind zerstört und es gibt Klüfte mit Verwitterungslehm. Man muss also auch in anderen Bereichen etwas tun. Zudem liegen noch zwei lose Blöcke oben auf dem Felsen.“

Um weitere Stürze zu verhindern, sollen um den ganzen Felsen Anker angebracht werden: sechs bis zehn Meter lange Stahlstäbe, die in den Felsen eingebohrt werden. Felsspalten sollen mit Spritzbeton gefüllt werden. So können weitere Felsteile nicht ausbrechen. „Es besteht Handlungsbedarf“, so Gründer. „Ganz sicher wird wieder etwas herabstürzen. Wann und wie viel lässt sich aber nicht voraussagen. Es kann morgen geschehen, aber auch erst in 300 Jahren. Eine wichtige Rolle spielen auch Wetter und Witterung.“

Eine Mit-Ursache für das geschehene Unglück ist demnach im intensiven Regen der letzten Zeit zu suchen. Doch endgültige Aussagen können erst nach dem fertigen Gutachten getroffen werden, das auch verschiedene Sicherungsmöglichkeiten enthalten wird.

Die Schäden am Burgfelsen sind nicht neu. Für geplante Ausbesserungsarbeiten wurde ein Baugerüst installiert. Dieses wurde bei dem Felssturz komplett zerstört. Die Ankerbohrungen zur Befestigung hatten jedoch keinen Einfluss auf das Unglück. Zu diesem Ergebnis kam eine Vorermittlung der Kripo Schwabach, so dass kein Ermittlungsverfahren wegen Baugefährdung eingeleitet wurde. Das THW entfernte die noch am Felsen befindlichen Reste des Gerüstes.

Unterhalb der Unglücksstelle wird heute auf der Straße eine Barrikade aus sogenannten „Big Bags“ aufgebaut. Das sind überdimensionierte Sandsäcke, die in mehreren Lagen über- und hintereinander gestapelt werden. Die Vorderseite wird zur Stabilisierung und zusätzlichen Dämpfung mit Mineralbeton aufgeschüttet. Sie schützen die umliegenden Häuser vor weiteren Schäden, sollte es bei den Aufräumarbeiten zu weiteren Felsstürzen kommen.

Bis dahin und bevor der Burgfelsen nicht gesichert ist, bleibt die Plecher Straße gesperrt – mindestens noch bis Ende nächster Woche schätzt der Neuhauser Bürgermeister Josef Springer. Auch die Anwohner dürfen solange nicht in ihre Häuser zurück. Ein „Trostpflaster“ bekamen sie gestern von offizieller Seite: Der bayerische Finanzminister Dr. Markus Söder besuchte die Unglücksstelle. Dabei räumte er dem Felssturz in seinem Ausmaß die gleiche Wichtigkeit ein wie die Hochwasserschäden und versprach den betroffenen Familien eine Soforthilfe von 1500 Euro.

Die Summe soll ihnen schon in den nächsten Tag zur Verfügung stehen, sagte er.

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